Cloppenburg In elf von 29 Wahllokalen im Bereich der Stadt Cloppenburg hat die AfD noch bessere Ergebnisse als auf Bundesebene (13,0 Prozent) geholt. Insgesamt kam die Protestpartei in der Kreisstadt auf 11,1 Prozent. Spitzenreiter war das Wahllokal im Kindergarten „Die Arche“: In diesem von vielen Russlanddeutschen bewohnten Gebiet fuhren die Rechtspopulisten – wie berichtet – 27,5 Prozent ein. Die Jahrzehnte alles dominierende CDU verbuchte hier historisch schlechte 25,8 Prozent.

In zwei weiteren Stadtgebieten, in denen überdurchschnittlich viele Spätaussiedler wohnen, wurde die AfD zweistärkste Kraft noch vor der SPD: so geschehen im Freizeitzentrum Vahren (17,2 gegenüber 16,1 Prozent) oder in der St.-Andreas-Schule (19,8 gegenüber 18,7 Prozent).

„Für mich ist das ein Beleg einer nicht gelungenen Integration“, erklärte der Fraktionschef der Grünen im Stadtrat, Michael Jäger, am Montag auf NWZ-Nachfrage. Das sei ein Feld, dass nötig beackert werden müsse. Das passiere aber nicht von heute auf morgen, sondern sei eine Frage von Generationen. Jäger verteidigte noch einmal den Ratsbeschluss, den Aussiedlern keine städtischen Räume für eine Pfingstlerschule zur Verfügung zu stellen. „Wir wollen in diesem Bereich keine weiteren separatistischen Tendenzen.“

„Die größten Profiteure der langjährigen CDU-Politik haben den Christdemokraten den Rücken zugekehrt“, kommentierte FDP-Ratsherr Yilmaz Mutlu das Wahlverhalten vieler Aussiedler nicht nur in Cloppenburg. So hatten viele Russlanddeutsche auch in Molbergen der AfD traumhafte Ergebnisse beschert: 33,8 Prozent im Wahllokal Grundschule, 29,5 Prozent in der Anne-Frank-Schule.

Dort hatte die CDU zur Kommunalwahl 2016 zwei russlanddeutsche Bewerber von ihrer Kandidatenliste gestrichen, zudem schwelt auch hier der Streit um die Bekenntnisschule . . . Ergebnis: Die CDU verlor am Sonntag 16,3 Prozent, die AfD gewann 12,9 Prozent hinzu. „Viele Spätaussiedler können sich mit der Politik der CDU nicht mehr identifizieren, ihnen wurde ihrer Meinung nach kein Gehör mehr geschenkt“, vermutet Mutlu.

CDU-Fraktionschef Hermann Schröer kann das Wahlergebnis in seiner Deutlichkeit „nicht nachvollziehen“. Die CDU werde aber nicht ihre Prinzipien und Überzeugungen opfern, um wieder bessere Ergebnisse auch in der Stadt Cloppenburg einzufahren. Schröer glaubt, dass es kurzfristig auch nicht gelingen werde, einen Zugang zu vielen AfD-Wählern zu finden.

Mit diesen ging SPD-Fraktionschef Jan Oskar Höffmann auf Facebook hart ins Gericht: „Jeder siebte Wähler wählt klar rechts. Da tragen natürlich die demokratischen Parteien, aber auch jeder einzelne dieser Wähler Mitschuld dran. Ich sehe es nicht ein, diesen Wähler Absolution zu erteilen. Blinder Hass, blinde Wut, hirnlose Parolen von Idioten und Verlierern. Jeder weiß, wofür diese Radikalen stehen: Fremdenhass, Homophobie, Erzkonservatismus und EU-Feindlichkeit.“

Carsten Mensing Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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