Frage: Herr Dr. Hanisch, noch bis zum 8. September läuft die bundesweite Themenwoche „Prostatakrebs“. Was macht den Prostatakrebs so gefährlich?

Dr. Thomas Hanisch (58): Zum einen seine Häufigkeit. Es gibt 65 000 bis 70 000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland. Rund 12 000 der betroffenen Patienten sterben jährlich an Prostatakrebs. Es ist damit die dritthäufigste tödliche Krebserkrankung bei Männern nach dem Lungen- und Darmkrebs. Zudem kann es – wenn zu spät erkannt – zu einem sehr langwierigen Krankheitsverlauf mit erheblichen Beschwerden kommen, auch wenn der Patient letztlich daran nicht sterben muss. Das kann man vermeiden.

Frage: Welche Altersgruppen sind besonders betroffen beziehungsweise gefährdet?

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Hanisch: Männer ab dem 45. Lebensjahr.

Frage: In welchen Symptomen äußert sich die Krankheit?

Hanisch: Wird die Diagnose erst gestellt, wenn bereits Symptome aufgetreten sind, dann hat häufig schon eine Metastasierung stattgefunden. Im Frühstadium ist der Prostatakrebs symptomlos. Im fortgeschrittenen Stadium können Beschwerden wie Blasenentleerungsstörungen und Knochenschmerzen und später Gewichtsverlust und Blutarmut auftreten.

Frage: Der Aufruf, rechtzeitig und regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen, ist ein Kernanliegen dieser Themenwoche. Wie sieht es denn mit der Vorsorgementalität der deutschen Männer beim Thema Prostatakrebs aus?

Hanisch: Nur etwa 15 bis 18 Prozent der Männer aus der betroffenen Altersgruppe gehen zur Vorsorgeuntersuchung. So lange mir nichts weh tut, habe ich auch nichts, ist häufig die Einstellung. Auch Scham spielt eine große Rolle. Dabei ist die Vorsorge und mögliche Früherkennung so wichtig. Ich möchte den Männern die Scheu nehmen, sich einmal jährlich untersuchen zu lassen. Wird der Prostatakrebs in einem frühen, örtlich begrenzten Stadium erkannt, liegen die Heilungs-Chancen bei über 70 Prozent. Im fortgeschrittenen Stadium bildet der Tumor häufig schmerzhafte Knochenmetastasen und ist dann auch nicht mehr heilbar.

Frage: Welche Verfahren zur Früherkennung gibt es denn?

Hanisch: Die Prostata kann vom After aus abgetastet werden, wobei man aber nur einen Teil der Drüse beurteilen kann. Ein sehr wichtiges und empfehlenswertes Verfahren ist der PSA-Test (Nachweis des Prostata-spezifischen Antigens, ein nur von Prostatazellen gebildetes Protein im Blut, Anmerkung der Redaktion). Hilfreich ist auch die Ultraschalluntersuchung. Bei auffälligen Befunden werden dann Gewebeproben entnommen.

Hintergrundinformationen

Dr. Thomas Hanisch betreibt seit dem 1. April 1992 eine eigene Praxis in Friesoythe – seit 2002 am aktuellen Standort Am Alten Hafen. Der 58-Jährige studierte Medizin an der Philipps-Universität in Marburg und machte dort auch seine Facharztausbildung. Nach seiner Tätigkeit als Belegarzt im St.-Marien-Stift in Friesoythe und dem Marien-Krankenhaus in Papenburg operiert Dr. Hanisch seit 2014 in der Urologischen Abteilung der St.-Anna-Klinik in Löningen.

Die Prostata oder Vorsteherdrüse ist eine kastaniengroße Geschlechtsdrüse beim Mann, die einen Teil des Spermas produziert. Das Sekret macht ca. 30 Prozent des Ejakulates aus und dient dazu, dieses zu verflüssigen, die Überlebenschancen der Spermien zu erhöhen und ihre Bewegung zu fördern. Die Prostata liegt unterhalb der Harnblase und umkleidet den Anfangsteil der Harnröhre bis zum Beckenboden.

Zum Thema Prostatakrebs berät u.a. Jürgen Föhse, Leiter der ehemaligen Selbsthilfegruppe Prostatakrebs im Landkreis Cloppenburg. Er ist zu erreichen unter Telefon  04499/922479 oder per E-Mail an juergen.foehse@t-online.de.

www.urologie-fuer-alle.de

Frage: Wie geht es denn nach einer Krebsdiagnose weiter?

Hanisch: Nicht jeder Patient wird auch operiert. Das hängt z.B. auch vom Alter, dem Allgemeinzustand und dem gefundenen Tumor-Typ ab. Es gibt auch die Behandlungsmethode der Bestrahlung oder eine medikamentöse Behandlung. Zudem gibt es die Form der aktiven Überwachung („active surveillance“), bei der anhand von PSA-Verlauf und regelmäßigen Gewebeproben überprüft wird, ob der Tumor wächst oder nicht. Eventuell ist dann gar keine oder erst viel später eine spezifische Behandlung nötig.

Frage: Unter welchen Folgen haben Prostatakrebs-Patienten nach einer OP beziehungsweise einer Bestrahlung zu leiden?

Hanisch: Bis zu 50 Prozent der Operierten leiden unter einer Potenzschwäche, circa zehn bis 15 Prozent unter einer Harn-Inkontinenz. Bei einer Bestrahlungstherapie können solche Folgen jedoch ebenfalls auftreten, allerdings oft erst fünf bis zehn Jahre später. Grundsätzlich können Männer aber auch ohne Prostata beschwerdefrei leben.

Frage: Wo liegen die Ursachen für den Prostatakrebs?

Hanisch: Ein Teil ist erblich bedingt. Wenn ein Angehöriger ersten Grades wie Vater oder Onkel betroffen ist, so ist das Risiko zu erkranken für den Sohn/Neffen vier- bis fünfmal höher. Auch die Ernährung spielt eine Rolle. Soja soll eine vorbeugende Wirkung haben. Interessanterweise gibt es in Südostasien kaum Fälle von Prostatakrebs. Es bringt aber nichts, erst mit 50 Jahren mit einer Soja-Ernährung anzufangen.

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Sebastian Friedhoff Redakteur / Newsdesk
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