Cloppenburg Elf Tage nach der Handball-EM ist Christian Prokop (41) nicht mehr Bundestrainer, sein Nachfolger seit Donnerstag ist der 59-jährige Alfred Gislason, reichlich dekoriert mit vielen Titeln, die er zwischen 2008 und 2019 mit dem THW Kiel erreicht hat. Wie steht die heimische Trainer-Gilde zu dieser Entwicklung – die NWZ fragte nach.

Kam der Trainerwechsel überraschend?

Für Barna-Zsolt Akacsos (TV Cloppenburg, Männer) kommt der Wechsel überraschend, sei die Art und Weise „mies gelaufen“. Auch für Theo Niehaus (TV Cloppenburg, Frauen) sei es „keine runde Geschichte gewesen“, wie dieser Austausch vorgenommen wurde. Sportlich logisch findet den Wechsel Michael Siemer (HSG Friesoythe): „Ich war noch nie ein Prokop-Fan. Er hat im EM-Spiel gegen Kroatien zu lange an Julius Kühn festgehalten, der nichts gebracht hat.“ Kerstin Wichmann (SV Höltinghausen) hält den Wechsel sportlich gesehen für nachvollziehbar. „Ich mochte aber Prokops Verhalten, der sehr menschlich, sachlich und sympathisch rüberkam und nicht alles falsch gemacht hat. Aber wenn die sportlichen Erfolge fehlen . . .“ Für Christian Wilhelm (HSG Friesoythe, Männer) lief es bei der EM vor allem deshalb nicht, weil Prokop die Abwehrformation zu häufig wechselte. „Das passte dann in wichtigen Phasen des Spiel nicht“, so Wilhelm, der sich als starker Kritiker Prokops bezeichnete.

War diese Entscheidung richtig?

Für Stefan Stratmann (HSG Friesoythe, Frauen) ist aus sportlicher Sicht die Entscheidung richtig gewesen. „Aber man darf nicht vergessen, dass Prokop durch die vielen Ausfälle im Vorfeld quasi eine B-Auswahl bei der Europameisterschaft am Start hatte.“ Siemer, als Anhänger des THW Kiel verfolgt er die Karriere von Gislason schon lange. „Er ist ein sehr guter Stratege und für die wichtige Olympia-Qualifikation im April in Berlin der richtige Trainer.“ Akacsos stellt die große Bekanntheit und die vielen Erfolge Gislason (sechs Meisterschaften und sechs Pokalsiege, zweimal Champions-Gewinner und Gewinner des EHF-Cups) in den Vordergrund. „Aber ob die Erfahrungen mit Kiel auch bei einem Nationalteam richtig ankommen und umgesetzt werden können, muss abgewartet werden“, so Akacsos.

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Welche Erwartungen sind an Alfred Gislason geknüpft?

„Gislason ist eine sehr gute Lösung. Er kennt aus seiner Bundesligazeit die Spieler sehr gut, was wichtig ist, da die Vorbereitung auf die Olympiaqualifikation nur kurz ist“, sagt Wilhelm. „Da Gislason eine Ikone im Handball ist, dürfte er hohe Akzeptanz bei den Spielern haben. Ob er das Nationalteam weiter entwickeln kann, woran es zuletzt gefehlt hat, muss abgewartet werden“, sagt Niehaus.

Gibt es außer Christian Prokop noch einen großen Verlierer?

Darin sind sich alle Trainer einig, dass der Deutsche Handball-Bund kein gutes Bild abgegeben hat. „Bob Hanning muss sich stark hinterfragen, schließlich hat er Prokop damals von Leipzig losgeeist“, sagt Siemer und kritisiert den DHB-Vize-Präsidenten. Ihm werfen alle Befragten vor, das Österreich-Spiel quasi zur Vertrauensfrage gemacht zu haben, Prokop danach das Vertrauen ausgesprochen zu haben, ehe plötzlich Gislason signalisierte, als Nationaltrainer zur Verfügung zu stehen.

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Jürgen Schultjan Lokalsport / Redaktion Münsterland
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