Edewechterdamm Im Jahr 1957 sorgten die Fußballer vom TuS Edewechterdamm für Furore. Die Jungs von Trainer Rudi Lange brachten im damaligen Bezirkspokalwettbewerb die höherklassige Konkurrenz reihenweise zu Fall.

Vereinslied: „In E´damm am Kanale“

Laut einer TuS-Chronik textete P. Hartung das Vereinslied „In E´damm am Kanale“. Hier ist der Text dazu:

In E´damm am Kanale am schönen Moorestrand, da liegt mein Heimatdörfchen wird Edewechterdamm genannt. Da wächst in großen Mengen der beste schwarze Torf, und Schweine, Speck und Schinken gibt´s auch in unserem Dorf.

Im Sommer blüht die Heide für Imker rosenrot, im Winter schießt der Jägersmann all unsere Hasen tot. Mein Edewechterdamm soll leben blühn, wachsen und gedeihn, und dreimal hoch soll leben der Turn- und Sportverein.

Am Ende hatte der Bezirksklassist sogar den Pokal gewonnen. Manche sprachen von einem Pokalwunder, andere wiederum sprachen ehrfürchtig vom „Pokalschreck TuS Edewechterdamm“. Unsere Redaktion hat sich auf die Spuren jenes Erfolges begeben, und mit den letzten drei noch lebenden Akteuren aus der damaligen Endspielmannschaft gesprochen.

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Im Vereinslokal Duhme die Nacht zum Tag gemacht

Auf Zufall basierten die Erfolge des TuS nicht, wie uns der damalige TuS-Rechtsaußen Richard Klose versichert. Klar, sei seine Mannschaft von vielen Gegnern unterschätzt worden. „Aber wir hatten auch eine starke Mannschaft und waren konditionell sehr gut drauf“, erinnert sich Klose. Seine Kondition holte sich Klose auf dem Drahtesel. Er fuhr jeden Tag von Edewechterdamm nach Oldenburg, wo er als Maurer tätig war. „Bei Wind und Wetter bin ich gefahren. Ein Auto hatte damals keiner in unserer Mannschaft“, so Klose. Er ist 85 Jahre alt.

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Mit dem Rad unterwegs

Die gleiche Strecke absolvierte auch der damalige TuS-Fänger Werner Bastian. Er absolvierte eine Ausbildung als Autoschlosser in der Huntestadt. Er fuhr ebenfalls mit dem Rad. Bastian, heute 84 Jahre alt, debütierte bereits mit 17 Jahren bei den ersten Herren. Bastian schwärmt vom damaligen Mannschaftsgeist des TuS: „Wir waren ein verschworener Haufen. Wenn wir verloren hatten, haben wir alle verloren.“

In die gleiche Kerbe schlägt auch Gerd Ulpts. Er spielte damals linker Läufer. „Unsere große Stärke war sicherlich die gute Kameradschaft. Auch die Zuschauer standen immer hinter uns“, betont Ulpts. Wenn an jedem zweiten Sonntag die Heimspiele anstanden, war der ganze Ort auf den Beinen, fügt Ulpts hinzu. Es seien schöne Zeiten gewesen, die er nicht missen möchte.

Der damalige Sportplatz des TuS existiert nicht mehr. „Der ist schon lange weg. Da stehen jetzt Häuser drauf“, erzählt der 85-jährige Ulpts. Da wo heute Häuser stehen, ging früher in Sachen Fußball die Post ab. Fällt das Stichwort „Bezirkspokal 1957“, gibt es viel zu erzählen.

„Dass wir damals den Pokal holten, daran hat doch keiner geglaubt“, sagt Klose. Die damaligen Gegner wohl auch nicht. Darin sind sich alle Gesprächspartner einig, dass die Gegner egal, ob sie Victoria Oldenburg, Roland Delmenhorst oder BV Cloppenburg hießen, doch ein Stück weit überheblich agierten. „Viele Teams dachten, sie fahren nach E´damm, hauen uns die Bude voll und reisen wieder ab. Doch am Ende waren sie es, die von uns einen auf die Mütze bekamen“, erinnert sich Klose und lacht.

Schnell war allen Experten klar, dass der TuS Edewechterdamm ein Gegner war, der nicht nur über starke Spieler verfügte, sondern auch mit seinem Heimvorteil auftrumpfte. „Viele Mannschaften waren schon irritiert gewesen, wenn sie anreisten. Umgezogen wurde sich im Vereinslokal Duhme und nach dem Spiel wurde ein Eimer Wasser hingestellt und dann konnte man sich Waschen“, erinnert sich Klose. Mit dieser Art kamen nicht viele Gegner klar, berichtet Ulpts, als er auf die Sache mit den Waschmöglichkeiten angesprochen wurde. Viele höherklassige Gegner versuchten daher, mit dem TuS das Heimrecht zu tauschen. Daran erinnert sich Bastian. Ein Verein, der einen Unternehmer als Gönner hatte, lockte nicht nur mit einer Geldsumme, sondern er versprach auch, alle E´dammer per Bus zum Spielort zu kutschieren. Ein verlockendes Angebot. „Aber wir lehnten ab“, so Bastian.

„Dampfmacher“

Auch die TuS-Spielvorbereitung sorgte bei so manchem gegnerischen Akteur für Stirnrunzeln. So ließen sich die Spieler vom SC Nordenham vor ihrem Gang aufs Feld erstmal von einem Masseur durchkneten. „Bei uns lief das anders ab. Wir zogen uns um, liefen auf den Platz und los ging es“, erinnert sich Ulpts. Dabei erzählt man sich gerne die Anekdote über den Linksverteidiger Herbert Hengstenberg. „Er rauchte immer vor jedem Spiel noch eine Zigarette. Davon konnten wir ihn einfach nicht abbringen“, erzählt Bastian und lacht.

„Der Dampfmacher“ war nicht hinderlich gewesen. Am Ende des Spiels gegen den SCN hieß es 6:2 für den TuS. Damit war der Finaleinzug geschafft. Im Endspiel am 19. Mai 1957 ging es für den TuS daheim gegen den Amateuroberligisten BV Cloppenburg. Zu dieser Partie pilgerten über 2000 Zuschauer. Es herrschte ein großer Trubel. „Jüst at bi´n Länderspill!“, sagten seinerzeit die Leute.

Die Cloppenburger reisten als Titelverteidiger an. Dabei lief es für die Gäste gut an. Sie führten zur Halbzeitpause 2:1. Nach dem Seitenwechsel drückte der TuS mächtig auf die Tube. Der starke Oskar Förster erzielte den wichtigen Ausgleich (58.). Für den BV Cloppenburg kam es anschließend knüppeldick. Der Torhüter Josef Gertzen kugelte sich den Arm aus und konnte nicht mehr weiterspielen (65.).

TuS-Hexenkessel

Für ihn ging der Feldspieler Erhard Sternberg ins Tor, weil seinerzeit nicht ausgewechselt werden durfte. Zwölf Minuten hielt Sternberg seinen Kasten sauber, dann bezwang ihn Werner Schiller zum 3:2. Sieben Minuten vor Schluss erhöhte Alrich Kruse auf 4:2. Der Jubel bei den TuS-Anhängern kannte keine Grenzen mehr. Das Ding schien gelaufen.

Zumal der BVCer Müller in der 85. Minute vom Platz geflogen war. Aber neun Cloppenburger steckten im TuS-Hexenkessel nicht auf. Tiemann verkürzte zwar noch auf 3:4 für den BV Cloppenburg. Was beim Abpfiff passierte, schilderte die Nordwest-Zeitung mit diesen Worten: „Beim Abpfiff fielen sich elf überglücklichen Edewechterdammer jubelnd in die Arme. Auf den Schultern ihrer Vereinskameraden wurden sie vom Platz getragen.“

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