Cloppenburg Der damalige Handball-Nordseeligist TV Cloppenburg arbeitete im Jahr 1983 an einer ganz großen Sache. Mit einer Reihe von Topspielern sollte in der Saison 1983/84 die Meisterschaft anvisiert werden. Als Königstransfer sollte Jerzy Klempel vom Erstligisten Frisch Auf Göttingen verpflichtet werden. Der Top-Torjäger, der laut NWZ vom 13. Mai 1983 in jenen Tagen in Liga eins ein Jahresgehalt von 100 000 Mark einstrich, schien schon so gut wie sicher, beim TVC zu sein. Zudem war der Verein an Harry Keller von den Reinickendorfer Füchsen dran. Ein Mäzen hatte es möglich gemacht, dass der Oberligist um die Gunst dieser Hochkaräter buhlte.

Name hat Klang

„Der Wechsel von Klempel zerschlug sich im letzten Moment. Doch der Wechsel von Keller klappte“, erinnert sich Cloppenburgs damaliger Abwehrspieler Theo Niehaus zurück.

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Der Name Keller hatte Klang. Er wechselte 1983 als 26-maliger A-Nationalspieler nach Cloppenburg. Zudem hatte er zwei Jahre zuvor mit dem TuS Nettelstedt den Europapokal der Pokalsieger gewonnen (17:14 gegen Empor Rostock). Auch aufgrund diverser anderer Granaten im Team wie Frank von Häfen, Axel Pries und Co. galten die Cloppenburger für viele Kenner der Szene als Meisterschaftsfavorit Nummer eins.

Zudem glänzte die Truppe mit einem guten Teamgeist. Von Neid war auch keine Spur gewesen, als es hieß, dass Keller kommt. Zumal jener Keller sich als ein Typ ohne Starallüren präsentierte. „Bei Harry gab es keine Spur von Arroganz. Im Gegenteil, er hat sich sofort auf Anhieb integriert“, erinnert sich der damalige TVC-Torhüter Heinz Sauerland. Sauerland hatte Keller erst noch Kurzem getroffen und mit ihm über die alten Zeiten geplaudert. „Der Bursche hat sich in den vergangenen 36 Jahren kaum verändert“, so Sauerland.

Keller, damals 28 Jahre alt, gab sein Wissens- und Erfahrungsschatz auch an seine Mitspieler weiter. So zum Beispiel an den seinerzeit 23 Jahre alten Theo Niehaus. Dieser hatte sich nach einer komplizierten Fußverletzung vom Torhüter zum Abwehrspieler umschulen lassen.

Niehaus: „Nach jedem Training hat er mit mir noch eine halbe Stunde eine Extraeinheit hingelegt. Und mir Tricks und Kniffe verraten, wie ich mich in der Abwehr bei gewissen Situationen am Besten zu verhalten habe. Von Harry habe ich jede Menge gelernt., Auch abseits der TVC-Halle agierte Keller nicht als Einzelgänger, sondern als ein echter Teamplayer. Wenn nach den Heimspielen der harte Kern der TVC-Anhänger in den „Briefkasten“ zur dritten Halbzeit einkehrte, tauchte später auch die komplette Mannschaft auf. „Harry konnte nicht nur erstklassig Handballspielen, er war auch ein geselliger Typ“, erinnert sich Niehaus. Davon konnte ein Mitspieler Kellers ein Liedchen trällern. Er und der Ex-Profi hatten sich in jener Saison am Abend vor einem Punktspiel ihrer Mannschaft bei Keller auf ein Bierchen verabredet.

gemütlicher Abend

Sie wollten sich gemütlich die Sportschau anschauen. Doch bei einem Bier sollte es nicht bleiben. Als die Kultsendung zu Ende war, wollte Kellers Mitspieler aufstehen, um nach Hause zu schlendern. „Nix da, an einem Samstagabend schaut man die Sportschau und danach noch das aktuelle Sportstudio“, sagte Keller zu seinem abmarschbereiten Kollegen.

Dieser knickte ein, und man gönnte sich noch die Sendung im Zweiten Deutschen Fernsehen. „Selbstverständlich“ mit dem einen, oder anderen Kaltgetränk dabei. Der Abend verging, und schwuppdiwupp stand der Spieltag vor der Tür.

Und im TVC-Team standen Keller und sein Sofagenosse mit einem ordentlichen Brummschädel auf dem Hallenparkett. Dementsprechend dürftig war ihre Leistung gewesen, und es stand nicht gut um den TV Cloppenburg an jenem Tag.

Wenige Sekunden vor Schluss stand es Unentschieden. Dann bremste die Cloppenburger Abwehr den gegnerischen Angriff aus. Der Ball landete bei Keller. Dieser reagierte blitzschnell und warf den Ball über den viel zu weit vor seinem Kasten stehenden Torhüter der gegnerischen Mannschaft hinweg ins Tor. Das war der Siegtreffer. Zugleich drehte sich Keller zu seinem völlig irritiert dreinschauenden Zechkumpanen und sagte mit einem breiten Grinsen im Gesicht: „So spielt man mit Studenten.“

kultstatus

Keller erlangte unter den Fans des TV Cloppenburg und auch den Spielern schnell Kultstatus, der bis heute anhält. Dabei schaffte es der TV Cloppenburg am Ende nicht, die anvisierte Meisterschaft einzufahren. „Kleinigkeiten gaben den Ausschlag. Wenn ich mich recht erinnere, wurden wir aufgrund des schlechteren Torverhältnisses Zweiter“, so Sauerland.

Zudem hatten die Cloppenburger in jener Saison auch mit Verletzungspech zu kämpfen gehabt. Somit musste sich Thomas Läsche einer Operation am Bein unterziehen und Heinz-Werner Lübbe riss das Innenband im Knie. Auch Harry Keller erwischte es. Er zog sich einen Bruch des Mittelhandknochens zu und fiel rund sechs Wochen aus. „Die Ausfälle waren natürlich bitter für uns“, erinnert sich Sauerland.

zu Turu Düsseldorf

Doch Vizemeisterschaft hin, Vizemeisterschaft her. Die Saison bleibt Niehaus in einer sehr guten Erinnerung. „Das hat riesengroßen Spaß gemacht, mit einem echten Typen wie Harry zusammengespielt zu haben“, so Niehaus. Keller spielte ein Jahr beim TV Cloppenburg, dann verließ er den Verein. „Harry wechselte zu TuRu Düsseldorf, wo er unter Horst Bredemeier trainierte“, weiß Niehaus zu berichten.

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