Bösel Hoch hinaus geht es künftig für die Ferkel im Stall Siemer: „Skyline“ heißt das Projekt, das die Goldschmaus-Gruppe, die Rügenwalder Mühle und Big Dutchman gemeinsam im Stall am Oldenburger Weg verwirklicht haben und damit den Schritt zu mehr Tierwohl in den Ställen und mehr Akzeptanz in der Gesellschaft gehen.

Worum geht es konkret? „20 Prozent mehr Platz“ pro Tier verspricht Dr. Gerald Otto, für Tierschutz und Forschung bei Goldschmaus zuständig, für die 2400 Ferkel, die in 80 Buchten aufgezogen werden. Gesetzlich vorgeschrieben sind 0,35 Quadratmeter pro Ferkel. Den zusätzlichen Platz bringt eine zweite Ebene in etwa 90 Zentimetern Höhe mit einer Tiefe von rund 1,20 Meter. Zudem sind die Buchten tiefer, damit der Aufgang zum „Balkon“ mit moderater Steigung funktionieren kann. Die Bucht ist unterteilt in Liege-, Fress-, Kot- und Aktivitätsbereiche. Die Bereiche unter der Ebene sowie unter dem Aufgang dienen den Ferkeln als Ruhebereich.

Spielgegenstände in Holz-, Pellet- oder Plastikvarianten hängen in der Box und sollen für die Unterhaltung sorgen. Dadurch soll das in der Diskussion stehende Kupieren der Schwänze bei Ferkeln überflüssig werden. Allerdings gebe es bislang noch keine ausreichende Datenbasis, ob das funktioniert, sagte Gerald Otto.

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Daher soll das Verhalten der Tiere im „Skyline“-System per Video analysiert werden. Das soll durch eine Professorin der Georg-August-Universität Göttingen geschehen. Die Projektverantwortlichen erhoffen sich so, weitere Erkenntnisse und Erfahrungen mit neuen Haltungsformen zu gewinnen. Zudem soll sich das neue System im Praxisbetrieb bewähren. Eine Expertin der Tierärztlichen Hochschule Hannover mit Erfahrungen aus dem Arbeitskreis Tierwohl soll das Projekt dort ebenso wissenschaftlich begleiten.

Im Arbeitskreis Tierwohl der Rügenwalder Mühle war das System von 2013 bis 2015 an der Tierärztlichen Hochschule Hannover erdacht und erprobt worden. Dabei seien die erhöhte Ebene und die Beschäftigungsgegenstände gut genutzt worden, sagte Gerald Otto.

Weitere Neuerung ist die computergesteuerte Trockenfütterung mit Chargenmischer. Dadurch kann bedarfsgerecht gefüttert werden, aber nicht nur das: Auch Medikamente können künftig gezielter verabreicht werden, macht Otto deutlich und begegnet damit einem weiteren diskutierten Thema: Antibiotika-Einsatz in der Tiermast.

Der Siemer-Stall in Bösel war komplett entkernt und neu gestaltet worden. Das System könne aber auch in bestehende Ställe integriert werden, erläutern die Experten. Neben dem finanziellen Aspekt sei der Reinigungsaufwand für die Landwirte aber höher. Umgesetzt werden soll im Bereich Thüle ein weiterer Stall mit ebenfalls erhöhter Ebene für die Schweinemast.

Goldschmaus-Geschäftsführer Josef Hempen betonte das Interesse des Unternehmens, das Tierwohl weiter zu verbessern – ebenso wie Lothar Bentlage, Geschäftsführer der Rügenwalder Mühle, der auch das Interesse des Handels an höheren Standards in der Tierhaltung ansprach: „Tierwohl, das geht, wenn man bemüht ist.“

Dem Skyline-Projekt gestand er eine „Leuchtturm“-Funktion zu, denn es sei auch für Landwirte finanziell darstellbar.

Reiner Kramer stv. Redaktionsleitung Cloppenburg/Friesoythe / Redaktion Münsterland
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