Cloppenburg Nach längerer schwerer Krankheit ist Heinz-Georg Berg am Sonntag im Alter von 69 Jahren zu Hause gestorben. „Mounty“, wie ihn fast alle nannten, hatte mit einer fünfjährigen Unterbrechung seit 1972 im Rat die Geschicke der Stadt Cloppenburg mitgeprägt.

„Er hat viel, viel ehrenamtliche Arbeit zum Wohle der Allgemeinheit geleistet und war dabei immer ein verlässlicher Partner. Cloppenburg ist seine Stadt gewesen“, würdigte Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese (CDU) den pensionierten Lehrer.

Nie geklagt

Grünen-Fraktionschef Michael Jäger, der mit dem gebürtigen Cloppenburger eng befreundet war, würdigte vor allem den Menschen Heinz-Georg Berg: „Ich habe ihn auch während seiner Erkrankung bewundert. Er hat sie mit viel Haltung ertragen und nie geklagt“, meinte Jäger.

Politisch habe man – so Jäger – in den Jahrzehnten der CDU-Dominanz im Stadtrat die „Opposition“ geführt. Auch wenn es gelegentlich unterschiedliche Meinungen gegeben habe, sei über die Jahre ein sehr gutes Verhältnis entstanden. Jäger und Berg saßen 36 Jahre gemeinsam im Stadtrat, kennengelernt hatten sich die beiden schon in der Jugend – unter anderem waren sie bei den Jusos in den wilden 60ern aktiv.

„Im Grunde genommen ging’s mit der SPD in Cloppenburg erst Ende der 50er los“, erinnerte sich Berg im August 2013 anlässlich des 150-jährigen Bestehens der SPD. Bereits sein Vater Heinrich hatte – wie Sohnemann Heinz-Georg dann auch fast 33 Jahre lang – den SPD-Fraktionsvorsitz im Stadtrat innegehabt. „Ich hatte immer in Vaters Garten bei der Vorbereitung des Wahlkampfs geholfen. Da habe ich 1969 gedacht, dass ich auch gleich in den Verein eintreten kann.“

2014 Ratsvorsitzender

In unzähligen Fachausschüssen, Beiräten, Arbeitsgruppen und auch im Rat selbst brachte Berg seine politische Expertise über die Jahre ein. Wohl auch in Anerkennung seiner politischen Lebensleistung wurde er im Juli 2014 zum Ratsvorsitzenden gewählt – ein Novum in einem Rat, in dem die CDU trotz Verlusten immer noch deutlich die größte Fraktion stellt.

Auch in der Auseinandersetzung und im Streit mit dem politischen Gegner habe Berg sich immer verlässlich und seriös gezeigt, erinnert sich CDU-Fraktionschef Hermann Schröer, der mit Berg 33 Jahre im Stadtrat saß. Wenn die Fraktionen eine Absprache getroffen hätten, habe man sich immer auf Berg verlassen können, dass diese auch eingehalten werde. Auch nach einer kontrovers verlaufenden Ratssitzung habe man mit dem Sozialdemokraten immer noch ein Bier trinken können, so Schröer. Das sei längst nicht mit jedem möglich gewesen.

SPD tief getroffen

Tief getroffen zeigten sich SPD-Fraktion und -Ortsverein. „Mit Heinz-Georg Berg hat die SPD-Stadtratsfraktion einen großen Genossen und die Stadt Cloppenburg einen ehrwürdigen Ratsherrn verloren“, erklärte Fraktionsvorsitzender Jan Oskar Höffmann. Kein anderer Genosse zuvor habe die Ratsarbeit der SPD in Cloppenburg derart geprägt wie Berg. Als Fraktionsvorsitzender sei er belastbar, gründlich, vermittelnd, integer, routiniert und stets gut vorbereitet gewesen.

Ob innerparteilich als Juso-Vorsitzender, als Mit-Autor der Parteizeitschrift „Eberborg“ oder als Vorsitzender der Ratsfraktion sei er jahrzehntelang das Gesicht der Cloppenburger SPD gewesen, erklärte Lothar Bothe, der gemeinsam mit Catja Kieselhorst den Ortsverein führt. Bergs einzigartige Gabe, politische Geschichten aus früheren Tagen zu erzählen und diese mit seinem verschmitzten Lächeln zu garnieren, sowie dessen großes politisches Wissen werde die SPD schmerzlich vermissen.

Hobbys abseits der Politik

Neben seinem unermüdlichen Arbeitspensum für Stadtrat und Partei hatte Berg auch noch Interessen abseits der Politik. Viele Jahre hatte Berg in der plattdeutschen Theatergruppe „Spälkoppel“ mitgewirkt, erinnert sich Heinz-Dieter Grein. Dieser ist heute noch als „Ritter Archibald“ im Cloppenburger Karneval aktiv – dort war er lange Zeit mit Berg als Duo „Jan und Gerd“ und als „Engel auf Wolke sieben“aufgetreten.

Und wenn noch Zeit blieb, war auch das Kochen Bergs große Leidenschaft. So war er über viele Jahre gemeinsam mit Freunden in einem privaten Kochclub aktiv.

Berg hinterlässt seine Frau Brigitte, vier Kinder aus erster Ehe und vier Enkelkinder. Der Wortgottesdienst ist am Montag, 19. August, 15 Uhr, in der Friedhofskapelle auf dem St.-Andreas-Friedhof. Die Urnenbeisetzung findet zu einem späteren Zeitpunkt im engsten Familienkreis statt.


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Carsten Mensing Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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