Essen Ruhig und idyllisch liegt der Bauernhof von Angelika und Martin Roberg in Essen. Es ist viertel vor sieben am Morgen, über den Feldern liegt noch Frühnebel, die Sonne scheint schon hell. Um das Postkarten-Idyll weiter zu genießen, bleibt keine Zeit, denn ich, NWZ -Volontärin Mareike Wübben, habe mich zum Stalldienst gemeldet. Genauer gesagt geht es an diesem Tag für mich in den Sauenstall.

Es ist Donnerstag und Landwirt Roberg schlendert mir entspannt entgegen. Er habe gerade gefrühstückt, nun wollen die Tiere was zu fressen haben, begrüßt mich der 51-Jährige. Also auf in den Stall. Mit Overall und Gummistiefeln ausgestattet, geht es durch die langen Gänge. Hinter den Türen in kleineren „Abteilen“ liegen die Boxen, in denen die Sauen untergebracht sind. Denn Robergs Betrieb ist eine Schweinezucht mit 850 Sauen.

Beim Rundgang fühle ich mich an das Wecken in der Schulzeit erinnert: Licht an, aufstehen und es gibt Futter – nur dass die Schweine sich nicht lauthals beschweren, dass jemand das Licht angemacht hat, und dass das Futter über Rohre unverzüglich in die Boxen und Tröge läuft. Bei dem Weg über die Gänge erklärt mir Roberg, dass es vier unterschiedliche „Stationen“ gibt. Wir beginnen bei den Boxen mit den Ferkeln, die Abferkelbuchten heißen, wie Roberg mir erklärt. Mittig ist ein Ferkelschutzkorb angebracht, in dem das Muttertier zum Schutz ihrer Ferkel untergebracht ist. Die kleinen Ferkel tollen durch die Bucht, manche „sonnen“ sich im Licht der Wärmelampen, andere trinken gerade bei der Mutter. Beim allmorgendlichen Kontrollgang an den Buchten vorbei finden wir auch zwei tote Ferkel. „Gerade bei der Sommerhitze gehört das auch dazu.“

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„Diese hier sind heute nacht geboren“, weist mich Roberg auf die winzigen Ferkel hin, die noch etwas wackelig auf ihren Beinen stehen. Eine Bucht weiter läuft gerade eine Geburt. Normalerweise ist Freitag der Geburtentag auf dem Bauernhof in Essen, aber wie in der Natur so üblich, gibt es mal Abweichungen.

Aber zurück zum Rundgang. Als nächstes füttern wir die tragenden Sauen. Weiter geht es zum Deckzentrum. „Montags und dienstags werden die Sauen besamt“, erklärt Roberg den Wochen-Rhythmus. Am Mittwoch beginnt dann das große „Umziehen“. Die hochtragenden Sauen werden acht Tage vor dem Abferkeln in die Abferkelbuchten gebracht. Dazu ziehen die rund 27 Tage alten Ferkel in einen anderen Stall der Robergs um, wo sie aufgezogen und gemästet werden, und die Sauen kommen zurück ins Deckzentrum. Der Freitag sowie das Wochenende stehen dann im Zeichen der Ferkel: Geburtenkontrolle, Marke im Ohr anbringen, impfen, kastrieren, Zähne abschleifen und Schwänzchen kürzen – letztere beiden Maßnahmen dienen dem Selbstschutz der Tiere. Mit den neu geborenen Ferkeln sind Roberg, seine zwei Festangestellten und der Auszubildende je zwei Tage beschäftig. Und auch der älteste Sohn Rene arbeitet mit im Betrieb und wird die Nachfolge in vierter Generation antreten.

Donnerstags ist ein ruhiger Tag. „Dann ist Zeit zum Saubermachen, um die Ställe auf Vordermann zu bringen.“ Nachmittags wird noch einmal gefüttert. Und der Papierkram muss noch erledigt werden. „Leider sitze ich mittlerweile über die Hälfte der Zeit im Büro“, beklagt Roberg die wachsende Bürokratie. Kritisch sieht er die andauernde Reglementierung durch die Politik, die anscheinend, zumindest für mich, zu jedem Schritt des Bauern eine Meinung hat. Viel zu tun also auf dem Hof, auf dem alle 850 Sauen und 4500 Ferkel im Auge behalten werden müssen. Das Postkarten-Idyll vom Vormittag, merke ich nach den Stunden im Stall, ist hart erarbeitet.

Mareike Wübben Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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