ausführlich berichtet hat, ist der TV Cloppenburg als Nachrücker in die Dritte Liga aufgestiegen. Wie Ralf Sandmann und Maik Niehaus vom Teammanagement die neue Situation und die anstehenden Aufgaben beurteilen, sagen sie in diesem Interview, nachdem der TVC 19 Jahre nach dem Regionalliga-Abstieg in die Handball-Drittklassigkeit zurückgekehrt ist.

Frage: Herr Niehaus, Herr Sandmann, wie groß war die Freude, als sie die Nachricht erreicht hat?

Niehaus: Natürlich haben wir uns sehr gefreut. Es war allerdings auch eine Art Erleichterung zu spüren. Es ist jetzt schön, endlich Gewissheit zu haben. Schade, dass für uns ein Team verzichten musste.

Sandmann: Da ist man schon zwiegespalten, weil auch in diesen Vereinen, die freiwillig verzichten, mit viel Engagement gearbeitet wird, und diese Entscheidung nirgendwo leichtgefallen sein wird. Vor allem weil ja fast anzunehmen ist, dass die derzeitige Pandemie mitverantwortlich ist, und die Vereine für dieses Problem nichts können.

Frage: Muss alles umgeplant werden?

Niehaus: Nein, wir haben bereits seit Monaten zweigleisig geplant. Das ist Bestandteil unserer verantwortungsvollen Arbeit im Teammanagement, wozu ja nicht nur wir beiden Geschäftsführer gehören.

Frage: Alles lief auf das direkte Duell gegen Habenhausen hinaus.

Sandmann: Das wäre ein absolutes Highlight für den Handball in Cloppenburg und Bremen geworden. Wir hatten wieder die Sporthalle an der Leharstraße reserviert und waren uns ganz sicher, 2000 Zuschauer zu diesem Handball-Fest begrüßen zu können.

Frage: Dazu kam es nicht. Der Saisonabbruch mit der Einstufung auf Rang zwei war schon bitter.

Niehaus: Ja, sehr enttäuschend. Ich will aber erwähnen, dass wir Habenhausen durchaus für einen verdienten Aufsteiger halten. Deswegen haben wir auch gratuliert. Wichtig ist, dass wir es aber ebenso verdient haben. Dass wir uns Rechtsbeistand geholt haben, sollte kein Affront gegen Habenhausen und den HVN gewesen sein. Das hat mit unserer Verantwortung gegenüber Mannschaft, Sponsoren und Fans zu tun. Doppelt schön, dass die ganze Geschichte ein positives Ende genommen hat.

Frage: Das Ziel Ihrer Arbeit in den letzten Jahren war immer die 3. Liga. Sie haben das Ziel jetzt sogar ein Jahr früher erreicht.

Niehaus: Das ist richtig. Wir sind als Teammanagement angetreten, um innerhalb von fünf Jahren aufzusteigen. Dabei war der tatsächliche Aufstieg anfänglich nur ein fernes Ziel. Wir haben in den letzten Jahren vor allem an der Struktur gearbeitet. Ob es die GmbH-Gründung war, die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Fynn Holpert bei der Sponsorenakquise oder die großartigen Events vor bis zu 2000 Zuschauer. Wir wollten als Verein behutsam wachsen, um spätestens 2021 den finalen Schritt zu gehen.

Frage: Das ist jetzt in sehr spezieller Aufstieg?

Sandmann: Wir hätten so gerne mit Mannschaft und Fans ein riesiges Fest gefeiert. Der Schritt von der Oberliga in die Drittklassigkeit ist ein sehr großer. Wir gehen diesen nun in schwierigen Zeiten. Während überall die Vereine Etatkürzungen hinnehmen müssen, müssten wir unseren Etat eigentlich sogar steigern.

Wie soll das gelingen?

Niehaus: Wir haben in den letzten Wochen mit einem Großteil unserer Sponsoren gesprochen. Wir sind der Meinung, dass die 3. Liga machbar ist. Unabhängig von Corona hatten wir im Falle eines Aufstiegs mit einem ganz großen Teil unseres jetzigen Kaders geplant. Die Jungs haben das verdient, und wir sind auch der Meinung, dass sie in der 3. Liga mitspielen können.

Frage: Der TVC muss die Halle nun wechseln und an der Leharstraße spielen.

Sandmann: Schweren Herzens müssen wir höchstwahrscheinlich unsere geliebte TVC-Halle verlassen, die seit vielen Jahren bei fast jedem Heimspiel ausverkauft ist. Mit der Sporthalle an der Leharstraße haben wir natürlich tolle Möglichkeiten. Das hat man in den tollen Events gegen Aurich, Melsungen und Schwanewede gesehen. Es ist aber auch ein riesiger logistischer Aufwand, weil wir jedes Mal einen Hallenboden und auch LED-Banden einbauen müssen. Das ist bei 17 Heimspielen kaum durch ehrenamtliche Helfer aus der TVC-Familie zu schaffen.

Niehaus: Auch wenn der Zuschauerzuspruch bei den drei Spielen immer vierstellig war, der Umzug in die große Halle ist gerade durch den angesprochenen Aufwand mit hohen Kosten verbunden. Diese haben bei den bisherigen Events die Mehreinnahmen zu einem nicht unerheblichen Teil aufgefressen. Gerade deswegen sind wir in der 3. Liga auf unsere Fans angewiesen. Sandmann: Unsere Fans sind ein gutes Stichwort. Ein sehr großer Teil unserer Dauerkarten-Inhaber hat auf die Rückerstattung eines Teils der Saisonkarte, welches durch das vorzeitigen Ende möglich gewesen wäre, verzichtet und uns trotz geplanter Erhöhung der Dauerkartenpreise durch den höheren Eintrittspreis und die höhere Anzahl an Spielen eine Zusage für die kommende Saison gegeben. Da sind wir sehr stolz und auch sehr dankbar.

Frage: Herr Sandmann sie sprachen beim Umzug in die Leharstraße im Konjunktiv. Gibt es noch Hoffnung für den Verbleib in der stimmungsvollen TVC-Halle?

Sandmann: Vor der Corona-Krise war uns klar, dass wir im Falle eines Aufstiegs in die Leharstraße gehen müssen und wollen. Nun haben wir eine Ausnahmegenehmigung beantragt. Zum einen bedeutet der Umzug einen Riesenaufwand und auch eine finanzielle Belastung. Hinzu kommt, dass wir anders als in der TVC-Halle nicht alleinige Nutzer sind. Viele andere Events, wie zum Beispiel der Drittliga-Volleyball oder andere traditionelle Großevents sind dort beheimatet. Noch steht kein Spielplan fest. In einem Zeitungsinterview hat der Spielwart der 3. Liga Andreas Thiemann gerade von verschiedenen Szenarien für den Saisonstart gesprochen. Hier ist viel von den behördlichen Entscheidungen abhängig. Eigentlich müssten wir erst einmal für jedes Wochenende die Halle blocken. Das geht natürlich nicht und würde für viel Unmut sorgen. Eine Ausnahmeregelung würde uns in der aktuellen Situation extrem entgegenkommen. Wir würden dann in der Saison in beiden Hallen spielen und wären flexibler.

Frage: Durch den zu erwarteten vermehrten Abstieg ist ein schwieriges Jahr zu erwarten.

Niehaus: Wir trauen es unseren Jungs – unabhängig von der Anzahl der Absteiger – zu, die Liga zu halten. Unsere Leistungen der vergangenen Saison gehören in die 3. Liga. Wir vertrauen unseren Spielern und trauen jedem Einzelnen den Schritt in die Drittklassigkeit zu. Umfeld, Sponsoren und Fans werden ein Gespür dafür haben, dass es kein leichtes Jahr werden wird.

Frage: Und wenn für viele weitere Monate wegen der anhaltenden Pandemie keine Zuschauer zugelassen werden?

Sandmann: Das wäre natürlich fatal. Handball beim TVC lebt seit vielen Jahrzehnten von extrem vielen Emotionen in der engen und immer proppenvollen Halle. Unsere TVC-Halle ist gefürchtet und auch die Spiele in der Leharstraße standen diesem in Nichts nach..

Niehaus: Wir haben auf unseren Teammanagementsitzungen, die nur noch als Videokonferenz ablaufen, verschiedene Szenarien bereits durchgespielt. Die vielen Unbekannten machen wenig planbar. Gut ist, dass wir mit der Gründung der GmbH einen wichtigen Schritt zur Risikominimierung gegangen sind. Das entlastet den TVC-Gesamtverein, nimmt Risiken und stellt uns sicherer auf. Trotzdem gibt es Szenarien, die für Probleme sorgen werden. Darauf muss man dann reagieren. Aber diese Ungewissheit gilt nicht nur für uns. Auch die anderen Vereine müssen mit diesem Risiko leben.

Sandmann: Ich bin mir aber sicher, dass wir auf unsere Mannschaft zählen können. Wir arbeiten da sehr transparent. Das werden die Spieler honorieren. Die Mannschaft will in der 3. Liga spielen und weiß, welche Risiken Verein und GmbH im Worst-Case zu bewältigen haben.

Frage: Wie wird der TVC in der kommenden Saison abschneiden?

Sandmann: Zu allererst wünschen wir uns, dass die Pandemie eine halbwegs normale Saison zulässt. Wir freuen uns auf viele neue Gegner, die wir auf stimmungsvollen Reisen besuchen dürfen, und die zu uns ins Oldenburger Münsterland kommen werden.

Niehaus: Sportlich hoffen wir, dass wir an die tollen Leistungen aus dieser Saison anknüpfen können, und hoffen, dass wir mit dem Abstieg nicht viel zu tun haben.

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