Bösel 1946, an einem sommerlich warmen Tag, kamen rund 100 Flüchtlinge auf dem Bahnhof in Bösel an. Die Straßen mit Fahnen geschmückt – aber nicht als „Welcome“, sondern wegen der Fronleichnamsprozession der Katholiken. An dieses Ereignis erinnerte Herbert Bley, Böseler Ortsvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, am Montagabend bei der Eröffnung der Wanderausstellung „vertrieben, geflohen – angekommen!?“ des Volksbundes im Foyer der Volksbank Bösel.

Eine Willkommenskultur, wie sie viele Flüchtlinge, die in den vergangenen Jahren aus Syrien, dem Irak oder aus afrikanischen Ländern nach Deutschland kamen, erwartete? Fehlanzeige. Keine ehrenamtlichen Helfer, unterstützt durch die Arbeit der Tafeln. Stattdessen vielerorts „pure Ablehnung“ – vielleicht teilweise „nachvollziehbar in Anbetracht der Nachkriegssituation und der eigenen Not“, so Bley.

„Fast jede Flucht ist mit Traumata, mit Ängsten verbunden“, sagte Bley, und das auf beiden Seiten. „Das war vor 70 Jahren so, das ist auch heute so.“ Bley erinnerte, dass im Zuge des Zweiten Weltkriegs alleine rund 1,2 Millionen Menschen nach Niedersachsen flüchteten. Heute seien es eine Million Flüchtlinge, verteilt auf die gesamte Bundesrepublik.

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Die Integration – ein langer und beschwerlicher Prozess. Toleranz sei gefragt – „nicht jedoch die „Toleranz der Kriminalität“, sondern die anderer „Kulturgewohnheiten – ja, nicht aber die Aufgabe der eigenen Kultur“, kritisierte Bley die Entscheidung einer Lüneburger Schulleitung, die auf Drängen eines muslimischen Kindes eine Weihnachtsfeier abgesagt habe.

Bley forderte auf, „ein wenig stolz darauf zu sein, ein Zufluchtsland zu sein. „Ist es nicht ein gutes Zeichen, wenn arabische Mitmenschen im Buch neben der Böseler Krippe ihre Weihnachtswünsche eintragen.“ Eine Kultur des Erinnerns zu pflegen als „Kontrollinstanz für unser Denken und Handeln“, aber „nicht in der Vergangenheit leben, sondern aus der Vergangenheit für die Zukunft“ – dazu rief Bley auf.

In sechs Teilen befasst sich die Ausstellung mit Themen wie Gewaltmigration im Umfeld des Zweiten Weltkrieges, der Lösung der Flüchtlingsproblematik, dem Aufnahmeland Deutschland, dem Flüchtlingsalltag oder der Erinnerungsarbeit und Kriegsgräberstätten. In einer weiteren Stellwand werden Fotos von Flüchtlingen auf ihrer Flucht gezeigt, die in Bösel und umzu neue Heimat gefunden haben.

Bürgermeister Hermann Block erinnerte an die „herzlichen Willkommenskultur“, die in Bösel aufgebaut worden war. 45 Menschen, die Asyl-Leistungen beziehen, lebten in der Gemeinde – überwiegend aus Syrien, Afghanistan, Simbabwe, Irak und Albanien. 100 Personen werden von der Gemeinde und Ehrenamtlichen betreut. Darunter waren auch einige zur Ausstellungseröffnung erschienen. Weiterhin begrüßte Block Mitglieder von Rat und Vertreter der Kirchengemeinden sowie Mitglieder der Steuerungsgruppe „Flüchtlingshilfe in Bösel“.

Auswanderungen vor den Nazis 1933, Vertreibung aus Ostpreußen 1945, Flucht aus Syrien 2016: „Die historischen Hintergründe von Flucht und Vertreibung im 20. und 21. Jahrhundert mögen verschieden sein, die Bilder von den betroffenen Frauen, Männern und Kindern gleichen sich aber“, so Block.

Marco Wingert, Bildungsreferent beim Volksbund im Bezirksverband Weser-Ems, bedankte sich, dass die Volksbank die Räume zur Verfügung gestellt hatte. Er erinnerte, dass auf den Kriegsgräberstätten, die der Volksbund betreue, viele Tote begraben seien, die im Zuge ihrer Flucht zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges ihr Leben verloren hätten.

Reiner Kramer stv. Redaktionsleitung Cloppenburg/Friesoythe / Redaktion Münsterland
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