Löningen Einen tiefen Eindruck bei mehr als 200 Schülerinnen und Schülern der Klassen 10 und 12 des Löninger Copernicus-Gymnasiums haben Berichte von zwei Zeitzeugen über ihre Flucht aus ihrer Heimat hinterlassen. Barbara Tönnies erzählte von der Flucht aus Schlesien am Ende des 2. Weltkriegs, der 17-jährige Murtaza Sediqi, Schüler der 11. Klasse am Gymnasium, von der Flucht aus Afghanistan im Jahre 2015. Organisiert worden war diese Veranstaltung vom Aktionskreis „Flüchtlingshilfe Löningen“, der seit 2016 die Flüchtlinge in Löningen unterstützt, und der Fachgruppe Geschichte des Gymnasiums.

Barbara Tönnies, geboren 1941, war zu klein, um direkte Erinnerungen an die Flucht 1945 zu haben. Ihre Mutter und ihr sechs Jahre älterer Bruder haben ihr jedoch von den Geschehnissen auf der Flucht erzählt. Tönnies berichtete vom bitterkalten und schneereichen Februar 1945, als die russischen Truppen vorrückten. So musste die Mutter mit den zwei Kindern alles zurücklassen, um mit dem Nötigsten versehen die Flucht anzutreten. Der Vater konnte nicht mit, ihn hat die Familie nie wiedergesehen. Nach einer kurzen Rückkehr an den Heimatort ging es im Juli 1946 erneut mit Hand- und Ackerwagen auf die Flucht, und es ging ums nackte Leben: Pferde fielen vor Schwäche um, Menschen, die nicht mehr laufen konnten, mussten zurückgelassen werden, Tote wurden einfach am Wegesrand abgelegt. Wenige Tage später wurden die Flüchtlinge in einem Viehwaggon Richtung Westen gebracht. Ihre Flucht endete schließlich in Löningen, wo die Mutter mit ihren beiden Kindern auf einem Bauernhof in Vehrensande gut aufgenommen wurde.

Murtaza Sediqis Familie, die Mutter Lehrerin, der Vater Angestellter im Verkehrsministerium und die damals sechsjährige Schwester, hatten das Land verlassen, da die Sicherheitslage sich immer kritischer entwickelte. „Wir haben unser gesamtes Hab und Gut verkauft, um Geld für unsere Flucht zu bekommen“, berichtete Murtaza. Immerhin konnten sie anstelle des mühsamen Landwegs nach Istanbul fliegen. Dort mussten sie sich auf die Suche nach Schleusern machen.

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Schließlich wurden sie an die türkische Küste beordert, wo ein Schlauchboot wartete, das für sechs Personen zugelassen war, aber 32 wurden auf das Boot gequetscht. „Beschwerden waren zwecklos, die Schleuser waren schließlich bewaffnet“, schilderte Murtaza. „Schließlich haben wir alles Gepäck ins Meer geworfen, um das Boot zu entlasten. Nach dieser lebensgefährlichen Überfahrt sind wir so an einer griechischen Insel angekommen, wo viele Helfer uns versorgten. Zahlreiche Menschen sind ja im gesamten Mittelmeer bei solchen Überfahrten gestorben, in den letzten fünf Jahren im Durchschnitt über 3000 Menschen“, berichtete der afghanische Schüler. Als die größten Schwierigkeiten auf dem weiteren Fluchtweg beschrieb Murtaza die immerwährende Angst, die Kälte und die Sorgen, ob die Grenzen offen bleiben.

Der Vertreter der Fachgruppe Geschichte am Copernicus-Gymnasium, Ansgar Pelster, bedankte sich herzlich bei den beiden Referenten für ihre berührenden Schilderungen und überreichte ihnen ein Präsent.

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