Wittensand Etwas Schlimmes sei noch nie passiert, sagt Andre Waden, klopft aber vorsichtshalber noch einmal auf einen der Holztische im Dorfgemeinschaftshaus Wittensand. Es sei höchstens schon vorgekommen, dass sich Leute erschreckt haben, als es knallte, fügt der zweite Vorsitzende Ralf Koppelkamm hinzu und schmunzelt. Aber schließlich darf beim Böllerverein „Widerhall“ Wittensand (eingetragener Verein). ja auch nicht jeder an die Kanone. Dafür gibt es das Böllerkomitee mit den geschulten Böllermeistern Helmut Pahl (Ehrenvorsitzender), Tobias Bollen, Patrick Schütte und Thomas Ahlers.

Böllern mit Milchkanne

„Es gehört eine gewisse Erfahrung dazu, um die Kanone richtig bedienen und einen möglichst lauten Knall erzeugen zu können“, sagt Andre Waden. Von den 65 Jahren, die es den Böllerverein gibt, ist er schon mehr als 20 Jahre Mitglied und derzeit auch erster Vorsitzender. Die Böllerkanone stammt aus 1962. Das Kanonenrohr ist noch das gleiche wie damals. Betrieben wird die Kanone mit einem Sauerstoff-Gas-Gemisch, das über einen Schlauch in diese geleitet wird. Über eine elektrische Zündung wird die Kanone dann abgefeuert.

Verein und Serie

Gegründet wurde der Verein im Februar 1954 von Emil Schulte, Georg Litmathe, Hans Pahl, Johannes Remmers, Günther Wellbrock, Wilhelm Remmers und Remigius Hüntelmann. Erster Vorsitzender war von 1954 bis 1964 Wilhelm Remmers.

Der Vorstand besteht heute aus Andre Waden (erster Vorsitzender), Ralf Koppelkamm (zweiter Vorsitzender), Hermann Arens (Schriftführer), Melanie Pekeler (zweite Schriftführerin) Frank Schulte (Kassenwart) und Marec Hopp (zweiter Kassenwart). „Vereinsheim“ ist das Dorfgemeinschaftshaus in Wittensand.

Im Saterland Gibt Es den Böller- und Baierverein Scharrel, den Böllerclub Bibelte, das Böllerkomitee Ramsloh, den Böllerverein „Widerhall“ Wittensand. und den Böllerverein Sedelsberg. Was es mit dem Böllern auf sich hat und was diese Vereine ausmacht, stellt die NWZ im Rahmen einer kleinen Serie vor.

Tatsächlich wurde zu Beginn noch mit einer Milchkanne geböllert. Diese wurde mit der chemischen Verbindung Karbid gefüllt und angezündet. „Der Ursprung des Böllerns liegt darin, dass man damit etwas Besonderes ankündigen wollte“, sagt Ralf Koppelkamm, der 2003 in den Verein eingetreten und derzeit zweiter Vorsitzender ist.

Bräuche aufleben lassen

Und so steht es auch in der Chronik des Böllervereins Wittensand zum 50-jährigen Bestehen 2004. Gegründet wurde der Verein im Februar 1954 von sieben Männern. „Die Gruppe nahm sich vor, alte Bräuche und Sitten wieder aufleben zu lassen. Denn das Böllern sollte zu freudigen Ereignissen wie Hochzeiten, Geburtstagen und zum Jahresbeginn ertönen, wie es seit eh und je Sitte war“, heißt es in der Chronik.

Und so ist es auch heute noch. Neben Geburtstagen und Hochzeiten gibt es mehrer feste Termine im Jahr, an denen geböllert wird: bei den Schützenfesten in Strücklingen, Bollingen und Idafehn, zum Jahreswechsel, beim eigenen Schützen- und Böllerfest sowie beim Osterfeuer in Wittensand, das der Verein ausrichtet. Bei Letzterem kommt neben einem weiteren auch das vereinseigene Zelt zum Einsatz. „Das Osterfeuer ist die Hauptveranstaltung für uns. In diesem Jahr waren etwa 500 Gäste da“, freut sich Andre Waden.

Zwille und Steinchen

Beim Schützen- und Böllerfest, das immer am ersten Samstag im Juli stattfindet, wird der König mit der Zwille und Steinchen ausgeschossen. Amtierender König ist Torsten Lucassen mit Königin Anne. Ein Kaiser wird alle zehn Jahre ermittelt. Amtierende Kaiserin seit 2018 ist Yvonne Arens mit Kaiser Hermann.

Die Geselligkeit wird allgemein großgeschrieben beim Böllerverein. So wird neben den jährlich wiederkehrenden, großen Festen alle zwei Jahre ein Familienfest ausgerichtet. Es gibt die Versammlungen, das Winterfest mit Kohlessen, den Maigang die Vereinsfahrt. „Der Zusammenhalt bei uns ist stark“, freut sich Koppelkamm.

Um die 120 Mitglieder zählt der Verein derzeit. „Wir haben kontinuierlich steigende Mitgliederzahlen“, sagt Andre Waden. Auch Nachwuchssorgen kenne man nicht. Austritte gebe es nur sehr selten. Mittlerweile darf jeder ab 18 Jahren eintreten. Doch das war nicht immer so. Zu Beginn und bis zur Jahrtausendwende waren nur Männer aus dem Ort zugelassen. Heute gehören auch einige Frauen zum Verein. Die erste Frau, die seinerzeit aufgenommen wurde, war Ingeborg Einhaus. Und für die Teilnahme an Festmärschen gibt es sogar eine eigene Vereinskleidung.

Tanja Mikulski Friesoythe / Redaktion Münsterland
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