Cloppenburg Im Sommer 1998 suchte der damalige Zweitliga-Aufsteiger SSV Ulm um Trainer Ralf Rangnick nach einem neuen Torhüter. Rangnick nahm einen gewissen Mario Neumann ins Visier, der gerade mit Carl-Zeiss Jena aus dem Unterhaus abgestiegen war.

Neumann wurde zum Probetraining eingeladen und konnte überzeugen. Er hatte den Vertrag eigentlich schon in der Tasche. Aber im Haifischbecken Profi-Fußball kann sich der Wind bekanntlich schnell wieder drehen. „Wir waren sehr weit, aber dann kam der Deal plötzlich nicht mehr zustande“, erinnert sich Neumann im Gespräch mit der NWZ.

Nicht aufgegeben

Die Ulmer setzten weiter auf Philipp Laux und Neumanns Club Jena, für den er von 1993 bis 1998 spielte, hatte sich in der Zwischenzeit für einen neuen Torhüter entschieden. Neumann war arbeitslos geworden. Er trainierte wie ein Besessener, um sich für ein neues Engagement fit zu halten. „Dreimal am Tag stand ich auf dem Platz“, so Neumann. Doch so recht, wollte kein Verein anbeißen. Der Frust während der vereinslosen Zeit war groß. Und das Ende der Wintertransferperiode im Januar 1999 rückte immer näher. Sicherheitshalber holte Neumann Plan B aus der Tasche.

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Für ihn gab es die Option, in einem Autohaus in Jena zu arbeiten. Doch kurz vor Ende der Wechselfrist erhielt er einen Anruf aus Niedersachsen. Der BV Cloppenburg signalisierte über mehrere Ecken Interesse am damals 32-Jährigen. Der Deal kam zustande. Neumann setzte sich in Jena in den Zug und fuhr bis nach Oldenburg. Dort wurde er vom damaligen BVC-Trainer Wolfgang Steinbach am Bahnsteig in Empfang genommen.

Die Bedingungen beim BV Cloppenburg waren in jenen Jahren verlockend. Der Club hatte das Vollprofitum eingeführt. Spieler aus der ganzen Republik und einige ausländische Akteure standen im Kader. Darunter auch Rico Glaubitz, den Neumann noch aus DDR-Zeiten kannte. Auch Rene Damerow (ehemals Hansa Rostock) war Neumann ein Begriff gewesen.

Anfangs wohnte er halbes Jahr in einem Hotel in der Langen Straße. Dass er auch 16 Jahre später noch in Cloppenburg wohnen würde, hätte er sich damals wohl nicht vorstellen können. „Aber mit der Zeit habe ich mich hier sehr heimisch gefühlt und von Jahr zu Jahr meinen Vertrag verlängert“, erzählt Neumann, der von 1976 bis 1993 in Zwickau gespielt hat.

Klütz „hart getroffen“

Zu seinem Mitspieler Jörg-Uwe Klütz entwickelte er schnell einen guten Draht. Auch wenn eine der ersten Begegnungen zwischen den beiden Altmeistern nicht so harmonisch verlief. Beim Spiel in Bremerhaven wollte der Torhüter einen Flankenball abfangen. Mit einem lautstarken „Leo“ machte er seinen Abwehrspielern deutlich, dass er die Kirsche herunterpflücken würde. „Mit meinen Fäusten habe ich jedoch leider nicht den Ball getroffen, sondern Klützer böse erwischt. Heute können wir beide über diese Anekdote lachen“, erinnert sich Neumann.

In der Saison 2002/2003 war der Sachse nur noch sporadisch für die beiden Cloppenburger Herrenmannschaften aktiv. Dann übernahm er die zweite Mannschaft als Coach und trainierte parallel dazu die Torhüter der ersten Mannschaft. „Dabei hatte ich nie vor gedacht, Trainer zu werden“, lacht Neumann. Mit der Reservemannschaft erzielte er beachtliche Erfolge. Das sprach sich herum und mit Beginn der Vorbereitung auf die Serie 2008/2009 heuerte er bei Hansa Friesoythe an.

Auf der Hansa-Kogge lief es wie geschmiert. „Zudem funktionierte die Zusammenarbeit mit Bernd Meyer auf Anhieb. Da haben wir eine tolle Truppe zusammengestellt“, meint Neumann. Die Bezirksliga-Hinrunde wurde auf Platz eins beendet.

In der Winterpause wechselte Neumann aber zum Regionalligisten BV Cloppenburg, um dort zusammen mit seinem alten Spezi Klütz den Club vor dem Abstieg zu bewahren. „Ich hatte die Chance, an meinem Wohnort bei einem Regionalligisten tätig zu sein. Mit Hansa hatte der Wechsel überhaupt nichts zu tun. Der Verein war immer sehr fair zu mir“, betont Neumann. Den Abstieg konnten er und Klütz aber nicht verhindern. Doch beide blieben auf der Kommandobrücke. Erst zum Ende der Saison 2014/2015 beendeten beide ihr Trainerengagement an der Soeste. Neumann gab schon früh im Laufe der Rückserie bekannt, dass er als Co- und Torwarttrainer zum SV Meppen gehen werde. Dort unterschrieb er einen Zwei-Jahres-Vertrag.

Der Abschied fällt ihm nicht leid. „Das war eine emotionale Kiste. Vor allem weil ich mit Klütz, der Mannschaft, und den anderen BVC-Funktionären eng zusammengearbeitet habe“, sagt Neumann, der bis zu seinem Dienstantritt in Meppen weiter für den BVC umtriebig im Einsatz ist. Zudem signalisiert er auch Bereitschaft, das jährliche Hallenturnier weiter mit zu organisieren. „Wenn der Verein das möchte, würde ich es wieder machen.“ Nur aus einer Sache hält sich Neumann, dessen Vertrag beim BVC offiziell noch bis Ende Juni geht, bewusst heraus. „Allerdings beteilige ich mich nicht an der Trainersuche“, stellt der 48-Jährige klar.

Neue Station Meppen

Am 22. Juni wird Neumann dann mit dem SV Meppen die Vorbereitung aufnehmen. Er bleibt in Cloppenburg wohnen und bildet mit Meppens Chefcoach Christian Neidhart, der ebenfalls in Cloppenburg lebt, eine Fahrgemeinschaft. Dass Neumann dem Fußballsport mit viel Leidenschaft begegnet, war der DDR-Torhüterlegende Jürgen Croy schon vor Jahrzehnten sonnenklar. Als er gefragt wurde, welcher Zwickauer Torhüter im höherklassigen Bereich landen könnte, sagte Croy: „Der Neumann kann es packen, weil er sehr ehrgeizig ist.“ Croy, der in den 70er-Jahren zu den besten Torhütern Europas gehörte, sollte Recht behalten . . .

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