Friesoythe Der Angriff auf die Synagoge in Halle mit zwei Todesopfern und mehreren Verletzten hat auch in Friesoythe Bestürzung ausgelöst. „Es ist erschreckend und sehr besorgniserregend“, sagte Sönke Baumdick. Rechtsextreme Vorfälle und Gruppierungen, die von der Polizei aufgedeckt werden, würden sich häufen. „In welche Richtung führt das?“, fragt er sich.

Baumdick ist Vorsitzender der Jusos im Landkreis Cloppenburg und Initiator der Friesoyther Friedensmärsche. Bereits zum vierten Mal fand der Friedensmarsch im April statt. Als er die Bilder aus Halle gesehen hatte, dachte Baumdick: „Wir können schon wieder los.“ Auch der Einmarsch türkischer Truppen in Syrien gegen die dortige Kurden am Mittwoch habe diesen Eindruck verstärkt. „Leider gibt es immer wieder genug Anlässe für den Friedensmarsch“, sagt der Friesoyther. Er wäre nicht traurig, wenn dies nicht mehr der Fall wäre und die Menschen in Frieden zusammenleben würden. Doch das scheint derzeit nicht der Fall zu sein. Die Planungen für den Friedensmarsch im kommenden Jahr seien bereits angelaufen, so der Initiator.

Tendenz erkennbar

Auch Pfarrerin Sabine Prunzel und ihr Mann Pfarrer Joachim Prunzel waren schockiert, als sie die Bilder aus Halle sahen. Doch überrascht hat der Vorfall die Pfarrerin der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Friesoythe-Sedelsberg-Bösel nicht. Die Tendenz, dass antisemitische und rechtsextreme Ansichten wieder salonfähig werden, sei schon länger erkennbar gewesen. Gerade Vertreter der AfD würden immer wieder mit Aussagen Tabus brechen. Auch wenn sie dann zurückruderten, schaffen sie eine Stimmung, die andere ermutige, noch weiter zu gehen, meint Sabine Prunzel.

Dass die Sicherheit von jüdischen Gemeinden in Deutschland schon länger gefährdet sei, war der Pfarrerin bekannt: „Wenn wir unseren Konfirmanden erzählen, dass jüdische Einrichtungen seit 1945 von der Polizei geschützt werden, sind sie immer wieder überrascht.“ Auch während ihres Studiums vor 25 Jahren hatten ihr Juden von Übergriffen berichtet.

In Gottesdienst Thema

In ihren Predigten und in ihrer Arbeit greifen die beiden Pfarrer immer wieder auch aktuelle Themen auf. „Ich lasse Antisemitismus nicht unkommentiert“, sagt Sabine Prunzel. Auch wenn sie Aussagen gegen Muslime hört, mahnt sie die Personen zum Nach- und Umdenken an.

Im Gottesdienst am Donnerstagmorgen, ging auch Dechant Michael Borth aus Friesoythe auf den Vorfall ein: „Es ist erschreckend, wie Menschen am höchsten jüdischen Feiertag, Jom Kippur, am Versöhnungstag, unseren Glaubensbrüdern ein so großes Leid antun wollen.“ Jom Kippur sei eigentlich der Tag des Friedens, erinnert der katholische Geistliche.

Eine rechtsextreme oder rechtsextremistische Szene gebe es im Bereich der Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta nicht, teilte Hendrik Ebmeyer von der Pressestelle der Polizeiinspektion auf Nachfrage mit. „In der jüngeren Vergangenheit ist es vereinzelt zu Farbschmierereien gekommen, bei denen zum Beispiel Hakenkreuze an Wände gesprüht worden sind. Darüber hinaus kam es nicht zu rechtsextremistischen oder antisemitischen Straftaten. Eine Häufung ist nicht zu erkennen“, so Ebmeyer. Gleichwohl würden Mitarbeiter des Staatsschutzes jegliche Formen von politisch motivierten Straftaten beobachten, um frühzeitig Tendenzen zu erkennen.

Renke Hemken-Wulf Friesoythe / Redaktion Münsterland
Freya Adameck Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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