CLOPPENBURG Eine Kirchenorgel hat wohl jeder schon einmal gehört. Hartnäckig hält sich das Vorurteil, dass nur Rentner zum Spielen auf dem Orgelboden Platz nehmen. Dort ein jugendliches Gesicht anzutreffen, sei doch eher überraschend, meinen Spötter. In Lastrup ist das jedoch möglich. Als einer von vier Organisten begleitet der Lehramtsstudent für Mathe, Sport und Chemie, Michael Gesen (Matrum), die Gottesdienste.

Vor dreieinhalb Jahren hat er sich zum ersten Mal während eines Gottesdienstes an die Tasten getraut. Dem waren mehrere Jahre Übung vorausgegangen. Als Fünftklässler begann Gesen am Keyboard – dieses Instrument hatte ihm seinerzeit sein Musiklehrer Gerold Hukelmann vorgeschlagen.

Klavier zur Vorbereitung

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In einer Übungsstunde zeigte dieser seinen Schülern die Orgel in der Lastruper Kirche. Zunächst ließ Gesen sich nur in den Gottesdiensten vom Klang der Pfeifen faszinieren. Doch mit 16 Jahren wollte er auch selber spielen. Nach einem Jahr Klavierunterricht zur Vorbereitung auf die Orgel, übte der damalige Oberstufenschüler gelegentlich in der Kirche ganz allein.

Eines Tages fragte ihn Pfarrer Franz Wittrock, ob er nicht auch im Gottesdienst spielen wolle. „Bei dem Gedanken ist mir natürlich erst einmal mulmig zumute gewesen. Aber der Pfarrer hat mir so viel Mut gemacht, dass ich mich getraut habe“, erzählt Gesen. Dass der Organist in Lastrup nicht unsichtbar hinter der Gemeinde, sondern für alle Besucher sichtbar seitlich über dem Pastor thront, mag das Lampenfieber noch erhöht haben.

Erster Auftritt im März 2006

Seinen ersten Auftritt hatte Gesen im März 2006 an einem Donnerstag um 8 Uhr; die Musikauswahl wurde auf das Repertoire des Anfängers zugeschnitten. Alles klappte. Von da an spielte er zirka einmal die Woche.

Bis heute übt er jedes neue Stück sehr sorgfältig, denn der Auftritt vor der Gemeinde sei tückisch. „Wenn ich mich um einen Ton vergreife, hört das in der Kirche jeder Laie“, erklärt der Student. Außerdem spiele er an der Orgel nicht für sich. „Die Leute müssen mitsingen können. Tempo und Einsätze müssen genau passen.“

Schwierige Einsätze

Die Einsätze seien das Schwierigste. „Als Organist achte ich im Gottesdienst viel intensiver auf jedes Wort und jede Bewegung des Pastors, um zu wissen, wann ich dran bin. Pausen sollte es schließlich nicht geben.“ Damit das möglichst immer klappt, hängt in der Lastruper Kirche neben der Orgel ein Spiegel, mit dem der Organist den Pfarrer im Blick hat, ohne sich umdrehen zu müssen.

Nach einigen gelungenen Versuchen unter der Woche durfte Gesen bereits zwei Monaten nach seinem Debüt ein Hochamt begleiten. Rund die Hälfte des Sonntagsgottesdienstes wird dabei mit Musik bestritten. Aus den üblichen sechs Titeln werden neun; dazu kommen Ein- und Auszug, Begleitung bei der Kommunion, beim Vaterunser und dem Glaubensgeheimnis. Den Ostergottesdienst durfte er bereits im Jahre 2007 begleiten: „Die Ostermesse ist der musikalische Höhepunkt des Jahres. Da kann man alle Pfeifen öffnen“, so Gesen.

Keine Zeit zum Üben

Klausuren, Praktika und Laboraufenthalte an seinem Sudienort Oldenburg: Zurzeit hat der 21-jährige keine Zeit zum Üben. Doch auf einen Auftritt freut er sich besonders. Am 4. Oktober verabschiedet die Gemeinde Pfarrer Wittrock. Neben den Auftritten der Landjugend und eines Chores wollen auch alle vier Organisten mindestens einen Titel spielen. Gesen: „Der Pfarrer unterstützt mich seit meiner Messdienerzeit. Wir wollen ihn gebührend verabschieden.“

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