+++ Eilmeldung +++
Aktualisiert vor 4 Minuten.

Konstituierende Sitzung des Parlaments
Bärbel Bas zur neuen Bundestagspräsidentin gewählt

CLOPPENBURG Nach der Vertrauenserklärung von Weihbischof Heinrich Timmerevers ist der Kuratoriumsvorsitzende des Cloppenburger St.-Josefs-Hospitals, Helmut Themann, am Mittwoch in die verbale Offensive gegangen. „Im St.-Josefs-Hospital werden keine Leistungen abgebaut, sondern ausgebaut. Es wird keine Abteilung verlagert, es findet kein Ausverkauf statt, das Gegenteil ist der Fall. Das, was in den vergangenen Tagen in der Öffentlichkeit diskutiert wurde, ist zum großen Teil unwahr. Es dient nicht dem Krankenhaus, es schadet ihm und wird vor allem den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht gerecht“, heißt es in einer von Themann gemeinsam mit den Kuratoriumsmitgliedern Franz Kampsen, Franz-Josef Moormann, Jürgen Werrelmann und Hartmut Niehues verfassten Erklärung. Diese dreht sich um folgende Stichworte:

Finanzen: Nach Angaben der Krankenhaus-Leitung hat das Hospital „sowohl ein Kosten- als auch Leistungsproblem“. Die Leistungen seien zu teuer erbracht worden und die erheblichen Verluste darauf zurückzuführen, dass „über Jahre eine Kostensituation akzeptiert wurde, die in keiner Weise mit den Einnahmen“ in Einklang zu bringen war, zielt die Kritik des aktuellen Kuratoriums deutlich in die Richtung seines Vorgängers. Darüber hinaus müssten die Erlöse des Krankenhauses deutlich gesteigert werden, heißt es weiter. Der Selbstversorgungsgrad im Landkreis Cloppenburg von 55 Prozent liege niedersachsenweit im untersten Bereich. Diese Situation habe ihre Ursache in der Entwicklung der vergangenen 20 Jahre. Trotz der vor zwei Jahren eingeleiteten Sanierung, „arbeitet das Krankenhaus weiterhin mit deutlichen Verlusten“, erklärt das Kuratorium.

Personal: Bis heute sind 40 Stellen ohne Entlassungen abgebaut worden, heißt es in der Presseerklärung. Es seien aber noch erhebliche weitere Verschlankungen der Strukturen notwendig, um ein ausgeglichenes Ergebnis zu erreichen. Mit Zustimmung der Mitarbeitervertretung ist das Weihnachtsgeld um 60 Prozent gekürzt worden. Die Tariferhöhungen von 2008 und 2009 in Höhe von acht Prozent sind nach Angaben des Kuratoriums aber voll ausgezahlt worden.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den Corona-Update-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Leistungsfähigkeit: Aus Sicht des Kuratoriums sind trotz des bisherigen Personalabbaues Leistungen nicht ab-, sondern aufgebaut worden. So habe man eine neue Onkologie mit Chefarzt Dr. Jörg Bäsecke eingerichtet, die von den Patienten gut angenommen werde. Eine Umstrukturierung sei in allen Abteilungen erforderlich. So habe man die Gefäßchirurgie unter Leitung von Chefarzt Dr. Wojciech Marek Klonek personell ausgebaut und so „die Attraktivität des Krankenhauses über die Landkreisgrenzen hinaus gesteigert“.

Darüber hinaus werde in Kürze ein Kernspintomograph aufgestellt. „Die Zertifizierung verschiedener Bereiche, zum Beispiel des neuen Brustzentrums, machen die hohe Qualität der Versorgung deutlich. Aktuell wird die Zertifizierung des Darmzentrums vorbereitet“, heißt es. Insgesamt werde eine Leistungssteigerung in Höhe von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnet.

Fusion mit Vechta wird nicht mehr gänzlich ausgeschlossen

Nach Angaben des CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Bernard Südbeck haben der Kuratoriumsvorsitzende des Cloppenburger St.-Josefs-Hospitals, Helmut Themann, und dessen Verwaltungsleiter Michael gr. Hackmann der CDU/FDP-Stadtratsgruppe bei einem Gespräch im Frühjahr 2009 zugesichert, „dass es zwischen den Krankenhäusern Vechta und Cloppenburg keine Fusion geben wird“. Von dieser Aussage ist das Kuratorium unter der Führung von Themann nun aber offenbar abgerückt. „Es sind bislang keine Fusionsverhandlungen mit dem Krankenhaus Vechta geführt worden. Sollte es zu solchen Verhandlungen kommen, wird sich Helmut Themann aus dem Kuratorium zurückziehen, um eine wertfreie Verhandlungsposition gleichberechtigter Partner zu ermöglichen“, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Presseerklärung.

Im Hinblick auf den Verbleib von Themann an der Spitze des Kuratoriums gibt die Cloppenburger CDU ein – vorsichtig formuliert – uneinheitliches Bild ab. Stadtverbandsvorsitzender Südbeck hatte in einer Presseerklärung mit den Worten „Cloppenburgs Interessen können nicht durch einen Kuratoriumsvorsitzenden vertreten werden, der zugleich Chef des Krankenhauses Vechta ist“ Themann zum Rücktritt aufgefordert. Damit setzte er den CDU-Fraktionsvorsitzenden in Kreistag und Stadtrat, Hermann Schröer, unter Druck, der als Verwaltungsdirektor des katholischen Altenheim- und Pflegeheims St.-Pius-Stiftes selbst bei der Kirche angestellt ist und von einer Ablösung Themanns offenbar nichts wissen will. Er, Schröer, sei in die Presseerklärung Südbecks nicht involviert gewesen, zu der Zeit sei er im Urlaub gewesen. Weiter will sich Schröer erst nach dem Gespräch mit dem Bürgermeister und Themann an diesem Donnerstag äußern.

Unterdessen verwahren sich die Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Unabhängigen und SPD im Stadtrat gegen Schröers Vorwurf, dass die Gesprächs-Absage der Opposition „peinlich und stillos“ (die NWZ berichtete) gewesen sei. „Wenn Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese und Hermann Schröer sich aus ,erster Hand’ über die Zukunft des Krankenhauses informieren wollen, hätte es der Anstand geboten, nicht nur die Verwaltungsseite einzuladen und ihre Argumente anzuhören, sondern weitere Mitglieder der Krankenhausleitung – die Kuratoriumsmitglieder, den ärztlichen Direktor und die Pflegedienstleitung des St.-Josefs-Hospitals“.

Nur so hätte sich ein objektives Bild über die Ist-Situation und die Gesamtlage des Krankenhauses aufzeigen lassen. „Dieses allerdings war offensichtlich nicht gewollt.“

Alles andere sei „scheinheilig und taktisches Geplänkel“, um – je nachdem wie die Entscheidungen im Offizialat in Vechta fallen – sich die Wege nach allen Seiten offen zu halten, schreiben Jutta Klaus (UWG), Heinz-Georg Berg (SPD) und Michael Jäger (Grüne) in einer gemeinsamen Erklärung.cam

Wenig innerparteiliche Geschlossenheit vermittelt in diesen Tagen die Cloppenburger CDU. Stadtverbandsvorsitzender Südbeck fordert den Rücktritt des Krankenhaus-Kuratoriumsvorsitzenden Themann, Fraktionschef Schröer nennt anschließend das Verhalten von SPD, Grünen und UWG, die sich mit Südbeck solidarisiert und ein Gespräch mit Themann abgelehnt hatten, „peinlich und stillos“. Noch mehr winden muss sich der Cloppenburger Kaufmann Jürgen Werrelmann, der einerseits als einer der wichtigsten Köpfe in der Stadt- CDU die massive Kritik seines Vorsitzenden Südbeck an Themann mittragen soll und andererseits als Kuratoriumsmitglied des Hospitals eine Solidaritätserklärung für den umstrittenen Chefsanierer mitverfasst hat. Das verstehe, wer will.

Den Autor erreichen Sie unter mensing@infoautor.de

Carsten Mensing Cloppenburg / Redaktion Münsterland
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.