Cloppenburg /Bockhorst Die Fußballsaison 1979/1980 verlief für den Hamburger SV lange Zeit wie am Schnürchen. Es sah danach aus, als ob der HSV um Chefcoach Branko Zebec auf der Titeljagd reiche Beute machen sollte. Doch es kam anders. Der HSV verlor im Saisonendspurt die anvisierte Meisterschaft an den Rivalen Bayern München. Zudem unterlag der HSV einige Tage vor dem Ende der Bundesliga-Spielzeit im Endspiel um den Europapokal der Landesmeister der Elf von Nottingham Forest mit 0:1. „Das war extrem bitter. Wir haben eine gute Leistung gezeigt, aber die Tore nicht gemacht“, erinnert sich der damalige HSV-Flügelspieler Caspar Memering und spätere Trainer des SV Bösel.

Vier Hamburger

Somit stand der Hamburger SV am Ende der Saison ohne Titel da. Doch für Memering und seine Mitspieler Manfred Kaltz, Horst Hrubesch und Felix Magath war die Saison noch nicht vorbei. Sie wurden vom damaligen DFB-Bundestrainer Josef „Jupp“ Derwall in den Kader für die Europameisterschaft in Italien berufen. „Einen Anruf, oder eine schriftliche Einladung gab es damals nicht. Das Aufgebot wurde öffentlich bekanntgegeben“, so Memering. Überrascht hatte ihn die Nominierung nicht. „Manche Journalisten wussten schon Tage vorher, wie das Aufgebot aussieht. Da konnte es schon mal sein, dass man von einem Journalisten einen Anruf erhielt“, sagt Memering und lacht.

In die EM-Stammformation des DFB schaffte es der gebürtige Emsländer aber nicht. So erlebte er den EM-Auftakt der deutschen Elf gegen die Tschechoslowakei (1:0) von der Ersatzbank aus. Vor dem zweiten Gruppenspiel gegen die Niederlande klopfte es an die Zimmertür von Memering. Der Bundestrainer Derwall schaute herein, und teilte Memering mit, dass er gute Aussichten habe, im dritten Gruppenspiel gegen Griechenland ins Team zu rutschen, wenn die Leistung eines gewissen Spielers nicht besser werden würde. „Den Namen des Spielers verrate ich nicht“, so Memering.

Gegen Griechenland

Jener Spieler war nach NWZ-Informationen Klaus Allofs und schnürte gegen die Niederlande (3:2) einen Dreierpack. Somit schienen die Chancen von Memering auf Spielminuten bei einer EM gen Null zu sinken. Aber es sollte anders kommen, wie Memering berichtete. „Da seinerzeit die letzten Gruppenspiele nicht parallel ausgetragen wurden, war klar, dass wir nach dem 1:1 zwischen der ČSFR und Holland bereits als Finalteilnehmer feststanden. So konnte Derwall einige Spieler für das Finale schonen, und ich rutschte gegen Griechenland ins Team.“

Gegen Griechenland spielte Memering am 17. Juni 1980 im Stadio Comunale von Turin einen verkappten Linksaußen. Die Partie endete 0:0. Gerade einmal 13 901 Zuschauer waren zu dieser Partie gekommen. Memering erinnert sich, dass bei jener „Euro“ kaum Zuschauer in die Stadien kamen.

Aber das war für ihn erstmal zweitrangig. Er freute sich, dass er spielen durfte. Gerne hätte er auch das Finale gegen Belgien gespielt, aber Derwall setzte Memering wieder auf Bank. „Ich war ein stückweit enttäuscht. Aber ich saß nicht alleine auf der Bank“, sagt er. Stimmt. Mit ihm auf der Bank saß unter anderem ein aufstrebendes Talent namens Lothar Matthäus.

Von der Bank aus erlebte er einen 2:1-Sieg seiner Elf gegen Belgien. Die deutschen Tore erzielte Memerings HSV-Mitspieler Horst Hrubesch. Belgien habe eine starke Mannschaft gehabt, meint Memering. „Aber wir haben die Tore gemacht“, sagt er. Die Stärke der deutschen Mannschaft sei die gute Mischung gewesen. „Wir hatten Führungsspieler wie zum Beispiel Bernard Dietz und Horst Hrubesch. Und starke junge Spieler wie Bernd Schuster“, sagt Memering.

prämie für EM-Titel

Nach dem Sieg machten die deutschen Spieler die Sommernacht von Rom zum Tag. Es sei ordentlich gefeiert worden. Auch bei der Rückkehr in Deutschland. Später in Hamburg, feierten die vier HSV-Spieler Felix Magath, Horst Hrubesch, Manfred Kaltz und Memering unter sich. Es gab auch eine Prämie vom DFB für den Final-Sieg. Über die Höhe schweigt Memering. Sie sei für damalige Verhältnisse recht ordentlich gewesen. „Nicht zu vergleichen mit heute. Aber verhungert sind wir nicht“, sagt Memering und lacht.

Mit dem Gewinn der EM war auch Memerings Karriere im DFB-Dress nach drei absolvierten A-Länderspielen beendet. „Die folgende Saison lief nicht sonderlich gut für mich. Zudem schossen immer wieder junge Spieler nach. Die Konkurrenz war groß“, so Memering.

Nach seiner Zeit beim HSV (1971 bis 1982) spielte Memering noch für Girondins Bordeaux (Frankreich) und den FC Schalke 04. Heute arbeitet er in Bösel und wohnt in Bockhorst (Emsland).

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