Garrel Vor einer Unterversorgung von Hausärzten in Höhe von 75 Prozent im Jahr 2030 warnte Helmut Scherbeitz von der Kassenärztlichen Vereinigung in Niedersachsen (KVN). Er appellierte auf einer Veranstaltung des CDU-Gemeindeverbandes Garrel, die Studienplätze für Medizin drastisch zu erhöhen.

Die Bedarfsplanung aus dem Jahr 1992 sei veraltet, sagte er. Sie richte sich nach der Einwohnerzahl, auf etwa 1700 Einwohner käme demnach ein Hausarzt.

Zu beobachten sei, dass die jungen Ärzte in Mittelzentren zögen. Somit sei die Stadt Cloppenburg und auch Friesoythe eigentlich überversorgt, die umliegenden Gemeinden zum Teil schon jetzt unterversorgt. Da aber der Landkreis Cloppenburg als ein Bedarfsraum gerechnet werde, sei das Soll für den Landkreis erfüllt.

In der Stadt Cloppenburg etwa versorge ein Hausarzt rund 1504 Einwohner, in Garrel allerdings 2972. „Es besteht im Moment keine Unterversorgung“, sagte Scherbeitz, „doch man muss mit einer Unterversorgung rechnen, zumal das Durchschnittsalter der Ärzte bei 57 Jahren liegt, wobei 46 Prozent der Ärzte älter als 60 Jahre ist.“

Die KVN habe einen Strukturfonds eingerichtet. Demnach sollen 20 Arztstellen mit je 60 000 Euro Investitionskostenzuschüssen gefördert werden. Zwei Stellen entfielen dabei auf den Landkreis Cloppenburg, ausgenommen die Stadt Cloppenburg.

Die Medizin werde weiblicher (68 Prozent). Die neuen Medizinerinnen legten großen Wert auf Work-Life-Balance. Sie muteten sich keine 60-Stunden-Woche mehr zu und praktizierten am liebsten im Angestelltenverhältnis. Heute kämen auf einen Studienplatz zehn Bewerber, und immer noch zähle allein die Abiturnote bei der Vergabe von Studienplätzen. Dabei müsse man auch großen Wert auf die Kommunikationsfähigkeit und die soziale Kompetenz legen.

Niedersachsen will seine Studienplätze um 200 erhöhen, die Uni Oldenburg auf 140. „Das ist für unsere Region besonders wichtig, denn die meisten Studierenden bleiben am Studienort bzw. in der Region ,kleben’“, sagte der Fachmann.

Auch die Kommunalpolitik könne dazu beitragen, dass die hausärztliche Versorgung einigermaßen gewährleistet sei. Die Kommunen könnten mit einer gut ausgebauten regionalen und lokalen Infrastruktur werben, dazu zählten etwa günstige Bauplätze, Zuschüsse bei der Inbetriebnahme einer Praxis, Berufsmöglichkeiten für den Lebenspartner und eine Gewährleistung der Kinderbetreuung.

„Da ist in Garrel noch Luft nach oben“, sagten anwesende Ärztinnen, ohne eine zusätzliche Tagesmutter hätten sie den Praxisbetrieb nicht aufrechterhalten können. Die Öffnungszeiten der Kitas ließe in ihren Fällen sehr zu wünschen übrig.

Gemeindeverbandsvorsitzender Christoph Penning begrüßte zahlreiche Bürgerinnen und Bürger zu dieser ersten Diskussionsrunde „Wo drückt der Schuh?“ und versprach, die Argumente mit in die weiteren politischen Gesprächsrunden zu nehmen.

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