Friesoythe Die Wahl Donald Trumps zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika beschäftigt die Menschen im Nordkreis. „Ich wollte es nicht glauben“, sagt zum Beispiel Hartmut Liebig, ehemaliger Politiklehrer am Albertus-Magnus-Gymnasium Friesoythe. Er hätte nicht erwartet, dass die Wahl so eindeutig zugunsten des Republikaners ausfallen würde. „Die Märkte haben ja schon reagiert. Keiner vertraut ihm“, findet Liebig, der sich schon als Student mit der US-Politik beschäftigt hat, klare Worte.

Da habe er gelernt, dass die Amerikaner immer von ihresgleichen repräsentiert werden wollten. „Bestimmte soziale Schichten haben ihn gewählt und solche, die traditionell republikanisch wählen.“ Trump verdiene das Vertrauen seiner Wahlleute nicht. „Es sind nur die Leute zur Wahl gegangen, die wirklich einen Wechsel wollten und von ihm motiviert wurden“, glaubt der pensionierte Lehrer. Die Amerikaner hätten mit ihren Stimmen dem Establishment eins auswischen wollen, „aber die Opfer werden sie selbst sein.“

Mit Sorge betrachtet er die weitere politische Entwicklung in Europa. „Die Populisten haben nun Oberwasser. Die Wahl Trumps ist für die AfD, Le Pen und Orban ein Turbolader“, warnt Hartmut Liebig. Bei Ausflügen mit seinen Schülern ins Kanzleramt nach Berlin habe sich immer gezeigt, wie stabil die Demokratie in Deutschland sei. Die Porträts von neun deutschen Bundeskanzlern hingen darin. „In der selben Zeit hatte Italien 27“, und das bei einer fünfjährigen Legislaturperiode. Der Trend zu instabileren Regierungen gebe es nun auch in Deutschland. „Die Tendenz ist bei uns ähnlich: Wer am lautesten schreit, findet auch Anklang in den sozialen Medien.“

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„Es besteht ein gewisses Risiko. Das betrifft alle international tätigen Unternehmen“, sagt Thorsten Mahlstedt, Sprecher des Moorguts Kartzfehn (Bösel). Denn der Dollar-Kurs sei oft entscheidend für Einkäufe im Ausland. So beziehe der Puten-Vermehrer etwa Soja und Weizen aus dem Ausland. „Beides wird an der Börse in Chicago gehandelt.“ Was Trump als Präsident wirtschaftlich für Deutsche Unternehmen bedeute, ließe sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht abschätzen. „Im Moment sehen wir keine direkten Auswirkungen.“

Auch der ehemalige Friesoyther Thomas Schütte, der seit Januar 2012 in New York lebt, schilderte nach einer langen Wahlnacht mit wenig Schlaf gegenüber der NWZ  seine Enttäuschung über den Wahlausgang: „Gerechnet hat so richtig keiner mit dem Ergebnis dieser Wahl“, so Thomas Schütte. Zumal in New York, einer Bastion der Demokraten, das auch bei dieser Wahl für Hillary Clinton gestimmt hatte. Insofern sei das Ergebnis der Wahl dort „eher schockiert“ aufgenommen worden.

„Nach einem Wahlkampf, der beispiellos für die amerikanische Geschichte war, sind die meisten froh, dass es jetzt vorbei ist“, so Schütte ernüchtert. Vorhersagen, wie es in den USA unter Donald Trump weitergehen werde, kann er nur schwer treffen: „Trump bleibt zu unberechenbar in seinem Handeln. Die eher gemäßigte Siegesrede gibt zumindest ein bisschen Grund zur Hoffnung, wahrscheinlich wird die Welt nicht sofort in Chaos versinken“, meint Schütte.

Aber auch ganz persönlich hatte er auf einen anderen Wahlausgang gehofft: „Meine Frau stammt gebürtig aus der Dominikanischen Republik, gehört also als Latina mit amerikanischem Pass indirekt auch zu einer der Zielgruppen von Trumps Entgleisungen.“

Selbst eine Rückkehr nach Deutschland hält Thomas Schütte, Vater eines Sohnes, derzeit nicht für ausgeschlossen – wenngleich seine Maxime lautet: „Abwarten und keine überhasteten Entscheidungen treffen – gleichzeitig aber unsere Optionen abwägen.“ Die Wahl verunsichert das Land.

Auch auf der Straße in Friesoythe ist die Stimmung gegenüber dem Präsidenten eher negativ. So etwa die von Mieke Wiegerte (69) aus Harkebrügge. „Als ich erfahren habe, dass Donald Trump die Präsidentschaftswahl gewonnen hat und tatsächlich 45. US-Präsident wird, war ich zunächst traurig, weil sich nun einiges ändern wird.“ Auch Trump als Person findet sie persönlich nicht gut. „Er ist unberechenbar und überhaupt nicht vertrauenswürdig.“

René Geessen (18) aus Ramsloh ist unzufrieden. „Dass Donald Trump gewählt wurde, finde ich persönlich nicht gut, generell fand ich das, was er erzählt hat, nicht gut.“ Aber auch Hillary Clinton wäre in seine Augen keine gute Präsidentin gewesen. „Sie wäre keine bessere Wahl gewesen, die Wähler hatten einfach Pech mit den Kandidaten.“

In der Umfrage gab es auch eine positive Stimme zu Amerikas designiertem Präsidenten. „Ich finde es gut, dass Donald Trump gewonnen hat. Generell sind seine Ideen gut und auch umzusetzen“, sagt eine Person, die allerdings lieber anonym bleiben wollte.

Sascha Sebastian Rühl Volontär, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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