Edewechterdamm /Sedelsberg Zu Zeiten des Nationalsozialismus wurden hunderte Strafgefangene aus den umliegenden Emslandlagern als Zwangsarbeiter in der hiesigen Torfindustrie eingesetzt. Erstmalig belegbar ist ein Einsatz von Gefangenen der 15 umliegenden Emslandlager in der Torfindustrie 1939 bei der „Klostermoor Siedlungs- und Torfverwertungs-Gesellschaft mbH“, einer Tochterfirma des Haniel-Konzerns in Papenburg.

1939/40 waren zunächst in kleinerem Rahmen Häftlinge mit der Torfgewinnung für private Auftraggeber beschäftigt. 1942 wurde der Einsatz intensiviert: Gefangene wurden in mindestens sechs Betrieben der Torfindustrie eingesetzt. Erst zu Beginn des Jahres 1944 wurden die letzten Kommandos bei Torfwerken eingestellt, da Kriegseinsatz und Rüstungsindustrie zunehmend Vorrang eingeräumt wurde.

In diesem Abschnitt traten auch zum ersten Mal Außenkommandos auf, also Häftlingsgruppen, die außerhalb des Lagers, in der Regel auf dem Gelände des jeweiligen Arbeitgebers, untergebracht und auch von diesem mit Lebensmitteln versorgt wurden. Die ersten bekannten Außenkommandos waren 1942 bei der Vehnemoor AG in Edewechterdamm und der Firma Höveler & Dieckhaus in Papenburg eingesetzt. In der folgenden Zeit wurden immer häufiger Außenkommandos aufgestellt.

Für die Gefangenen war es eine schreckliche Zeit. Die Bewacher und Arbeitsanweiser – auch auf Außenkommandos – wurden stets belehrt, dass es sich bei den Häftlingen um „Schwerverbrecher“ handele, die sich außerhalb der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft gestellt hätten und deshalb hart angefasst werden müssten. Die Wachmänner gewöhnten sich zudem in den vielen Jahren, die sie zumeist in den Lagern Dienst taten, an die täglichen Brutalitäten gegenüber den Gefangenen.

„Sadistische Quälerei“

Ein Gefangener erinnert sich: „In der sadistischen Quälerei der Gefangenen waren sie sich alle einig. Das Strafexerzieren war die gefürchtetste Strafmaßnahme. Die SA-Männer betrachteten diese Einrichtung als eine Art Jagdsport, Jagd auf wehrlose Menschen. Sie liefen zwischen den Reihen der Exerzierenden und schlugen wahllos mit Stöcken, Peitschen und Gummiknüppeln auf sie ein, bis manche lazarettreif auf der Strecke blieben.“

Noch häufiger finden sich in den Berichten der ehemaligen Häftlinge Bestrafungen während der Arbeit durch die „Blauen“. Die Strafarten waren sehr unterschiedlich. Oft mussten Gefangene etwas Unangenehmes tun, worüber sich die Wachmannschaften lustig machen konnten. Eine der harmloseren Formen war der „Bärentanz“, bei dem der Gefangene solange um einen in den Boden gesteckten Spaten im Kreis gehen musste, bis er vor Schwindel umfiel.

Nicht selten arteten die Bestrafungen jedoch aus und wurden für den Häftling lebensgefährlich, wenn er zum Beispiel so lange durch einen niedrigen Abflussgraben kriechen musste, bis er darin ohnmächtig zusammenbrach; es kam vor, dass Gefangene bei dieser „Übung“ ertranken.

Todesfälle während der Arbeit waren dementsprechend keine Seltenheit. Fast jeder Moorsoldat musste miterleben, dass Mithäftlingen die Mütze vom Kopf gerissen und außerhalb der Postenkette geworfen wurde. Dann wurde der Gefangene aufgefordert, seine Mütze zurückzuholen. Tat er es und bewegte sich also über die Postenkette hinweg, wurde dies als Fluchtversuch gewertet und der Gefangene erschossen; tat er es nicht, wurde er wegen Befehlsverweigerung und im Lager zusätzlich wegen Fehlens der Mütze schwer bestraft.

Wahllose Gewalt

Schon beim Abzählen schlugen die SA-Männer wahllos mit dem Gewehrkolben oder mit Gummiknüppeln ein. Das Besteigen der Wagen der zu den Lagern führenden Moorbahn ging selten ohne Prügel ab. Posten vergriffen sich aus Langeweile oder aus reiner Freude am Quälen an die Gefangenen.

Der Tod eines Häftlings aus dem Kommando hatte für die Posten, wenn sie die Meldung „auf der Flucht erschossen“ abgaben, keinerlei negative Konsequenzen – im Gegenteil: Teilweise gab es in solchen Fällen sogar ganz offiziell als Belohnung für den Todesschützen drei Tage Sonderurlaub oder eine Geldzahlung von etwa 25 Reichsmark.

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