Cloppenburg Wut, Enttäuschung, Fassungslosigkeit: Die Geschädigten des Großbrandes in der Cloppenburger Fußgängerzone (die NWZ  berichtete) sitzen mehr als 14 Monate nach dem verheerenden Feuer nach wie vor auf einem Großteil ihrer Forderungen. Nachdem die Staatsanwaltschaft Oldenburg das Verfahren wegen fahrlässiger Brandstiftung gegen einen Cloppenburger Bauunternehmen bereits am 17. November 2014 eingestellt hatte, ist den Brandopfern jetzt endgültig der Kragen geplatzt. Gemeinsam mit dem Cloppenburger Rechtsanwalt Otto Höffmann sind sie an diesem Dienstag vor die Presse getreten, um der Öffentlichkeit ein Bild von ihrer Lage zu geben.

Höffmann vertritt Bernd Baro, den Besitzer des komplett zerstörten Hauses Nummer 45. Nachdem der heute 79-Jährige dort geboren worden und aufgewachsen war, lebte und arbeitete er dort mit seiner Frau Liesel (77) und später auch den gemeinsamen Kindern Thomas und Stefan. Nach dem Brand sind die Baros in eine Wohnung an der Museumstraße umgezogen. Nicht nur alle persönlichen Gegenstände sind bei dem Brand vernichtet worden, sondern unter anderem auch zahlreiche Bilder, die teilweise von dem Cloppenburger Maler Heinz Kramer-Hinte stammen. 400 000 Euro will Baro für seine Sachen von der Haftpflichtversicherung des Bauunternehmers haben, dessen Mitarbeiter am Morgen des 28. Februar 2014 „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ – so der Gutachter – bei Schweißarbeiten mit der offenen Flamme des Gasbrenners den Brand verursacht habe. Trotz der „sehr hohen Wahrscheinlichkeit“ hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren eingestellt, mit dem Hinweis darauf weigert sich die Versicherung der Baufirma, zu zahlen.

Dass seine Gebäudeversicherung den Zeitwert des Hauses bezahlt und Baro das Grundstück inzwischen an seinen Nachbarn – die Familie von Hammel – verkauft hat, ist genauso wie die Summe von 30 000 Euro aus der Hausratversicherung lediglich ein schwacher Trost.

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216 Jahre war die Familie Baro mit verschiedenen Handwerken in der Langen Straße vertreten, nun ist in Höhe der Nummer 45 nur noch ein hässliches Loch. Bei dem verzweifelten Versuch, den Brand zu löschen, wäre Baro fast zusammengebrochen und die Treppe heruntergefallen. Die Feuerwehr rettete ihn in letzter Minute.

Baro hat genau wie seine Söhne Thomas und Stefan „den Glauben an die deutsche Justiz verloren“. Völlig unverschuldet bleibt er bis auf weiteres auf dem Großteil seines Schadens sitzen. Der zivilrechtliche Prozess könne – so sein Rechtsbeistand Höffmann – Jahre dauern.

Darauf muss sich auch Eleonora Siebert einstellen. Die Jungunternehmerin wollte eigentlich am 1. März 2014 ein Damenmodengeschäft im Hause Baro eröffnen. Bei dem Brand einen Tag vorher wurde das gesamte Inventar im Wert von 40 000 Euro zerstört, ihre so genannte Inhaltsversicherung lief aber erst ab dem 1. März – der Super-GAU.

Siebert wollte trotzdem nicht von ihrem Lebenstraum lassen und eröffnete ihr Geschäft einige Wochen später im ehemaligen Haneklau-Gebäude an der Oberen Langen Straße. Doch die Lage erwies sich ihrer Meinung nach als untauglich, mangelnde Kundenresonanz zwinge sie nun, zum 31. Mai zu schließen. Der Schuldenberg ist inzwischen auf 60 000 Euro angewachsen, zudem steht die Mutter von drei kleinen Kindern ab dem 1. Juni ohne Einkommen da. Eine Katastrophe. Vorerst bleibt ihr nur noch eine Klage gegen ihre Inhaltsversicherung – wegen eines Beratungsfehlers, wie ihr Rechtsanwalt Rainer Muth (Osnabrück) am Dienstag erklärte.

Da nehmen sich die Probleme von Carsten von Hammel vergleichsweise klein aus, obwohl ihm das – in seine Oberwohnung in Nummer 43 eingedrungene – Löschwasser gleich einen Schaden von 100 000 Euro zugefügt hat. Auch er hat von der Haftpflicht des Bauunternehmers bislang keinen Cent gesehen.->

Carsten Mensing Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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