Cloppenburg Juni 1966: Gut einen Monat vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in England wurde in Cloppenburg das Bezirkspokalfinale zwischen dem BVC und Landesligist Spielvereinigung 05 Wilhelmshaven ausgetragen. Jedoch fand das Endspiel nicht auf dem Hauptplatz statt. „Wir mussten auf Platz zwei ran“, erinnert sich Klaus Ebel, der seinerzeit beim BVC als Verteidiger aktiv war.

Der Grund: Das Stadion war für die nationale Reitelite reserviert worden, die in den damaligen Jahren einige Male ihre Saisoneröffnung der deutschen Springreiterei in Cloppenburg feierte. So waren auch Weltklasse-Reiter wie Hans-Günter Winkler und Alwin Schockemöhle mit ihren Pferden dort zu Gast. „Das waren und sind bis heute klangvolle Namen. Da war immer richtig was los“, so Ebel.

Echte Lokalmatadore

Doch für die damaligen BVCer lag das Glück dieser Erde nicht auf dem Rücken der Pferde, sondern auf dem grünen Rasen. Die Cloppenburger Mannschaft setzte sich ausschließlich aus Spielern direkt aus dem Ort, oder aus der näheren Umgebung zusammen. Akteure die nur für Geld gegen den Ball traten, waren damals in Cloppenburg nicht zu finden. Es waren echte Lokalmatadore wie der Emstekerfelder Siegfried Bräuer oder Co-Trainer Lothar Neldner aus Molbergen. Trainer der Mannschaft war Bruno Ebel, der aufgrund eines Unfalls zwischenzeitlich von Neldner vertreten wurde. Die Anhänger freuten sich, dass die Jungs aus ihrer Straße den Verein immerhin in der Verbandsliga West vertraten.

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Ebel musste sein Team im Vorfeld des Endspiels umstellen. Herbert Sieling fiel verletzt aus. Dafür rückte Bräuer in die Anfangsformation. Um 18 Uhr wurde die Begegnung vor gut 600 Zuschauern angepfiffen. Zuvor waren die beiden Finalisten unter den Klängen des Höltinghauser Musikkorps einmarschiert.

Die Cloppenburger legten gut los. Vorne hielten Karl-Heinz Thölken und Kapitän Theo Rüve ihren Torriecher in den Strafraumwind. Doch trotz guter Flanken von Rainer Sieling konnten sie den Ball – damals noch aus Leder – vorerst nicht im gegnerischen Gehäuse unterbringen. Nach dem Seitenwechsel machte Wilhelmshaven mächtig Druck. BVC-Fänger Siegfried Malcherek hatte in der 54. Minute wohl „den Papst in der Tasche gehabt“. Denn ein Schuss von Tschanerl klatschte zur Erleichterung der BVC-Anhänger nur an das Lattenkreuz.

Schollmeier trifft zum 1:0

Kurze Zeit später brach auf Cloppenburger Seite großer Jubel aus, als Rüve das vermeintliche 1:0 erzielte (63.). Seinem Tor wurde aber wegen einer Abseitsstellung die Anerkennung verweigert. Nach knapp 70 Minuten durften die Cloppenburger das erste Mal jubeln. Peter Schollmeier hatte per 16-Meter-Schuss zum 1:0 getroffen. Die Jadestädter versuchten noch einmal alles. Sie starteten mehrere Gegenangriffe. Aber Cloppenburgs Abwehr hielt dem Druck stand. Auch ein Verdienst von Verteidiger Ebel, der den Niedersachsen-Auswahlspieler Magnus an die Kette legte.

Eine Viertelstunde vor Schluss krachten Thölken und und sein Gegenspieler Holzinger im Wilhelmshavener Strafraum zusammen. Für Thölken ging es nicht mehr weiter. Er wurde mit Verdacht auf leichte Gehirnerschütterung ins Krankenhaus eingeliefert. Da seinerzeit noch nicht ausgewechselt werden durfte, mussten die Hausherren mit zehn Mann weiterspielen. Dem Spielfluss bei Cloppenburg tat dies keinen Abbruch. Im Gegenteil: Hans-Georg Wessels markierte mit einem Schuss aus 20-Metern in der 76. Minuten den verdienten 2:0-Endstand. Die Freude bei den Cloppenburgern und ihrer Anhängerschar kannte nach Spielende keine Grenzen mehr. „Der Bezirkspokal hatte damals einen großen Stellenwert. Das war für uns eine tolle Sache“, erzählt Ebel.

Pokal am Krankenbett

Nach Spielende, hockten beide Teams beim anschließenden Bankett bis in die Puppen zusammen. Es wurde nicht nur gefachsimpelt, sondern auch aus Leibeskräften gesungen. Freuen durfte sich auch Thölken, obwohl er zur gleichen Zeit im Krankenhaus lag. Denn der damalige BVC-Vorsitzende Helmuth Südbeck gab beim Bankett bekannt, dass der Pokal solange am Krankenbett platziert werden würde, bis Thölken wieder fit sei.

Es ist nur eine Anekdote, aus einer Zeit, in der der BVC eine große Nummer war. Der Sieg im 66er-Endspiel war bereits der dritte Erfolg im Bezirkspokal für Soestestädter. „Es war eine schöne Zeit. Auch weil wir nach den Spielen immer lange zusammen gesessen haben“, sagt Ebel, der seinerzeit mit Thölken einer der Jüngsten im Team war.

Trainiert wurde am Dienstag und am Donnerstag. Warum denn nicht am Mittwoch? Ebels Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen. „Weil am Mittwoch die Europapokalspiele im Fernsehen übertragen wurden. Da hatten wir keine Zeit zum Trainieren“, sagt er und lacht.

Cloppenburgs Endspiel-Elf von 1966: Siegfried Malcherek - Josef Kern, Klaus Ebel, Karl-Heinz Gärtner, Siegfried Bräuer, Peter Schollmeier, Rainer Sieling, Hans-Georg Wessels, Theo Rüve, Bernd Niehe, Karl-Heinz Thölken.

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