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Garrel Antisemitische Angriffe gehören für Juden in Deutschland zum Leben. Laut Zählungen des Bundeskriminalamtes stiegen die Angriffe, die einen politischen Hintergrund hatten, von 1691 im Jahr 2001 auf 1799 im vergangenen Jahr 2018. Im Durchschnitt also fünf Angriffe pro Tag. Vor diesem Hintergrund setzte die Oberschule (OBS) Garrel am Montagmorgen ein Zeichen für ein friedliches Miteinander und für Toleranz. Der „Leuchter gegen das Vergessen“, der im Wechsel in den Oberschulen Emstek, Molbergen, Cappeln und Garrel brennt, wurde feierlich entzündet. Er steht nun für ein Jahr an der OBS Garrel.

In einer Feierstunde wurde im Beisein von Vertretern der beteiligten Schulen, des evangelischen Pfarrers Holger Ossowski, Werner Nilles von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit im Oldenburger Münsterland sowie der Garreler Oberschüler im Forum der Opfer der Reichspogromnacht und des Nationalsozialismus gedacht. Die Aktion sei ein „engagiertes Bekenntnis gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit“, so Schulleiter Markus Berssen.

In kurzen Szenen zeichneten die Oberschüler das Auseinanderbrechen der Gesellschaft und die Übergriffe auf die jüdische Bevölkerung nach und brachten sie in die chronologische Reihenfolge: Von der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler über das Inkrafttreten der Nürnberger Gesetze bis zum Berufsverbot. Ausgrenzung, Beleidigung, Stimmlosigkeit, Angst und Scham – symbolisch legten die Schüler diese auf Schildern geschriebenen Begriffe in einen Koffer.

Schulleiter Berssen benannte die Reichspogromnacht, die sich zum 81. Mal jährte, als erstes Ausrufezeichen, in deren Folge es zu weiteren Pogromen in ganz Deutschland kam. 1400 Synagogen und Gebetshäuser brannten oder wurden zerstört, dazu unzählige Geschäfte. Auch ganz in der Nähe, sagte Berssen. Die Aktionen hätten unter dem Beifall und der Akzeptanz der Bevölkerung stattgefunden.

Gerade heute sei das Erinnern und das Nachdenken darüber notwendig, so Berssen, der an den antisemitischen Angriff in Halle im Oktober ins Gedächtnis rief. Dabei hatte ein mutmaßlicher Rechtsextremist einen Massenmord in einer Synagoge geplant und zwei Menschen getötet.

Ein Einzelfall? Laut Studien hege jeder vierte Deutsche antisemitische Gedanken, sagte Berssen. Auch in die Politik sei die Gedankenwelt vorgedrungen. Die Tat von Halle sei für ihn, so Berssen, bislang nicht vorstellbar gewesen sein in Deutschland mit seiner Geschichte. Umso mehr gelte es, für ein friedliches gesellschaftliches Zusammenleben zu kämpfen.

Der Leuchter sei Denkmal und Mahnmal ohne erhobenen Zeigefinger und fordere: „Schau hin und nicht zu.“ Er sei Zeichen für Toleranz und Zivilcourage. „Unsere Geschichte kann man nicht reparieren“, so Berssen. Integration, Toleranz und Rücksichtnahme seien die Grundpfeiler für ein friedliche Gesellschaft.

Auch Schüler brachten ihre Hoffnung zum Ausdruck, in dem sie – nachdem sie antisemitische Übergriffe zitiert hatten – eine Initiative in Berlin benannten. Christen, Juden und Muslime wollen dort ein gemeinsames Haus des Gebets errichten. Aus solchen Projekten entstünden Selbstvertrauen, Mut, Zusammenhalt oder Zivilcourage, zeigten Begriffe aus dem Koffer.

Reiner Kramer stv. Redaktionsleitung Cloppenburg/Friesoythe / Redaktion Münsterland
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