Bösel Die Gemeinde Bösel wächst. Im neuen Baugebiet Südlich der Jägerstraße, in dem derzeit die Erschließungsarbeiten laufen, berichtet Bauamtsleiter Christoph Burtz von 115 Bewerbern für einen Bauplatz, rund 100 Plätze stehen zur Verfügung. Bislang sind 40 zu einem Termin eingeladen worden, um sich ein Grundstück zu reservieren. Dadurch zeichnet sich ab, dass der Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder steigen wird. Die Notwendigkeit für eine weitere Kita hatte die Gemeinde längst erkannt und zunächst zwei Übergangsgruppen (Kita und Kindergarten) in den Kitas St. Raphael und St. Anna eingerichtet – und zwar befristet bis zum Kindergartenjahr 2021/2022. Bis dahin soll eine neue fünfgruppige Kindertagesstätte stehen.

Die Frage ist: wo? Und da liegen Teile der Politik und Gemeindeverwaltung nicht auf einer Linie, wurde auf der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Umwelt, Planung, Bau und Verkehr am Mittwochabend offenkundig. Es seien verschiedene Standorte geprüft worden, machte Bürgermeister Hermann Block deutlich. Als besten zu entwickelnden Standort schlug die Verwaltung eine Fläche nördlich der Straße „Neuland“, östlich der Fladderburger Straße, vor. Die Verwaltung argumentierte mit der Nähe zu Flächen, auf denen Wohnhäuser entstehen werden oder könnten.

Die Flächen für die Kita sind zum einen im Privatbesitz (rund 9000 Quadratmeter), zum anderen im Besitz der katholischen Kirchengemeinde St. Cäcilia (rund 8000 Quadratmeter). Sollte die Fläche der Kirche in Anspruch genommen werden, wäre „die Frage der Trägerschaft geklärt“, machte Bürgermeister Block deutlich. Die Kirche ist auch Trägerin der beiden bestehenden Kitas St. Anna und St. Raphael. Im anderen Fall sei man frei bei der Wahl.

Für beide Flächen – die Gemeinde steht mit beiden Eigentümern in Verhandlungen – soll die Bauleitplanung im vereinfachten Verfahren angeschoben werden. Weil unklar ist, ob es dieses Verfahren über den Jahreswechsel hinaus geben wird, macht die Gemeinde Druck in Sachen Bauleitplanung. Der Ausschuss votierte bei einer Gegenstimme (Matthias Preuth, Bündnis Bösel) und zwei Enthaltungen (Theo Gelhaus, CDU, und Heinz Müller, Bündnis Bösel) für den Aufstellungsbeschluss.

Für Matthias Preuth, Sprecher des Bündnisses Bösel, ist der Standort denkbar schlecht: „geht gar nicht“. Die Eltern müssten über die Fladderburger Straße fahren und würden dort das Verkehrschaos im Bereich der Grundschule weiter verschärfen. Zudem sprächen Emissionen eines nahen Futtermittelherstellers gegen den Standort. Bürgermeister Block verwies in diesem Zusammenhang auf vorliegende Gutachten und betonte: „kein Problem“.

Preuths Gegenvorschlag: die freien Grundstücke an der Gartenstraße. Davon hält wiederum CDU-Fraktionsvorsitzender Ludger Beeken rein gar nichts, zumal das erhebliche verkehrliche Probleme in der „Blumensiedlung“ mit sich bringen würde. Den Standort Gartenstraße hält auch Block für „nicht vertretbar“ und „verkehrlich nicht entwickelbar“. Die An- und Abfahrt zur neuen Kita müsse über die Schäferstraße laufen.

Dass der Standort nicht die 1a-Lösung sei, aber derzeit alternativlos, betonte auch die Verwaltung. Denn eine vorgesehene Fläche im Bereich Bösel Nord stehe derzeit nicht zur Verfügung – wenngleich dafür die Bauleitplanung fertig sei. „Wir können schnell umswitchen“, sagte Block, man sei derzeit noch nicht auf den Standort festgelegt.

Bernd Roder (Bündnis Bösel) sieht keine Alternative, betonte aber, die Kreuzung Schäferstraße/Garreler Straße/Jägerstraße müsse entschärft werden, wenn künftig Kinder aus dem Neubaugebiet an der Jägerstraße die Garreler Straße zur neuen Kita überqueren müssen. Auch die Verkehrskommission hat die Kreuzung auf ihrer Agenda.

Sollte die Kirche die Trägerschaft übernehmen, könnten auf der nebenliegenden Fläche Wohnbaugrundstücke entstehen. Vor Ostern rechnet Verwaltungschef Block nicht mit einem Satzungsbeschluss für den B-Plan. Im Wege stehen dem noch zu hohe Geruchsemissionen, die durch Stilllegung von Ställen reduziert werden müssen. Auch die Entwässerung muss geklärt werden, und Archäologen werden den Eschboden in Augenschein nehmen.

Reiner Kramer stv. Redaktionsleitung Cloppenburg/Friesoythe / Redaktion Münsterland
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