Cloppenburg Wenn Eede den Ball klaut, freut sich der Kommissar. Und der schießt an manchen Nachmittagen so oft, dass man schnell in Deckung gehen sollte. Wenn dagegen der Eisvogel in den letzten Jahren geschossen hat, kam es durchaus mal vor, dass der Goldfisch parierte. Und wenn Fischi gut drauf ist, profitiert unter anderen Struppi davon. Natürlich geht es hier nicht um einen Krimi, eine Tierdoku oder einen Comic, sondern um Fußball. Im deutschen Volkssport Nummer eins sind Spitznamen mindestens so verbreitet wie bunte Schuhe oder extravagante Jubelposen. Da verwundert es nicht, dass auch die Spielerinnen und Spieler im Landkreis Cloppenburg so manchen kuriosen Spitznamen vorweisen können.

„Eede habe ich als Eede kennengelernt, wahrscheinlich wusste ich zuerst gar nicht, dass sie eigentlich Nadine heißt“, erinnert sich Tanja Schulte, Trainerin der BVC-Fußballerinnen, an ihre ersten Begegnungen mit Innenverteidigerin Nadine Luker im Jahr 2010. „Nadine wird bei uns ganz selten gesagt, da muss es schon um ein ganz ernstes Thema gehen“, sagt Schulte und lacht.

Anders als bei den meisten Spitznamen ist Eede nicht einfach von Lukers eigentlichem Namen abgeleitet wie bei ihrer Mitspielerin Shelly (Michelle Meyer), bei Schaubi (Michael Schaubert, BV Essen), Weste (Kristian Westerveld, BV Cloppenburg) oder KvH (Kevin von Handorf, SV Altenoythe). Eede geht auf das Jahr 2008 und im Grunde sogar auch noch auf die 1950er-Jahre zurück.

„Als die Höltinghauser Spielerinnen damals zum BVC gekommen sind, hatten sie alle schon Spitznamen. Da sollte ich auch einen bekommen“, erzählt Luker. „Mir ist keiner eingefallen, aber ein paar meiner Mitspielerinnen haben zu der Zeit gerne die Immenhof-Fernsehserie geschaut. Und da gab es einen Ethelbert. So wollten sie mich nennen, aber das war dann doch zu lang. Also wurde daraus Eede.“

Wobei das zweite E vor dem D durch einen Schreibfehler hinzukam. Dennoch haben sich ihre damaligen Mitspielerinnen Christina Kokenge, Daniela Diers und Katrin Meckelnborg mit der Namensgebung in Erinnerung an die 50er-Jahre Pferde-Serie im Leben von Nadine Luker verewigt. Schließlich sagt inzwischen sogar schon ihr Bruder Eede zu ihr. Und bei Facebook haben sich schon öfter Bekannte gewundert, dass sie Eede Luker nicht finden konnten.

Finden konnte Stefan Derrick früher alle, vor allem alle Mörder. Der Polizist aus der erfolgreichen Freitagabend-Fernsehserie lockte jedes Mal Millionen Zuschauer vor den Bildschirm.

Kein Wunder also, dass Derrick Ampofo nach seinem Wechsel zum BV Cloppenburg von Co-Trainer Torsten Bünger schon bald Kommissar genannt wurde. Ein Kommissar, der sich natürlich darüber freut, wenn seine Vereinskollegin Nadine Eede Luker den Ball klaut, also erobert. „Halt“, dürfte bei dem Spitznamen Kommissar aber so mancher Derrick-Fan rufen. Der Fernseh-Polizist war doch Oberinspektor . . .

Und der hätte sicher herausgefunden, wie Maik Koopmann zu seinem Spitznamen Goldfisch gekommen ist. Der ungewöhnliche Name des früheren Torhüters und jetzigen Torwarttrainers des Bezirksligisten SV Altenoythe, der auch Big Maik genannt wird, soll auf einen Artikel in der NWZ aus dem Februar 2016 zurückgehen.

Ganz sicher auf einen Text in der Nordwest-Zeitung zurückzuführen ist die Bezeichnung Eisvogel für Stephan Krause vom Bezirksligisten SV Höltinghausen. Der Stürmer hatte im September 2015 im Derby beim TuS Emstekerfeld (3:3) dank seiner Schnelligkeit und Abgebrühtheit zweimal eingenetzt und sich damit seinen Spitznamen auf dem Feld verdient.

Auf dem Feld statt im Wasser ist auch Fischi gefordert. Der Spitzname von Vanessa Fischer, Torhüterin der Zweitliga-Fußballerinnen des BV Cloppenburg, ist natürlich von ihrem Nachnamen abgeleitet. Glanzleistungen von Fischi wünscht sich Struppi immer wieder. Schließlich spielt Sarah Geerken als Innenverteidigerin direkt vor Fischer, die statt Fische Bälle fängt. Geerken kam zu ihrem Namen, weil ihre Haare nach dem Durschen immer erst einmal struppig aussehen und in Anlehnung an den Hund aus „Tim und Struppi“, wie ihre Mitspielerin Lisa Josten verrät.

So soll dann auch Jostens Spitzname nicht geheim bleiben: Buddy heißt sie, genau wie ihre Teamkameradin Anna Johanning. Beide hatten während Jostens erster Zeit beim BVC viel zusammen unternommen und waren richtig dicke Kumpel, also Buddys, geworden.

Beide Fußballerinnen spielen beim BVC mit Sportlerinnen aus mehreren anderen Ländern zusammen. Müssten sie diese Spielerinnen auf dem Feld mit ihren eigentlichen Namen ansprechen, würde ihnen wohl ein Knoten in der Zunge drohen. Vielleicht wäre die Spiel-Situation auch längst vorbei oder der Ball weg, weil sie sich zu sehr auf die Aussprache des Namens konzentrieren mussten. So wurde zum Beispiel aus Agnieszka Winczo in Anlehnung an ihren Vornamen kurz und knapp Aga.

Ganz anders kam Volker Kliefoth zu seinem Spitznamen. Ihm erging es ähnlich wie dem Sportdirektor von Borussia Dortmund, Michael Zorc. Der Borusse wurde schon zu Spielerzeiten wegen seiner schulterlangen Haare Susi genannt. Auch Kliefoth, der zusammen mit Salih Darilmaz den Bezirksligisten TuS Emstekerfeld trainiert, hat einen weiblichen Spitznamen abbekommen: Ihn nennen die wenigsten Volker, stattdessen wird er häufig Wiebke gerufen.

Sein Bruder Torsten brachte diesen Spitznamen bereits zu Jugendzeiten in Umlauf. „Unsere Mutter hat uns einmal verraten, wie wir geheißen hätten, wenn wir Mädchen geworden wären. Für Volker hatte sie den Namen Wiebke vorgesehen. So nahm dann alles seinen Lauf“, erzählt Torsten und lacht. Mit den Jahren verselbstständigte sich dann der Spitzname Wiebke.

Volker Kliefoth kann mit dem Spitznamen gut leben, Michael Zorc soll zumindest zeitweise so seine Probleme mit dem Namen Susi gehabt haben, dem ihm einst Rolf Rüssmann, verstorbener Profi-Fußballer und Manager, gegeben hat. Überhaupt finden sich bei den Fußballern im Landkreis Cloppenburg kaum Spitznamen, die den Betitelten ärgern sollen, wie etwa im Profibereich bei Andreas Möller (Heintje, Heulsuse), Lothar Matthäus (Loddar), Matthias Sammer (Motzki) oder Jürgen Klinsmann (Diver).

Die Spitznamen sind bei den Sportlern im Landkreis Cloppenburg selten eine Spitze gegen den Mitspieler, sondern meist eher Ausdruck des kumpelhaften, lockeren Umgangs miteinander. Fußball ist halt ein Spiel – da verwundert es nicht, wenn auch der Umgang mit den Namen spielerischer Natur ist . . .

Steffen Szepanski Lokalsport / Redaktion Münsterland
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