Friesoythe „Deutschland ist ein Stück von meinem Herzen“, sagt Khodr El Saleh, gebürtiger Libanese und gläubiger Muslim aus Friesoythe. Deshalb erziehen er und seine Frau Nadin Chehade die vier gemeinsamen Kinder auch im Einklang mit beiden Kulturen.

So besuchen die drei schulpflichtigen Kinder die katholische Marienschule in Friesoythe und nehmen am christlichen Religionsunterricht teil. „Sie gehen auch mit zur Kirche, damit sie auch eine andere Religion kennenlernen können“, erklärt Mutter Nadin Chehade. Zuhause aber leben sie nach muslimischem Glauben. „Wir fasten und wir beten, wir machen das, was unser Prophet uns vorschreibt – nicht mehr und nicht weniger“, so die 32-Jährige. Gleichzeitig sei es aber auch wichtig, sich an die deutsche Kultur anzupassen.

„Wir feiern auch Weihnachten. In meinem Betrieb habe ich für die Mitarbeiter eine Weihnachtsfeier gemacht“, erzählt Khodr El Saleh. Für seine christlichen Angestellten sei dieses Fest schließlich wichtig. Der gebürtige Libanese, der seit neun Jahren in Deutschland lebt, betreibt in Friesoythe erfolgreich einen Gebrauchtwagenhandel.

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Nette Nachbarschaft

Besonders wichtig beim Thema Anpassung ist ihm die Sprache. „Unsere Kinder lernen beide Sprachen: Deutsch und Arabisch“, erklärt er. Zuhause könne arabisch gesprochen werden – außerhalb des Hauses allerdings nicht. „Das ist einfach unhöflich den Deutschen gegenüber. Sie verstehen nicht, was ich sage und ob es etwas Gutes oder Böses ist“, meint der Autohändler. Deshalb spreche er mit seinen Kindern beim Einkaufen oder Schwimmengehen stets deutsch.

Und Höflichkeit zählt für Khodr El Saleh auch bei der Auswahl seiner Freunde mehr als die Religion: „Für mich zählt, wie der Mensch mich behandelt. Religion ist Religion“, so der Friesoyther. So habe die Familie in seiner Wahlheimat fast ausschließlich christliche Freunde. „Wir verstehen uns sehr gut mit den Nachbarn – Nadin ist da auch in einer Frauenclique, die sich zu Geburtstagen oder zum Kaffee trinken gegenseitig einladen“, weiß Khodr El Saleh. Und auch seine Kinder haben vor allem zu christlichen Kindern Kontakt.

„Dass jemand ein Muslim ist, heißt nicht, dass er auch meinen Glauben hat“, so der 35-Jährige. Schließlich gebe es auch extreme Muslime, mit denen er nichts zu tun haben möchte.

Auch Ehefrau Nadin Chehade hält nichts von Extremen: „Die extremen Muslime verschleiern sich komplett, sie tragen eine Burka – das möchte ich nicht.“ Seit 14 Jahren trägt sie ein Kopftuch außerhalb des Hauses. Dazu hat sie sich selbst entschieden: „Meine Geschwister tragen kein Kopftuch, ich schon. Aber ich trage es gern sehr modisch“, erklärt die Libanesin, die seit ihrem zweiten Lebensjahr in Deutschland lebt. Im Winter tausche sie das Kopftuch aber auch gerne gegen eine Mütze, die das Haar bedeckt. Und für ihre Entscheidung erfahre sie ausschließlich positive Resonanz: „Meine Freundinnen finden das super. Die Deutschen sind einfach offener geworden“, freut sich die 32-Jährige.

Gut eingelebt

Auch die Familie von Khodr El Saleh geht offen mit dem Thema Religion um: „Zuhause bin ich Moslem und unterwegs bin ich Deutscher – meinen Glauben nehme ich nicht mit nach draußen“, erklärt er. So stört es El Saleh und seine Familie auch nicht, dass es keine Moschee in der Nähe gibt: „In den neun Jahren in Deutschland war ich nur zweimal in einer Moschee. Ich würde doch dort nur hingehen, um zu beten, aber das kann ich auch Zuhause.“

Durch die positiven Erfahrungen in Friesoythe hat sich die sechsköpfige Familie, die seit drei Jahren in der Eisenstadt lebt, gut und schnell einleben können. Hier können sie nun beide Kulturen gleichzeitig ausleben.

Désirée Senft Volontärin / NWZ-Redaktion
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