Landkreis Cloppenburg
Mikroplastik-Alarm – Grüne gegen Bau von Kunstrasenplätzen

Ökologisches Eigentor? Jährlich gelangten 8000 Tonnen Plastikteilchen allein durch Kunstrasen-Fußballplätze in die Umwelt. Das sei 20-mal mehr, als durch Wasch-, Pflege- und Reinigungsmittel freigesetzt werde. Trotzdem will der Landkreis 15 Kunstrasenplätze mit Millionen bezuschussen.

Bild: Patrick Seeger/dpa
Kunstrasenplätze verursachen viel Mikroplastik (Symbolbild).Bild: Patrick Seeger/dpa
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Cloppenburg Der Kreisvorstand der Cloppenburger Grünen spricht sich gegen das vom Kreistag beschlossene Sonderprogramm zur Förderung von Kunstrasenplätzen (NWZ berichtete) aus. Danach sollen in den nächsten fünf Jahren kreisweit 15 Fußball-Spielfelder mit circa neun Mio. Euro aus öffentlichen Mitteln bezuschusst werden. Hier werde „ein Fass ohne Boden“ aufgemacht, heißt es in einer am Sonntag veröffentlichten Pressemitteilung.

Denn erstens werde es kaum bei diesen 15 Plätzen bleiben, sondern es entstünden weitere Begehrlichkeiten. Zweitens folgten bei einer Lebensdauer von 12 bis 15 Jahren nach kurzer Zeit erneut erhebliche Investitionen, deren Finanzierung ungeklärt sei. Drittens seien die Kostenträgerschaft für Pflege- und Erhaltungsaufwand sowie die Entsorgung weitgehend ungeklärt, so die Grünen.

Bei allem Verständnis für das Interesse der Vereine, ganzjährig bespielbare Plätze zu erhalten, dürften aber insbesondere die Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit nicht verschwiegen werden. Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts hätten in einer Studie zur Verbreitung von Kunststoff in der Umwelt nachgewiesen, dass jährlich 8000 Tonnen Plastikteilchen allein durch Kunstrasen-Fußballplätze in die Umwelt gelangten. Das sei 20-mal mehr als durch Wasch-, Pflege- und Reinigungsmittel in deutschen Haushalten freigesetzt werde. „Verwehungen von künstlichen Sport- und Spielplätzen“ seien neben dem Reifenabrieb als Hauptverursacher für die Verbreitung von primärem Mikroplastik in Deutschland anzusehen, heißt es in der Pressemitteilung. Neben den künstlichen Polyethylen-Halmen selbst sei das im Unterbau verwendete Granulat problematisch, dass in der Regel aus geschredderten Pkw- und Lkw-Altreifen hergestellt werde.

Der wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages – so die Grünen – weise darauf hin, dass diese Granulate aus Styrol-Butadien-Kautschuk bestünden, denen oft Weichmacheröle und Ruß beigefügt würden. 40 bis 100 Tonnen dieses Granulats könnten auf einem Fußballplatz liegen. Nach in Schweden und Norwegen vorgenommenen Untersuchungen würden jährlich fünf bis zehn Prozent herausgelöst und müssten durch neues Füllmaterial ersetzt werden.

Die Grünen verweisen auf die zunehmende Belastung und Gefährdung durch Mikroplastik in der Umwelt und fordern Alternativen: So habe man etwa im westschwedischen Göteborg Konsequenzen gezogen und wolle das bisherige Einstreumaterial umweltfreundlich durch solches auf Basis von Kork oder Kokosnussschalen ersetzen.

„Solange derartige Alternativen im Landkreis Cloppenburg nicht einmal ernsthaft diskutiert werden, muss man das Förderprogramm schon aus ökologischen Gründen ablehnen“, so der Kreisvorstand der Grünen.

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