Bösel /Overlahe Natürlich hat der Ausbau der Overlaher Straße (K 353) als überörtliches Verbindungsstück zwischen B 72 und Küstenkanal die ruhige Idylle etwas zerstört, doch etwas abseits der Kreisstraße wird aus dem Garten der Eheleute Hans und Anni Freke nach wie vor eine Oase. Angesichts der vielen Steinwüsten in den heutigen Vorgärten ein Gegenbeispiel. „Ich bin ein absoluter Feind solcher Steingärten“, meint Hans Freke. „Gärten des Grauens“, nennt er sie.

Hier im beginnenden Overlahe haben die Eheleute – beide mittlerweile 78 Jahre alt – nach wie vor ihren natürlichen Rückzugsort und ab und an – wenn Temperaturen und Wetter es zulassen – pflegt Hans Freke unter den Buchen auch seinen Mittagsschlaf, von dem ihn auch die lauten Motorräder auf der nahen Kreisstraße nicht abhalten können.

Die Overlaher Familie Freke kommt aus Reselage bei Damme. Sie wollte, wie nach dem Zweiten Weltkrieg viele andere Heuerlingsfamilien, gerne selbstständig als Landwirt tätig werden. Heuerleute halfen aus oder zahlten Geld oder Naturalien, im Austausch gegen ein Stück Land oder Unterkunft.

1956 wurde dem 1978 verstorbenen Bernhard Freke mit seinen neun Kindern eine damals 15 Hektar große Siedlerstelle in Overlahe zugewiesen. Der Wunsch erfüllte sich. Der Betrieb ist heute um einiges größer, erwarb sich Verdienste in der Rinderzucht und ist unter der Leitung des Enkels Thomas Freke (51) ein führender Milchviehbetrieb.

Eines der Kinder war Hans Freke. Als junger Mann fing er 1963 als Gärtner bei den Klasmanns an, ganz in der Nähe.

Freke suchte dann ein Grundstück. Die Gemeinde Bösel bot hier an der Overlaher Straße 6000 Quadratmeter an. Für eine Mark kaufte er das Grundstück. „Niemandsland“ war das früher, ein „Sandloch“, meint Anni Freke. Die Kultivierung begann.

Und die Frekes machten was daraus. Eine Baumschule richteten sie ein. Aus dem Sandloch wurde ein „Garten Eden“ mit Koniferen und Heide. In alten Jubiläumsschriften von Overlahe steht heute noch neben den Werbeanzeigen für Tegeler-Reisen, fürs Fleischergeschäft Norrenbrock, für Schuhe Pleye, für die Textilfabrik Stolte oder den Edeka-Märkten von Schmidt, Gründing oder Bojes – allesamt gehören sie der Vergangenheit an – die Anzeige der „Baumschule Freke“ neben dem der „Baumschule Lapke“.

Paul Lapke wohnte ein paar hundert Meter entfernt, war im Vehnemoor beschäftigt. Hans Freke wechselte zum Unternehmen Sommerfeld als Garten- und Landschaftsbauer, ehe er 1987 Leiter des Bauhofs der Gemeinde Bösel wurde. Als er 2003 in Rente ging, wollte Sommerfeld Hans Freke noch einmal engagieren, als Aufsicht für den Golfplatz, ganz offensichtlich in bester Erinnerung an die frühere Tätigkeit.

Jedenfalls verlangte der damalige Gemeindedirektor das Ende der Baumschule. Hans Freke verkaufte alle Pflanzen und die jungen Bäume und legte peu à peu den jetzigen Garten an.

Heute kann in diesem Garten der „Pioniergeist“ förmlich nachempfunden werden. Es gibt einen Teich für die Fische, viele bunte Blumen, einen Springbrunnen für die Vögel, eine schattige Ecke mit einigen Bäumen, eine Nutzecke mit Tomaten, Weintrauben und Apfelbäumen – in der nächsten Ecke dämpfen Pflanzen die Sonnenstrahlen. Und ganz hinten gibt es natürlich auch noch den Rasen. Einst für die vier Kinder angelegt, danach auch Spielfläche für mittlerweile neun Enkel und zwei Urenkel.

„Es gibt genügend pflegeleichte Abdeckungen“, empfiehlt Hans Freke als Gegenbeispiel für die heutigen Steinwüsten in vielen Baugebieten. Wildgeranie und Waldsteinie empfiehlt er. Aber auch Efeu, auch wenn der nicht leicht zu bändigen sein wird. Stauden- oder Kräuterbeete wären Alternativen, natürlich auch kleine Teiche. Zäune, Mauern und Hecken geben der grünen Oase einen Rahmen.

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