RAMSLOH Pfarrer Clement Akinseoyin ist ein unkomplizierter Mensch. Deswegen ist es ihm auch recht, wenn die Menschen im Saterland ihn beim Vornamen nennen. „Mein Nachname ist doch für die Menschen hier viel zu schwer auszusprechen“, sagt er und lacht.

Dieses Detail verrät bereits Einiges über das Wesen des 50-jährigen Nigerianers, der seit Mai 2011 in der Pfarrgemeinde St. Jakobus als Vicarius Cooperator (frei übersetzt: „Pfarrer im Dienst der Gemeinde“) tätig ist. Der Geistliche, der an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Frankfurt promovierte und sich danach beim Bistum Münster um eine Priesterstelle bewarb, will keine Distanz zu den Gläubigen, er sucht bewusst die Nähe zu ihnen.

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Indes: Zu Beginn seiner Zeit im Saterland war das noch etwas anders. Pfarrer Clement, der 1987 seine Priesterweihe in Nigeria empfing, gibt zu: „Da war ich noch etwas zurückhaltend.“ Schließlich wusste er nicht allzu viel von seiner neuen Gemeinde. „Vom Saterland hatte ich vorher noch nie etwas gehört“, erzählt er. Als er im Internet nach Informationen suchte und dort etwas von der kleinsten Sprachinsel Europas las, meldeten sich bei ihm leichte Bedenken.

Zwar hatte der 50-Jährige die deutsche Sprache bereits durch mehrere Studienaufenthalte in Deutschland gelernt – aber Saterfriesisch? „Ich hatte Sorge, dass ich überhaupt nicht verstehe, was die Menschen mir sagen wollen“, sagt er. Umso größer war dann die Erleichterung, als er feststellte, dass die Saterfriesen nicht ausschließlich in „ihrer“ Sprache, sondern auch in Hochdeutsch kommunizieren. „Gott sei Dank“, schmunzelt er.

„Mittlerweile bin ich aber im Saterland so richtig angekommen“, sagt Pfarrer Clement. Das liegt auch an der kleinen, gemütlich eingerichteten Oberwohnung, die er im Haus von Heinrich und Katharina Oltmanns am Landriedeweg in Ramsloh bezogen hat. „Ich bin hier wie ein Familienmitglied aufgenommen worden“, berichtet er. Diese Herzlichkeit habe er auch an den Weihnachtstagen zu spüren bekommen, die er im Kreis der Familie Oltmanns feiern durfte. Auch wenn es in seiner Heimat Nigeria an Weihnachten lebhafter zuginge – die etwas ruhigere Art des Feierns habe ihm gefallen. „Es war wirklich schön.“

Viel gesehen von seiner neuen Heimat hat Pfarrer Clement allerdings noch nicht. Am Hollener See und bei der Scharreler Mühle sei er schon gewesen, zu mehr habe die Zeit bisher nicht gereicht, sagt er. Denn der Nigerianer ist beinahe rund um die Uhr für die Pfarrgemeinde St. Jakobus im Einsatz. „Gottesdienste, Beerdigungen, Taufen, Seelsorge“, zählt er auf. Nur die Verwaltung sei weiterhin alleinige Aufgabe von Pfarrer Ernst Halbe.

Lob beim Einkaufen

„Ich habe das Gefühl, dass ich die Menschen erreiche“, sagt Pfarrer Clement. So sei er beim Einkaufen im Supermarkt schon von Bürgern für seine Arbeit gelobt worden. „Das ermutigt mich“, sagt er.

2014 wird Pfarrer Clement das Saterland wieder verlassen, dann will er sich in Nigeria um ein bereits angestoßenes Landwirtschafts-Projekt für Jungen kümmern. Bis dahin hat er vor allem ein Ziel: Die Gemeindemitglieder noch besser kennenlernen. „Aber das kommt mit der Zeit“, ist er sich sicher – ganz unkompliziert eben.

Christopher Deeken Redakteur / Sportredaktion
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