Cloppenburg Die Willkommenskultur in Cloppenburg am Leben erhalten, Aufklärungsarbeit leisten und Fremdenhass den Nährboden entziehen: Drei von mehreren Zielen eines besonderen Projekts, das die beiden Cloppenburger Long Nguyen (23 Jahre alt, Fotograf) und Jan Oskar Höffmann (26 Jahre alt, Diplom-Jurist) gestartet haben. Unter dem Titel „Gib der Flucht ein Gesicht“ haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, die Distanz zwischen Flüchtlingen und den im Oldenburger Münsterland lebenden Menschen zu überbrücken.

Das Konzept ist einfach: Das Duo sucht sich Flüchtlinge als Interviewpartner und hört sich ihre Geschichte an. „Wir möchten die Menschen, die bei uns Schutz erhalten, hochwertig portraitieren und ihnen eine Plattform bieten, um ihr Erlebtes zu berichten“, so Höffmann. Viele Geschichten seien von Leid und Angst, aber auch von Hoffnung auf ein besseres Leben in Deutschland geprägt. „Diese sollen aber nicht zu einer Opfer-Stilisierung verkommen.“ Man habe vielmehr eine würdige Präsentation im Auge.

Das Erzählte wird in einer kurzen Geschichte aus der Ich-Perspektive zusammengefasst, mit Fotos in Szene gesetzt und auf der eigens dafür eingerichteten Facebook-Seite veröffentlicht. „Wir wollen diesem diffus erscheinenden Flüchtlingsstrom ein Gesicht geben. Denn ein besseres Kennenlernen fördert zwangsläufig die Akzeptanz weiterer Hilfen wie Kleiderspenden oder Fahrradsammelaktionen, die zunehmend kritisch gesehen werden. Was der Mensch jedoch kennt, berührt ihn. Er befürwortet, zu helfen.“ Flüchtlinge in Cloppenburg und Umgebung sollten nicht als Probleme, sondern als Menschen wahrgenommen werden. Menschen, die eine bewegte Geschichte zu erzählen haben.

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Höffmann und Nguyen sind vor kurzem mit ihrer Seite online gegangen – und befürchteten Kritik und rechte Hetze. Doch weit gefehlt: Die Resonanz war ausnahmslos positiv, wie die zwei zu berichten wissen. In sieben Tagen hatten bereits 1500 Nutzer ihre Seite mit „Gefällt mir“ markiert. „Durch das Teilen der Fotos wurden so schon mehr als 75 000 Menschen in den sozialen Netzwerken auf das Projekt aufmerksam.“

Viele Cloppenburger hießen die Flüchtlinge mit Kommentaren in der Stadt willkommen, aus Vechta und Friesland seien Anfragen gekommen, um das Projekt in ähnlicher Weise umsetzen zu können. „Mehrfach konnten wir sogar konkrete Ausbildungsangebote aus dem Landkreis an die beteiligten Flüchtlinge weiterleiten.“

Und die beteiligten Flüchtlinge? Die zeigten sich begeistert, so Höffmann und Nguyen. „Sie teilten uns mit, dass sie das Projekt im Internet genau verfolgen und sich über die vielen positiven Reaktionen sehr freuten. Immer mehr Flüchtlinge würden sich nun melden, um sich über die Plattform vorzustellen. „Sollte der Erfolg derart anhalten, könnten wir uns eine Ausstellung der Aufnahmen vorstellen.“


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Anuschka Kramer Redakteurin / Redaktion Westerstede
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