GALGENMOOR Nein, dass er Talent hat, war schon damals nicht zu übersehen. Aber in welch schwindelerregende Höhen ihn sein Weg noch führen würde, konnte ja niemand ahnen. Im Mai 2000, als Novak Djokovic auf der Tennisanlage Blau Weiß Galgenmoors groß aufspielte. Der inzwischen 24 Jahre alte Serbe, der sich vor einer Woche den Wimbledon-Titel und Platz eins der Weltrangliste gesichert hat, war mit der Jugoslawischen Jugendnationalmannschaft zu einem Vergleich mit einer niedersächsischen Auswahl in dem Cloppenburger Stadtteil angetreten.

Und schon damals hatte er die Zuschauer beeindruckt. „Er war einen Kopf kleiner als die anderen, hat sich aber gut behauptet“, sagt Ingo Antons (31), Trainer und Spieler des Galgenmoorer Landesliga-Teams. Er hatte genau hingeschaut, als der damals Zwölfjährige seine gefürchtete Vorhand durchgezogen hatte. „Er war damals technisch schon sehr gut.“ Und vor allem war er schon sehr weit. Schließlich gehörte er bei dem Vergleichs-Wettkampf, den der damalige Galgenmoorer Trainer Vlada Kolaric organisiert hatte, zu den jüngsten Spielern. Die meisten Spieler und Spielerinnen waren im Alter von 14 bis 17.

Deutschland kannte Nole, wie der Serbe genannt wird, trotz seines jungen Alters damals schon gut. Seit zwei Monaten trainierte er bereits in der Tennis-Akademie des Kroaten Niki Pilic in München. Der ehemalige Davis-Cup-Kapitän Deutschlands war es dann auch, der schon Jahre vor dem Gipfelsturm des schmächtigen Serben voraussagte, dass er mal die Nummer eins werden würde.

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Dass Djokovic mal der beste Tennisspieler der Welt werden würde, war im Jahr 2000 noch nicht abzusehen – dafür aber, dass er einer der beliebtesten werden würde. „Er hat einen sehr sympathischen Eindruck auf mich gemacht“, sagt Antons. „Und sympathisch ist er ja immer noch.“

Die Beliebtheit des Belgraders gründet aber nicht nur auf dessen bescheidenem Auftreten. In den Jahren nach dem Gastspiel in Galgenmoor hat Djokovic erstaunliche Entertainer-Qualitäten entwickelt. Immer wieder imitierte er zur Freude des Publikums erfolgreiche Kollegen wie Pete Sampras (USA) oder Rafael Nadal (Spanien).

Aber nicht nur sein komödiantisches Talent entwickelte sich. Sieben Jahre nach seinem Gastspiel in Galgenmoor, im Jahr 2007, feierte Djokovic seinen Durchbruch. Nachdem er bei den French Open und in Wimbledon bis ins Halbfinale vorgedrungen war, zog er bei den US Open ins Endspiel ein – wo er dann aber Roger Federer in drei Sätzen unterlag.

Und der Schweizer war es auch, der Djokovic zunächst zusammen mit dem Spanier Nadal den Weg an die Spitze verbaute. Zwar gewann Nole, der auch schon mal Djoker genannt wird, im Jahr 2008 sein erstes Grand Slam-Turnier. Aber nach dem Erfolg bei den Australian Open gegen Überraschungsfinalist Jo-Wilfried Tsonga musste er drei Jahre auf seinen zweiten Grand Slam-Titel warten. Drei Jahre, in denen sich Federer und Nadal an der Weltranglisten-Spitze abwechselten. Erst mit dem Beginn dieses Jahres machte Djokovic aus dem Duell einen Dreikampf. Mit seinem zweiten Sieg bei den Australian Open und einer beeindruckenden Erfolgsserie (43 Siege in Folge insgesamt, davon 41 im Jahr 2011), die erst im Halbfinale der French Open gegen Federer riss, brachte er sich in Stellung.

Mit dem Finaleinzug in Wimbledon erklomm er dann tatsächlich den Tennisgipfel. Und dass er zurecht über allen anderen Tennisspielern thront, bewies er mit seinem Vier-Satz-Sieg im Finale gegen Nadal.

Erfahrungen wie vor elf Jahren in Galgenmoor macht Nole jetzt nur noch selten. Gegen die niedersächsische Auswahl, in der auch die spätere Weltklassespielerin Anna-Lena Grönefeld aus Nordhorn stand, zog sein Team mit 4:6 den Kürzeren. Immerhin, er selbst hatte den talentierten Malte Oetken aus Lilienthal in drei Sätzen bezwungen. Er war eben schon damals ein bisschen besser – selbst als die Spieler, die zu den besten gehörten.

Steffen Szepanski Lokalsport / Redaktion Münsterland
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