Cloppenburg 18 Monate nach dem verheerenden Häuserbrand in der Cloppenburger Innenstadt, bei dem in der Langen Straße 45 und 47 Geschäfte und Wohnungen ein Raub der Flammen wurden, hat am Mittwoch vor dem Oldenburger Landgericht der erste Zivilprozess um Schadensersatzansprüche begonnen. Eleonora Siebert (38), die durch den Brand am 28. Februar 2014 einen Tag vor der geplanten Eröffnung ihre Boutique verloren hatte und heute überschuldet ist, klagt gegen die Cloppenburger Baugesellschaft, die für das Feuer verantwortlich sein soll.

Doch zu einer Einigung kam es in der Güteverhandlung am Mittwoch nicht. Sich mit Siebert, die allein den Wert ihres vernichteten Warenbestands auf 30 000 Euro beziffert, zu vergleichen, kommt für die Baugesellschaft nicht in Frage. Denn diese ist sich keiner Schuld bewusst. Und ein versicherungsgestützter Vergleich kommt auch wohl schon deswegen nicht in Frage, weil das ein Signal für die anderen Verfahren, die noch warten, sein könnte. Es gibt mehrere Geschädigte und der Gesamtschaden geht in die Hunderttausende. Beispielsweise beziffert Bernd Baro, der durch den Brand sein Rahmen- und Bildergeschäft sowie sämtliche privaten Gegenstände verloren hat, den noch zu regulierenden Schaden auf insgesamt 400 000 Euro. Baro wird von dem Cloppenburger Rechtsanwalt Otto Höffmann vertreten.

Wie berichtet, hatte es eine heftige Diskussion über die Brandursache gegeben. Ein Gutachten hatte ausgeführt, dass am Vormittag des 28. Februar 2014 „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ von einer Brandentstehung während durchgeführter Schweißarbeiten auszugehen sei – ausgeführt von einem Mitarbeiter der Baugesellschaft.

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Die Staatsanwaltschaft hatte dann auch Ermittlungen gegen den Schweißer und die Cloppenburger Baugesellschaft wegen des Verdachts der fahrlässigen Brandstiftung aufgenommen, dann aber das Verfahren bereits am 17. November 2014 wieder eingestellt. Mit „sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ reichte der Anklagebehörde nicht, ihren Anfangsverdacht zu stützen. Ein Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht – bei Schweißarbeiten müssen besondere Brandschutzvorschriften eingehalten werden – lasse sich nicht mit hinreichender Sicherheit feststellen, hatte die Behörde die strafrechtlichen Akten unter Protest der Geschädigten geschlossen.

Die Einstellung des Verfahrens und damit kein Schuldspruch würden die Sache nicht einfacher machen, seien letztlich aber auch nicht ausschlaggebend, sagte am Mittwoch der Osnabrücker Rechtsanwalt Rainer Muth, der Siebert anwaltlich vertritt. Ein Zivilgericht bilde sich eine eigene Meinung.

Dass trotz einer „sehr hohen Wahrscheinlichkeit“ das strafrechtliche Verfahren eingestellt worden sei, bringt auch Rechtsanwalt Höffmann auf die Palme. Wer auf Grundlage einer solchen gutachterlichen Aussage das Verfahren einstelle, habe damit die zivilrechtliche Regulierung des Schadens erheblich erschwert.

Nachdem nun die Einigungsverhandlung am Mittwoch ohne Ergebnis geblieben ist, geht es jetzt in die Beweisaufnahme. Etliche Zeugen und Gutachter müssen gehört werden. Das kann Monate dauern. Ob die Geschädigten jemals ihren Schaden geregelt bekommen, bleibt nur abzuwarten.

Nach dem verheerenden Brand blieb Siebert das Pech treu: Am 24. Mai 2014 eröffnete sie ihr Geschäft im ehemaligen Haneklau-Gebäude an der Oberen Langen Straße. Doch die Lage erwies sich ihrer Meinung nach als untauglich, mangelnde Kundenresonanz zwang sie, Ende Juli zu schließen. Der Schuldenberg wuchs zwischenzeitlich auf 60 000 Euro an. Seit Mitte August hat sie ihr Geschäft nun in der Stadttorpassage – und Siebert ist zuversichtlich, dass es im dritten Anlauf klappt. „Hier in der Passage ist Leben, und ich kann Kleiderständer vor die Tür stellen.“

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Carsten Mensing Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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