bohren, pfeifen, helfen: Das ist Markus Merk

Überausvielseitig ist der gebürtige Kaiserslauterer Dr. Markus Merk (45). Neben seiner Tätigkeit als Fußballschiedsrichter ist der gelernte Zahnarzt auch als Unternehmensberater und Motivationstrainer tätig.

Seit 1991 betreut Merk zudem auch Kinder in Indien und initiierte u.a. ein Hilfsprojekt in der Stadt Sogospatty.

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Zu den Höhepunkten seiner bisherigen Laufbahn als Schiedsrichter gehörte sein Einsatz beim Champions-Liga-Finale 2003 zwischen AC Mailand und Juventus Turin sowie beim Finale der Europameisterschaft 2004 zwischen Griechenland und Portugal.

Die Veranstaltung am Montag, 3. März, ab 19 Uhr im Friesoyther Forum ist ausverkauft. Laut Veranstalter – der Heiner Neuenstein GmbH – gibt es auch keine Karten mehr an der Abendkasse.

Entscheiden zu dürfen, sei ein absolutes Privileg, sagt FIFA-Schiedsrichter Markus Merk. Fehlentscheidungen seien bitter, aber auch eine Chance bei richtiger Analyse aus ihnen zu lernen.

Von Thomas Neunaber

Frage: Sie sprechen am Montag in Friesoythe über das Thema „Sicher entscheiden“. Warum ist das Thema aus Ihrer Sicht so wichtig?

Merk: Entscheidungen sind die Basis unseres täglichen Handelns. Menschen stehen oft im Zwiespalt, eine schnelle Entscheidung zu treffen. Ich versuche aus meiner Schiedsrichterwelt, wo ich oft in Sekunden eine Entscheidung treffen muss, quasi Doppelpässe zu spielen zu der privaten und der beruflichen Welt meiner Zuschauer. Ich hoffe, dass dabei für jeden vielleicht ein Steilpass im Leben dabei ist.

Frage: Was viele von schnellen Entscheidungen abhält, ist die Angst vor Fehlentscheidungen. Ist das bei Ihnen anders?

Merk: Den Begriff Angst kenne ich eigentlich nicht. Ich empfinde entscheiden zu können als Privileg und nicht als Last. Das muss man erkennen. Es gibt nichts Schöneres im Leben als Verantwortung übernehmen und entscheiden zu können.

Frage: Auch wenn Sie mit mancher Entscheidung falsch liegen?

Merk: Natürlich sind Fehlentscheidungen bitter. Wer sich an seine Fehlentscheidungen gewöhnt, der ist auf dem Weg nach unten. Es geht darum, dass man persönliche Fehlentscheidungen analysiert und daraus die richtigen Schlüsse zieht. Dann kann man von Fehlentscheidungen sogar im Nachhinein durchaus profitieren. Diese Kompetenz zur richtigen Fehleranalyse muss man sich permanent erarbeiten.

Frage: Inwiefern profitiert man denn dann von schnellen Entscheidungen?

Merk: Wenn mir jemand gegenüber sitzt, der mich zu einer schnellen Entscheidung bewegt, dann empfinde ich diesen als kompetent und souverän. Genau das Gegenteil ist der Fall, wenn jemand eine Entscheidung herauszögert.

Frage: Sie stehen als Schiedsrichter auch oft in der Kritik. Wie verarbeiten Sie diese Beanstandungen, die zuweilen in Anfeindungen ausarten?

Merk: Darauf stellt man sich ein. Es ist ja nicht so, dass man von heute auf morgen in diese exponierte Entscheidungswelt eines BundesligaSchiedsrichters kommt. Bis zum Bundesliga-Schiedsrichter ist es ein langer Weg, auf dem man viele Erfahrungen macht – auch in der persönlichen Leidensfähigkeit.

Frage: Manch Außenstehende fragen sich doch: Warum tut sich der Mann diesen Stress Woche für Woche an. Sind Sie Masochist?

Merk: Ich bin nicht Schiedsrichter geworden, um mich persönlich feiern zu lassen. Mich freut es einfach, wenn ich Teil eines tollen Spiels bin. In den 20 Jahren als Bundesliga-Schiedsrichter und 15 Jahren als Referee bei internationalen Spielen durfte ich viele einzigartige Dinge erleben. Das gibt mir Befriedigung. Die wahren Helden sind aber die Schiedsrichter an der Basis, die Kreisklasse oder Bezirksklasse pfeifen.

Frage: Weil sie nicht vor großer Kulisse in Mailand oder München pfeifen dürfen?

Merk: Vielleicht auch das. Aber sie werden oft 1:1 angefeindet, ganz egal ob bei einem Spiel der Herren-Bezirksliga oder bei einem Spiel von „Bambinis“ von den lieben Eltern.

Frage: Rückblickend betrachtet, was hat Ihnen persönlich Ihre Tätigkeit als Bundesliga- und WM-Schiedsrichter für ihr Leben gegeben?

Merk: Zumindest hat mir die Tätigkeit die Chance gegeben aus ganz unterschiedlichen Entscheidungswelten zu profitieren. Da ist auf der einen Seite die Glitzerwelt des Sportspiels Fußball und auf der anderen Seite die existenzielle Welt etwa bei meinem Einsatz für Kinder in Indien. Ich spiele dann oft einen Doppelpass und versuche die Dinge aus der einen Entscheidungswelt auf die andere zu übertragen.

Frage: Sie halten oft Vorträge vor Unternehmern. Brauchen die Sie als Schiedsrichter, um Konflikte im Unternehmen zu lösen?

Merk: Nein, aber wenn man international oder in der Bundesliga pfeift, dann arbeitet man auf einer Topebene. Da gibt es in meiner Funktion als Schiedsrichter durchaus Parallelen zum Manager. Da müssen sie auch Mediator sein, müssen Menschen führen können, müssen ein guter Psychologe sein und zudem schnell Entscheidungen treffen können. All das braucht ein Topmanager heute natürlich auch.

Frage: Sie engagieren sich seit Jahren auch für bedürftige Kinder in Indien. Wann ist für Sie die Grenze des persönlichen Engagements erreicht?

Merk: Für mich ist mein Engagement in Indien keine Last. Es ist eher eine Lebensaufgabe. Das größte Geschenk und die größte Motivation ist für mich das strahlende Leuchten der Kinderaugen. Dann denkt man über den eigenen Stress und die Arbeit wirklich überhaupt nicht mehr nach.

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