Garrel Die Eisenbahnstation in Garrel hatte die 6, die Gendarmerie die 10. Wer die 2 wählte, wollte bei Gastwirt Josef Oldehus landen: Das aus dem Jahre 1919 stammende „Verzeichnis der Teilnehmer an den Fernsprechnetzen im Ober-Postdirektionsbezirk Oldenburg“ weist für die Gemeinde Garrel gerade einmal 13 Anschlüsse aus, im Anhang mit Nachdrucken und Änderungen ist ein weiterer aufgeführt: „Wendeln B. junr.“, Bahnhofstraße, Nummer 11.

Das Telefonbuch, das Alexander Looschen aus Garrel von einem Kunden seines Telekommunikations-Geschäfts erhalten hatte, ist eine Rarität und bei Sammlern beliebt, weiß Wolfgang Letzel. Ein Exemplar davon liegt auch im Postgeschichtlichen Museum in Friesoythe, dessen Leiter Letzel ist. Das älteste Telefonbuch, das dort lagere, stamme aus dem Jahre 1912, sagt Letzel im Gespräch mit der NWZ . „Seither ist jedes Jahr ein Telefonbuch erschienen.“ 1912 gab es in Garrel ganze sechs Anschlüsse.

So funktionierte früher das Telefonieren

In dem Telefonbuch aus dem Jahre 1919 genauestens beschrieben. „A nimmt den Fernhörer vom Haken, hält ihn mit der Schallöffnung ans Ohr und dreht die Anrufkurbel langsam einmal herum. Auf die Antwort der Vermittelungsanstalt ,Hier Amt’ nennt A durch Hineinsprechen in das Mikrophon die Nummer von B, z.B. Nummer drei (Nummer der Sprechstelle von B in dem Teilnehmer-Verzeichnisse). Der Beamte der Vermittelungsanstalt wiederholt die gewünschte Nummer und gibt zurück: ,Bitte rufen’ oder er sagt ,Leitung besetzt’ oder ,Leitung gestört’. In letzterem Fall erwidert A: ,Verstanden’ und hängt den Fernhörer wieder an den Haken. Auf die Meldung der Vermittelungsanstalt: ,Bitte rufen’ dreht A. die Kurbel langsam einmal herum, behält aber den Fernhörer am Ohr. Auf die Gegenmeldung ,Hier B’ beginnt A die Unterredung mit ,Hier A’., Die Beendigung des Gesprächs ist zweckmäßig durch „Schluss“ zu bezeichnen“ Es ist deutlich und nicht zu laut zusprechen. Das Schlusszeichen geben die Teilnehmer, indem sie – nach dem sie den Fernhörer an den Haken gehängt haben, dreimalig an der Kurbel drehen.

Seinerzeit wurden die Verbindungen über einen Klappenschrank hergestellt. Die Verbindungen steckte der damalige Postverwalter Georg Thoben. Die Vermittlungsstelle befand sich seit 1926 im Hause Willi Thoben, wo auch die Poststelle war. 1937 wurde der Klappenschrank gegen eine automatische Wählvermittlungsstelle mit 80 Anschlussmöglichkeiten für Fernsprechanschlüsse ausgetauscht. Im Jahre 1957 wurde bei Willi Thoben ein Raum ausgebaut, um Platz für 250 Anschlussmöglichkeiten zu schaffen. Die Erfolgsgeschichte Telefon hatte zur Folge, dass 1974 eine neue Ortsvermittlungsstelle an der Kirchstraße gebaut werden musste – 779 Anschlüsse gab es im August 1974.

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1919 bedeutete zu telefonieren einen gewissen Aufwand: Die Vermittlungsstelle war nicht jederzeit besetzt, Telefongespräche waren werktags von 7 Uhr (8 Uhr im Winter) bis um 12 Uhr und wieder von 15 bis um 17 Uhr am Nachmittag möglich. Sonntags musste sich das Telefonieren in Garrel auf 8 bis 9 Uhr und 12 bis 13 Uhr beschränken. Ein Unfallmeldedienst und eine öffentliche Sprechstelle befanden sich aber bei der Postagentur.

Telefonanschlüsse hatten seinerzeit: Brinkmann B. (Molkerei, Sägewerk, Mühle und Getreidehandlung), Holzwärterei in Thülsfelde, H. Lanfermann (Kunstdünger und Baumaterialienhandlung Garrel), J. Niemann (Kolonialwaren, Geschäft), Th. Tapken (Kaufmann), H.T. Tebben (Manufaktur-, Kolonial- und Kurzwaren, Eiergroßhandlung), Wegmann & Korte (Holzschuh-Fabrikant), B. Wendeln (Manufaktur- Kurz- und Kolonialwaren) und Gastwirt Otto Witte in Beverbruch.

Reiner Kramer stv. Redaktionsleitung Cloppenburg/Friesoythe / Redaktion Münsterland
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