Beverbruch Klaus Grote treibt bei der Bewirtschaftung seines Hofes die Nachhaltigkeit um. „Konnte man früher noch mit 1500 Mastschweinen den Lebensunterhalt bestreiten, wurden es bald 4500“, sagt der Landwirtschaftsmeister aus Beverbruch. Immer mehr und größer – das wollte er nicht mehr. Vor acht Jahren besuchte er ein Seminar zum Thema Nachhaltigkeit und lernte dort einen Hessen kennen. Aus der Bekanntschaft ergab sich eine neue Entwicklung seiner Strategie. Er verlagerte seinen Produktionsschwerpunkt auf Heil- und Gewürzpflanzen. Damit fand er eine Nische.

Grote spricht von einem Alleinstellungsmerkmal seines Betriebes. Aktuell baut er auf 50 Hektar Fenchel an. Für Fenchel habe er sich entschieden, weil die Pflanze mit kargem Boden gut zurecht kommt, stressresistent ist und als Tiefwurzler trockene Phasen gut überseht. „Allerdings war der letzte Sommer eine Herausforderung, besonders die Sonnenintensität“, sagt der Landwirt den Garreler „Männern ü 60“, die seinen Hof besichtigten und sich das alternative Wirtschaften erklären ließen. Wegen der hohen Sonneneinstrahlung gebe es eine Art Sonnenbrand auf den Blättern, das führe zu Einbußen.

Den landwirtschaftlichen Betrieb mal eben umstellen, das sei nicht so einfach. Die Kunden seiner Produkte aus den Bereichen Medizin und Ernährung stellten hohe Ansprüche. Chemie verbiete sich. Wenn der Nachbar bei falscher Windrichtung ein Herbizid einsetze, seien die Körner nicht mehr zu verkaufen. Die Kunden setzen auf ein umfassendes Monitoring – von der Aussaat über die Ernte bis hin zur Reinigung. „Natur pur“ sei bestimmend für sein Wirtschaften. Der Aufwand und die Anforderungen seiner Kunden würden immer höher. Darum hofft Klaus Grote demnächst auf Unterstützung durch seinen Sohn; der hat ein entsprechendes Studium begonnen.

Keine Chemie auf seinen Feldern, das wirke sich auch auf den Organismus des Bodens aus. Wenn er nach fünf Jahren – so alt kann der Fenchel werden – das Feld pflüge, locke er ganze Heerscharen von Vögeln an, weil es für sie viel zu fressen gebe, sagt Klaus Grote. Umgekehrt ist ein Maisfeld für Fenchel ungeeignet. Es dauere mindestens drei Jahre, ehe er auf einem Maisfeld Fenchel anbauen könne.

Grotes Fenchelfelder werden von 3,6 Hektar Blühstreifen umgeben. Darauf finden Hummeln und Bienen reichlich Nahrung, die später auch seine Pflanzen bestäuben. Enttäuscht zeigt sich Klaus Grote davon, dass Naturschutzverbände ihm keine Unterstützung gewährten. Die Kosten für diese Umweltmaßnahme trägt er alleine.

Seit vier Jahren reinigt er die Ernte. Dabei übernimmt er auch Lohnarbeiten für andere Produzenten. In den Wintermonaten verlassen bis zu 200 Tonnen Samen und Körner den Hof. Sein Ziel sind 500 Tonnen. Die Reinigung werde nachgefragt von September bis Februar. Das sei dann ein guter Ausgleich, weil die eigenen Ackerflächen dann nicht so viel Zeit verlangen.

Auf Fenchel liegt der Schwerpunkt des Hofes Grote. „Beiwerk“ sind Blumenfelder und der Obst-, Gemüse- und Kartoffelverkauf. Auf seiner Diele hat er einen Selbstbedienungsladen eingerichtet. Auch hier gilt: Frisch und regional. Einmal pro Woche beliefert er zusätzlich Haushalte.

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