Thüle /Bremen Vielleicht sehnt er sich ab und zu in diese Zeit zurück. Verständlich wäre es. Nachdem Frank Baumann im Jahr 2009 seine Fußballerkarriere im Alter von 33 Jahren beendet hatte, war er ein viel umjubelter Gast in ganz Nordwestdeutschland. Hatte der Ex-Nationalspieler, der Werder als Kapitän 2004 zum Double aus Meisterschaft und Pokal geführt hatte, seine Fußballschuhe doch nach einer sehr erfolgreichen Saison der Grün-Weißen an den Nagel gehängt. Als UEFA-Cupfinalist und DFB-Pokalsieger repräsentierte er Werder bei vielen Anlässen. Zum Beispiel 2009 in Thüle beim elften Oldenburger Münsterland-Cup für E-Junioren-Fußballer. Den DFB-Pokal im Gepäck konnten sich etwa 1200 junge Fußballer, Geschwister und Eltern davon überzeugen, dass Baumann auch abseits der Fernsehkameras geerdet, bescheiden, geduldig, ja, einfach durch und durch sympathisch ist.

Diese Eigenschaften helfen ihm sicher auch heute noch. Dennoch sind die Auftritte des inzwischen 44-Jährigen zur Zeit eher selten umjubelt. Kritische Fragen bestimmen momentan die Gespräche, wenn der gebürtige Würzburger in der Öffentlichkeit auftritt. Schließlich steht Werder Bremen Mitten in der Corona-Krise auf einem Abstiegsplatz der Bundesliga, und nicht wenige Fans der Grün-Weißen sehen in Baumann einen der Hauptschuldigen der Misere. Und so beliebt Baumann eigentlich auch ist, so schwer ist seine Mit-Verantwortung für diese schwere Phase der Grün-Weißen wegzudiskutieren.

Aber das versucht der Sportchef des Clubs von der Weser ja auch gar nicht. „Wir sind alle verantwortlich – ich zuallererst, weil ich die sportliche Gesamtverantwortung trage“, sagte Baumann etwa nach der 0:5-Heimniederlage gegen Mainz 05. Fehler in der Kaderplanung hat er auch schon eingeräumt – und versucht zu beheben.

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Keine Frage, Baumann duckt sich nicht weg. Und angesichts der Bremer Verletztenmisere in dieser Saison hat er bei aller Selbstkritik durchaus gute Argumente auf seiner Seite. Zumal Spieler wie Maximilian Eggestein weit unter ihren Leistungen der Vorsaison geblieben sind.

Die Ausdauer, mit der Baumann in der jetzigen Situation wiederholt, dass er an die Spieler und an Coach Florian Kohfeldt glaubt, brauchte er 2009 in Thüle noch zum Autogramme-Schreiben. „Ich schätze mal, dass ich im Jahr etwa 30 000 Autogramme gebe“, sagte der Ex-Nationalspieler, der auf Einladung des Fördervereins Werder-Eck Lohne nach Thüle gekommen war, bevor er Hunderten Kindern Schuhe, Trikots, T-Shirts, Bälle, Hefte, Bücher, Stutzen und Fahnen signierte.

Ganz so viele Autogramme werden es jetzt nicht mehr sein. Aber gefragt ist der Vize-Weltmeister von 2002 wie selten zuvor. In der Krise ist Abtauchen keine Option. Mehr noch, der Defensivspezialist Baumann muss in die Offensive gehen. Dies merkte zuletzt Bremens Innensenator Ulrich Mäurer im Streit darüber, ob Werder wie die anderen Bundesligisten in kleinen Gruppen wieder trainieren darf.

Letztendlich durften die Grün-Weißen – vielleicht auch, weil der so zurückhaltend auftretende Baumann auf den Tisch gehauen hatte. Keine Frage, auch er muss jetzt kämpfen. Damit man mit seinem Namen bei Werder weiterhin vor allem die Erfolge wie das Double 2004, Champions-League-Teilnahmen und den DFB-Pokalsieg 2009 verbindet. Und nicht auch noch den zweiten Bundesliga-Abstieg in der Geschichte des Vereins . . .

Steffen Szepanski Lokalsport / Redaktion Münsterland
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