GARREL Nein, über mangelnde Aufmerksamkeit kann sich Ines Langkabel auch in dieser Saison nicht beklagen. Die Rückraumspielerin der Garreler Oberliga-Handballerinnen wird so oft in enge Deckung genommen, dass sie sich manchmal wie ein siamesischer Zwilling vorkommen dürfte. Noch immer fällt den meisten Trainern der Konkurrenz ihr Name als erstes ein, wenn sie auf den BV Garrel zu sprechen kommen. Das ist schön, das schmeichelt – und doch, Ines Langkabel braucht das nicht. Obwohl sie noch immer zu den besten und angesehensten Spielerinnen der Oberliga gehört, macht sie am Saisonende zur Überraschung vieler Handball-Enthusiasten Schluss. „Das ist nach mehr als 20 Jahren als Handballerin schon ein tiefer Einschnitt, aber ich will mehr Zeit für das Privatleben haben und mich beruflich weiterbilden“, sagt die gelernte Krankenschwester und studierte Sportwissenschaftlerin.

Überraschendes Ende

Dass sie ihren eigenen Kopf hat und stets ihren eigenen Weg geht, auch wenn der nicht allen gefällt, hatte sich schon vor fünf Jahren gezeigt. Im April 2007 hatte Langkabel den Höhepunkt ihrer sportlichen Laufbahn erreicht – und auf einmal alle Zelte in der Handball-Hochburg Oldenburg abgebrochen, um in den Kreis Cloppenburg zu ziehen.

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Nach dem Aufstieg mit dem VfL Oldenburg II im Jahr 2005 hatte sie in der Zweiten Bundesliga für Furore gesorgt und am Ende der Saison 2006/07 ihr erstes Spiel in der Ersten Liga gemacht. Nach der Partie gegen die TSG Ketsch war die damals 25-Jährige sogar zur Spielerin des Tages gewählt worden. Und doch, trotz allen Bittens der Oldenburger Verantwortlichen zu bleiben, wechselte sie zum BV Garrel in die Regionalliga. „Ich wollte zu meinem Freund in den Landkreis Cloppenburg ziehen. Außerdem hatte sich in den zwei Monaten, in denen ich wegen eines Bänderrisses nicht spielen konnte, keiner von den Verantwortlichen um mich gekümmert.“ Das nennt man wohl konsequent sein, Rückgrat zeigen, sich nicht für den Applaus verbiegen lassen.

Garrel greift gleich zu

Solche Spielerinnen braucht eine Mannschaft, das wussten die damals Verantwortlichen des BV Garrel genau. Zu dem Regionalligisten war Langkabel über ihre ehemalige Mitspielerin Nina Fietzek gekommen, die zwei Jahre zuvor in den Kreis Cloppenburg gewechselt war. „Ich hatte sie über StudiVZ angeschrieben und gefragt: Braucht ihr noch jemanden? Zwei Minuten später war das Angebot da.“

Kein Wunder: „Ines ist genau die Spielerin, die uns noch gefehlt hat“, jubelte Coach Andreas Espelage im April 2007. Und tatsächlich, Langkabel wurde schnell zur beliebten Führungsspielerin des BV Garrel. Das blieb sie auch unter den folgenden Trainern, mehr noch, unter Birgit Deeben stieg sie zur Co-Trainerin auf. Fortan übernahm sie nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz Verantwortung. Merkte dabei aber auch, dass ein Leben für sie als Trainerin nicht infrage kommt. Zu sehr würde es sie von der Bank wieder aufs Spielfeld ziehen. „Es wird schon kribbeln, wenn ich mir demnächst Spiele des BV Garrel von der Tribüne aus ansehe“, sagt Langkabel.

Starke Bindung bleibt

Dennoch ist sie fest davon überzeugt, dass sie den richtigen Entschluss gefasst hat – was nicht heißen muss, dass sie nie mehr aufs Handball-Feld zurückkehren wird. „Ich habe schon gesagt: Wenn die Personalsorgen ganz groß sind, stehe ich für ein, zwei Einsätze zur Verfügung.“ Dem Handball wird die 30-Jährige, die im Jahr 2011 Oberliga-Vizemeister mit dem BVG geworden ist und auch in diesem Jahr noch Chancen auf den Titel hat, sowieso verbunden bleiben. Schließlich arbeitet sie als Projektmanagerin bei einem privaten Bildungsträger, dessen Geschäftsführer Franz-Josef Kettmann die BVG-Handball-Abteilung wie kaum ein Zweiter geprägt hat. Außerdem hat sie ihre beste Freundin, Irena Brüwehr (geborene Nürnberg), beim Handball kennen gelernt.

Entschluss steht

Die freundschaftliche Atmosphäre in Handball-Teams, sagt Langkabel dann auch, werde ihr wohl am meisten fehlen. „Man unternimmt ja auch außerhalb der Handball-Halle viel zusammen. Da wird wohl die eine oder andere Verbindung abreißen.“ Trotzdem steht ihr Entschluss fest. Schließlich muss man manchmal seinen Weg gehen, auch wenn das nicht allen gefällt. . .

Ines Langkabel, geboren am 8. Mai 1981, begann ihre Laufbahn als Handballerin 1990. Im Alter von neun Jahren spielte sie zum ersten Mal für Fortuna Neubrandenburg. Nach ihrem Umzug nach Oldenburg im Jahr 2003 landete die gelernte Krankenschwester, die in der Huntestadt Sportwissenschaft und Pädagogik studierte, beim VfL Oldenburg II. Mit dem stieg sie 2005 in die Zweite Bundesliga auf.

Ihr letztes Spiel für den VfL im Jahr 2007 war zugleich ihre erste und einzige Partie in der Ersten Bundesliga. Sie half im ersten Team aus und wurde prompt zur besten Spielerin der Partie gekürt. Im April 2007 wechselte Langkabel zum Regionalligisten BV Garrel, da sie zu ihrem Freund in den Kreis Cloppenburg gezogen war. Seit zwei Jahren ist sie auch noch Co-Trainerin des BVG-Oberliga-Teams. In diesem Frühling hört sie nach 22 Jahren als Handballerin auf.

Steffen Szepanski Lokalsport / Redaktion Münsterland
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