Cloppenburg Am 28. Mai 1911 herrschte unter den Fußball-Fans in Cloppenburg helle Aufregung. Kein Wunder, bestritt doch der Ende Januar jenen Jahres gegründete Fußballclub Sportverein Cloppenburg sein erstes Wettspiel, wie es damals hieß. Gegner war der Sportverein Westerstede, gespielt wurde in Cloppenburg. Genauer gesagt an der Resthauser Straße. Dort hatte der Landwirt Bünger den Fußball-Pionieren eine Fläche gegen eine jährliche Pachtgebühr von 50 Mark überlassen.

platz präpariert

Da seinerzeit der Fußball in Deutschland durchaus noch in den Kinderschuhen steckte – seit 1903 wurde erstmals ein Deutscher Meister ausgespielt und seit 1908 nahm Deutschland an Länderspielen teil – bekamen die Cloppenburger Fußballfans einen ganz besonderen Service geboten. Eine Zeitung veröffentlichte in einer ihrer Ausgaben das Regelwerk, damit die Zuschauer perfekt vorbereitet zum Spiel gehen konnten.

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Perfekt vorbereitet waren auch die Mannen vom SV Cloppenburg um ihren Vorsitzenden Bernhard Coldewey. Sie hatten die Spielfläche für den Anstoß präpariert und fieberten dem Anpfiff entgegen. Es dürfte auch gar nicht so einfach gewesen sein, die richtige Startaufstellung für das Duell zu finden. Schließlich gibt es Quellenangaben, in denen mehr als die elf benötigten Spieler zur Verfügung standen. Zum spielenden Kader gehörten: Luttmann, Otten, Voß, Heyer, Meyer, Schihalla, Gäbler, Lange, Badde, Meinen, Klüsener, Renken, A. Schopen, Schute-Lindern, G. Bitter, H. Bitter, Hawickhorst und Henke. Der Kenner der Cloppenburger Fußballgeschichte, Alfons Gertzen, weiß zu berichten, dass der SVC seinerzeit in Trikots mit schwarz-gelben Längsstreifen auflief.

Wie viele Zuschauer sich das Duell Cloppenburg gegen Westerstede anschauten, ist nicht überliefert. Auch beim Ergebnis gehen die Meinungen auseinander. In vielen Quellen über die Partie ist aber zu lesen dass der Sportverein Westerstede 8:1 gewann. Es war eine denkwürdige Begegnung. Der Eintritt war frei, und die anwesenden Zuschauer wurden bestens versorgt. Der Bierverleger August Lange hatte eigens ein Bierzelt aufgestellt. Bäckermeister Josef Niemann baute zudem eine Kuchentafel auf.

3:0-Sieg gegen BVQ II

Die Niederlage schmerzte, aber der SV Cloppenburg blieb König Fußball treu. Die Mannschaft bestritt in der Folgezeit weitere Partien. Doch erst Ende Juli sollte der erste Sieg gelingen. Die Mannschaft des SV Cloppenburg schlug die zweite Mannschaft des BV Quakenbrück 3:0. In der Zwischenzeit hatte sich der Vorstand des Clubs eine besondere Motivationsspritze für seine Spieler einfallen lassen. Der beste Spieler einer jeden Partie erhielt eine sogenannte Auszeichnungsmütze. Träger der ersten Auszeichnungsmütze war der Abwehrspieler Karl Renken nach einem torlosen Remis gegen eine Auswahl des Realgymnasiums Quakenbrück. Im Oktober zierte die Auszeichnungsmütze das Haupt von Franz Klüsener. Der linke Läufer war beim Cloppenburger 5:0-Erfolg gegen die Löninger eine der treibenden Kräfte gewesen.

Zu den Auswärtsspielen fuhr die Truppe mit dem Drahtesel. Nach einem Auswärtsspiel in Löningen und diversen Zwischenstationen kam die Mannschaft erst in der Dunkelheit wieder nach Cloppenburg zurück. Jedoch hatten nur drei der 15 Fahrer an ihrem Rad ein funktionierendes Licht. Das Fahren ohne Licht klappte bis vor die Tore Cloppenburgs ausgezeichnet. Doch dann kam ihnen ein Radfahrer entgegen. Dummerweise war dies ein Polizist.

Dieser zückte auch gleich sein Notizbuch, um ordnungsgemäß die Namen der Radfahrer aufzuschreiben, die ohne Licht unterwegs waren. Derweil redeten die Spieler auf den Ordnungshüter ein, ein Auge zuzudrücken. Der Schutzmann ließ mit sich reden. Nachdem alle versprochen hatten, ihre Räder zu schieben, rückte der Polizist wieder ab.

Langsames Ende

In den Jahren 1913 und 1914 hatte der SVC mit personellen Problemen zu kämpfen. Starke Spieler waren abgewandert, ältere Spieler hatten ihre Fußballstiefel an den Nagel gehängt. Aufgrund der personellen Schwierigkeiten absolvierte der SVC nicht mehr so viele Partien. Sollte dennoch gespielt werden, verstärkten häufig Akteure von außerhalb (u. a. Wildeshausen und Essen) das Team.

Als im Jahr 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach und erst 1918 endete, verschwand der SV Cloppenburg langsam von der Bildfläche. Nach Ende des Ersten Weltkrieges war die Fußball-Leidenschaft der Cloppenburger aber keineswegs abgeebbt. So kam es nicht von ungefähr, dass bei der Gründung des BV Cloppenburg am 23. März 1919 auch mehrere ehemalige Mitglieder des SV Cloppenburg dabei waren.

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