Cloppenburg Das Feuer brennt noch in ihm, keine Frage. Wenn Wolfgang Steinbach über Fußball spricht, redet er sich schnell mal in Rage. Dass kaum noch ausgebildet werde, regt ihn auf, und dass den Vereinen, die ausbilden, die Spieler anschließend weggeschnappt würden.

„Es werden doch nur noch fertige Spieler gekauft. Der Fußball ist nicht mehr so wie vor 20 Jahren“, meint der 64-Jährige. Und doch, ganz ohne Fußball geht es eben auch nicht. „Ich war jetzt ein Jahr ohne Fußball und habe gemerkt: Da fehlt doch was.“ Dies ist aber nur einer der Gründe, warum „Maxe“ Steinbach die alles andere als einfache Aufgabe als Trainer des Oberliga-Absteigers BV Cloppenburg übernimmt. Bei einem Verein, dem vor Kurzem noch im Jahr seines hundertsten Geburtstags die Insolvenz drohte. Bei einem Club, der schon wieder einen Notvorstand hat und dessen Herrenmannschaft in der Hängepartie der letzten Wochen einige wichtige Spieler verlassen haben.

„Aber so ein Verein darf nicht in der Versenkung verschwinden“, sagt Steinbach, der dem Club auch aus Dankbarkeit helfen möchte. „Er hat mir damals die Chance als Trainer gegeben“, erinnert sich Steinbach an das Jahr 1995. „Wir müssen Cloppenburg wieder zur Nummer eins in der Region machen, aber das klappt nur, wenn alle mit anpacken.“

Steinbach ist hochmotiviert, aber er warnt auch: „Es darf sich da keiner Illusionen machen, in der Landesliga wird es für uns nicht einfach.“ Der Rentner, der lange in Cloppenburg im Büro gearbeitet hat, kennt die Landesliga mit ihrer großen Abstiegszone. Seine bisher letzte Station, der BV Essen (Landkreis Cloppenburg), war unter Steinbach als Trainer Bezirksliga-Meister geworden und in die Landesliga aufgestiegen. Nach starkem Start musste der BVE später aufpassen, nicht noch in den Abstiegsstrudel zu geraten. Der kann in der Landesliga bekanntlich auch Mannschaften auf Plätzen erfassen, die in anderen Ligen als sichere Mittelfeldränge gelten.

Aber Steinbach hat keine Angst. „Das ist doch eine interessante Aufgabe bei einem Absteiger, der nicht viele Mittel zur Verfügung hat“, sagt er. Und der spielende Co-Trainer, BVC-Routinier Kristian Westerveld, habe auf ihn schon mal einen „sehr, sehr positiven Eindruck“ gemacht. „Er ist nah an der Mannschaft dran und hat ein gewisses Standing in Cloppenburg.“

Für ihn selbst gelte es nun erst einmal, die Mannschaft kennenzulernen und sich einen Überblick zu verschaffen, um sich dann Ziele zu stecken. Dass der BVC in jüngster Zeit stark auf Nachwuchsspieler setzt, störe ihn dabei überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil: „Ich arbeite gerne mit jungen Leuten.“

Zudem habe er sich weiterentwickelt. „Ich bin gelassener geworden, nehme nicht mehr jede Kritik persönlich“, sagt der 64-Jährige, der beim 1. FC Magdeburg als Spielerlegende gilt, mit Blick auf seine Trainerstationen beim VfB Oldenburg, beim BVC, beim SV Wilhelmshaven, bei Preußen Magdeburg und beim BV Essen.

In Cloppenburg war auch nicht immer alles glatt gelaufen: Steinbachs erstes Engagement beim BVC glich vielmehr einer Achterbahnfahrt. Als er im Laufe des Oktobers 1995 die Nachfolge des zurückgetretenen Matthias Risse antrat, kämpfte der BVC in der damals drittklassigen Regionalliga Nord gegen den Abstieg. Steinbach konnte den Abstieg trotz zwischenzeitlicher Hochphasen seiner Elf nicht verhindern. Der BVC trat am Ende der Saison den bitteren Gang zurück in die Oberliga an.

Steinbach blieb, und stellte ein neues Team zusammen. Zwei Jahre spielte der BVC in der Oberliga, ehe in der Saison 1997/1998 der Aufstieg in die Regionalliga gelang, weil die Cloppenburger in den Aufstiegsspielen gegen den TuS Hoisdorf die Oberhand behielten. Steinbach blieb bis Ende August 1999 Trainer in Cloppenburg.

Nach einer bitteren 1:7-Heimniederlage am 28. August 1999 gegen den VfB Lübeck gab Steinbach auf der anschließenden Pressekonferenz seinen Rücktritt bekannt. Als er seinen Rückzug verkündete, quittierten dies viele der anwesenden Personen mit Beifall. Eine skurrile Situation. Lübecks damaliger Trainer Uwe Erkenbrecher hatte so etwas auch noch nicht erlebt. Er bezeichnete seinerzeit die Vorgänge auf der denkwürdigen Pressekonferenz als „traurig“.

Aber nun schließe sich ein Kreis, meint Steinbach. Seine Trainerlaufbahn im Männerbereich habe in Cloppenburg so richtig begonnen, und nun werde sie dort wohl auch enden. Bleibt nur die Frage, ob mit einem eher unschönen Ende wie 1999 oder mit einem echten Happy End für Verein und Trainer . . .

Steffen Szepanski Lokalsport / Redaktion Münsterland
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