Cloppenburg Sie kann sich durchaus vorstellen, später mal als Lehrerin zu arbeiten. Dabei tut sie das im Grunde jetzt schon: Wenn Jana Radosavljevic am Ball ist, lehrt sie immer wieder Gegenspielerinnen das Fürchten – indem sie sie ins Leere laufen lässt oder geschickt umkurvt. Keine Frage, von der Neuseeländerin mit der tollen Technik kann man schon jetzt jede Menge lernen. Und zwar nicht nur auf dem Spielfeld. Die Mittelfeldspielerin des Zweitligisten BV Cloppenburg hat mit gerade einmal 23 Jahren schon einen beeindruckenden Lebensweg hinter sich. Sie hat schon einige Ziele erreicht und ist der Erfüllung eines Traums in diesem März wieder ein Stückchen näher gekommen. „Sie hat einen eisernen Willen“, sagt Tanja Schulte, ihre Trainerin beim BV Cloppenburg, bewundernd. „Sie besticht durch eine tolle Ballbehandlung, eine hohe Spielintelligenz und ihre Beidfüßigkeit.“

Dass man von Jana Radosavljevic lernen kann, richtig gut Englisch zu sprechen, hat die Neuseeländerin schon am Cloppenburger Clemens-August-Gymnasium bewiesen. Zusammen mit ihrer Teamkollegin Jannelle Flaws bereitete sie auf Initiative des Lehrers Burkhard Garmann an der Schule schon so manchen Jugendlichen auf Sprachprüfungen vor. „Ich mag es hier in Cloppenburg. Die Menschen sind ehrlich und direkt“, sagt die junge Fußballerin.

Lernen kann man auch einiges aus dem Werdegang der 23-Jährigen, die seit 2017 für den BVC spielt. Etwa, dass viel auf sich nehmen muss, wer große Ziele verfolgt. Radosavljevic wusste früh, dass sie Karriere als Fußballerin machen will. Und für dieses Ziel verließ sie schon mit 15 Jahren ihr Elternhaus. Im 220 Kilometer von der Heimat entfernten Belgrad gelang es ihr bei den „Roten Sternen“, ihr Spiel auf ein höheres Level zu heben. „Ich war früh auf mich allein gestellt“, sagt Radosavljevic, die ihre Familie oft vermisst.

Aber was sind schon 220 Kilometer, wenn man mit fünf Jahren aus Serbien mit seiner Familie nach Neuseeland gezogen ist – und fünf Jahre später zurück nach Serbien. Nun lebt ein Teil ihrer Familie auf dem Inselstaat im südlichen Pazifik und ein anderer auf dem Balkan. Kein Wunder also, dass das Reisen für Jana Radosavljevic wie der Sport einfach zum Leben dazugehört. Mit gerade einmal 18 Jahren zog es sie schon alleine ins Ausland. In Schweden arbeitete sie daran, ihre Karriere weiter voranzutreiben.

Und so kann man ohne Übertreibung behaupten, dass man von Jana Radosavljevic auch lernen kann, dass sich Beharrlichkeit auszahlt. Ihr großes Ziel, für die neuseeländische Nationalmannschaft zu spielen, verfolgte sie schon damals. Und die Hoffnung auf Nationalmannschaftsehren ist auch der Grund dafür, dass sie nach einer kurzen Rückkehr zu Roter Stern Belgrad schließlich nach Deutschland kam. „Ich wollte immer in Deutschland spielen, schließlich sind die deutschen Ligen als besonders stark bekannt“, sagt die Mittelfeldspielerin. „Und wer sich in einer starken Liga behauptet, wird auch für den Nationaltrainer interessant“, fügt Trainerin Schulte an.

Und tatsächlich, im November 2019 debütierte sie im Nationaltrikot. Mit Neuseeland spielte sie bei einem Turnier in China unter anderem gegen den Gastgeber. In diesem März konnte sie sich nun für die Olympischen Spiele anbieten, die dieses Jahr im Juli/August in Tokio stattfinden sollen. Beim Algarve-Cup in Portugal kam sie im Spiel gegen Italien (0:3) zum Einsatz. Und in der zweiten Bundesliga hat die eigentlich im offensiven Mittelfeld beheimatete Fußballerin zuletzt auf der für sie noch ungewohnten Sechser-Position zweimal ganz stark aufgespielt. „Es würde ein Traum in Erfüllung gehen, wenn ich in Tokio dabei sein könnte“, sagt Radosavljevic.

Es scheint fast so, als könnte ihren Traum von Tokio nur noch das Coronavirus zerstören – indem es die Austragung der Spiele verhindert. Schließlich lässt sich Radosavljevic selbst nicht so einfach durch Krankheiten oder Verletzungen stoppen. Wegen eines Kreuzbandrisses verpasste sie fast die gesamte Saison 2018/19. Und nun ist sie wieder da – besser als jemals zuvor. Harte Zeiten durchzustehen – auch das kann man von Jana Radosavljevic lernen . . .

Steffen Szepanski Lokalsport / Redaktion Münsterland
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