Harkebrügge Es war eine hitzige Diskussion, die am Donnerstagabend im Pfarrheim Harkebrügge ihren Lauf nahm. Mehr als 70 Bürger waren der Einladung der Kirchengemeinde St. Ansgar gefolgt, um sich über die aktuelle Flüchtlingssituation, Unterbringungsmöglichkeiten und Wege der Unterstützung zu informieren. Hintergrund war die Frage nach der künftigen Nutzung des Pfarrhauses.

30 Plätze fehlen

700 Flüchtlinge würden in den kommenden Monaten im Landkreis erwartet werden, skizzierten die Referenten Klaus Karnbrock und Dietmar Fangmann vom Caritas-Sozialwerk. Die Kommunen hätten kaum noch Unterbringungsmöglichkeiten, sagte Karnbrock. In Barßel müssen 62 Personen untergebracht werden. „Es fehlen aber noch 30 Plätze für Flüchtlinge“, verdeutlichte Pastor Ludger Becker die Situation. Wie berichtet, sieht ein Vorschlag des Bischöflich Münsterschen Offizialats in Vechta vor, das Pfarrhaus nach dem Auszug von Pfarrer em. Johannes Brinkmann als Unterkunft für Flüchtlinge und Asylsuchende – betreut vom Caritas-Sozialwerk – zu nutzen. Dem gegenüber steht der Wunsch aus der Bevölkerung, das Gebäude als Heimathaus zu nutzen.

Die Idee eines Heimathauses als Haus der Begegnung halte er für sinnvoll, sagte Hartmut Frerichs, stellvertretender Landrat. Diesen Wunsch habe er von Anfang an mitgetragen. „Man muss aber die Besonderheit der Situation jetzt sehen und der müssen wir Rechnung tragen“, erinnerte er an die soziale Verpflichtung den Flüchtlingen gegenüber. Zugleich müsse die Bevölkerung alles daran setzen, ein geeignetes Gebäude für ein Heimathaus zu bekommen, so Frerichs. „Wir haben viele Vereine, die gerne einen eigenen Treffpunkt haben wollen“, sagte Einwohnerin Elisabeth Block.

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Er verweigere sich nie einer Diskussion, sagte Pfarrer Becker. „Ein Heimathaus wäre schön.“ Doch er sehe es nicht als erste Aufgabe der Kirche, ein Archiv zur Verfügung zu stellen. Vielmehr könnte er sich für die Zukunft einen Heimatverein für die gesamte Gemeinde vorstellen, erklärte der Pfarrer.

Die Kirche müsse sich der aktuellen Flüchtlingssituation stellen, so Becker. Was in drei oder vier Jahren sein werde, könne er nicht einschätzen. Dann müsse erneut überlegt werden, wie das Pfarrhaus genutzt werde. Auch Wohnungen für sozialschwache Familien seien knapp, sagte der Pfarrer. Aktuell gehe es um die Notwendigkeit, Raum für Flüchtlinge zu schaffen. Dass das Offizialat sich von bestimmten Immobilien trennen wolle, sei schon seit Jahren bekannt, sagte Kirchenprovisor Johannes Geesen. Die Aufhebung des Abrissbeschlusses sei der Flüchtlingssituation geschuldet.

„Die Diskussion hätte man aber schon vor ein paar Monaten führen können“, übte Einwohner Heiner Block scharfe Kritik. „Wenn ich höre, dass im Juli entschieden worden ist, dass das Pfarrhaus abgebrochen wird, warum ist die Bevölkerung in Harkebrügge erst Anfang November informiert worden?“, so Block. „Wir haben es erst aus der Presse erfahren.“ Auch Einwohner Johannes Wernke zeigte sich verärgert: „Die Informationspolitik ist unter aller Würde.“

Beschluss im Februar

Der Kirchenausschuss habe warten wollen, bis Pastor Brinkmann tatsächlich weiß, wann er aus dem Haus ausziehe, sagte Pastor Becker. Mehrmals sei der Mietvertrag verlängert worden. Gleichwohl bedauerte er, die Bevölkerung nicht persönlich über den ersten Beschluss des Kirchenausschuss informiert zu haben. Fortan werde er dies öffentlich in der Messe verkünden, erklärte der Pfarrer. Generell seien Kirchenausschusssitzungen öffentlich, „aber sie können am Anfang der Sitzung für nicht öffentlich erklärt werden“, reagierte er auf die Kritik an mangelnder Transparenz. Grundsätzlich könne beschlossen werden, dass nicht die ganz Sitzung, sondern nur bestimmte Punkte nicht öffentlich sind. Künftig solle es mehr Sitzungen im Jahr geben, kündigte er an.

Voraussichtlich Mitte Februar werde der Kirchenaussschuss eine Entscheidung treffen, sagte Geesen.

Melanie Jepsen Varel / Redaktion Friesland
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