Cloppenburg Karussellfahren ist nichts für Erwachsene? Stimmt, wenn man sich zu alt dafür fühlt, sich den Wind durch die Haare wehen und die Beine baumeln zu lassen. Wenn nicht, dann lohnt sich ein Besuch auf der historischen Dorfkirmes im Museumsdorf Cloppenburg, die am Sonnabend, 9. Juli, eröffnet. NWZ -Volontärin Mareike Wübben (24) und NWZ -Redakteurin Anuschka Kramer (39) durften am Mittwoch beim Aufbau zusehen und einige Proberunden drehen.

Karussell fahren war für Mareike schon als Knirps ein Highlight. Als sie klein war, was ja nun auch schon knapp 20 Jahre her ist, gab es noch richtige Fahrgeschäfte – ohne Discobeleuchtung, Gewummere aus den Boxen und nach dem Motto „höher, schneller, weiter“. Und nach Kindheit fühlt sich für sie auch eine Fahrt auf der Raupenbahn an.

Raupenbahnen gehören zu den erfolgreichsten Karussellkonstruktionen und waren in den 1950er bis 1970er Jahren auf allen namhaften Jahrmärkten zu finden – da war die kleine Mareike zwar noch nicht einmal in Planung, trotzdem fühlen sich die roten Sitzbezüge und die bunten Verzierungen an den Waggons nach früheren Jahrmarkt- und Kirmesbesuchen an.

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Die Raupenbahn simuliert auf ihrem Rundkurs eine Berg- und Talfahrt. So geht es bei der exklusiven Testfahrt am Mittwoch auch hoch und wieder runter – ein gleichmäßiger Rhythmus, der ein kleines Kribbeln im Bauch auslöst. In leichter Schieflage der bunten Fahrwaggons, wird mal ein Platz am inneren und ein Platz am äußeren Rand getestet: Beide eignen sich hervorragend für eine Tour auf der Raupenbahn, findet die 24-Jährige. Wobei der Sitz am inneren Rand etwas mehr Kraft erfordert, um dort sitzen zu bleiben, wenn man alleine unterwegs ist.

Fahrspaß

Da kommen wir aber schon zum zweiten Aspekt neben dem Fahrspaß: Die Raupenbahn ist auch zum Kuscheln und Knutschen gut geeignet. Für ungestörte Zweisamkeit in der Bahn sorgt dann der Höhepunkt jeder Fahrt: Die Wägelchen werden mit einem so genannten Balg – einem mechanischen Stofftunnel – überdeckt. So sind die Fahrgäste für die Zuschauer verdeckt und für kurze Zeit in ihrer Kutsche ungestört. Das schreit vielleicht nicht mehr unbedingt nach Kindheit, würde aber bei einem Besuch im jetzigen Alter und mit dem richtigen Sitznachbarn auf jeden Fall seinen Reiz ausüben.

Immer beim Aufbau der Dorfkirmes dabei ist der ehemalige Besitzer der Raupenbahn, Fred Vater. 2004 verkaufte er das Fahrgeschäft aus dem Jahr 1936 an das Museumsdorf. „Ich finde es super, dass die Raupenbahn hier jedes Jahr wieder ihren Platz hat“, sagt Vater nicht ohne Stolz. Sonst würde es in seinen Einzelteilen rumliegen – und das wäre viel zu schade.

Für jeden nur ein Pferd – wahlweise ein flitzendes Schwein, ein springender Löwe, in den sich Mareike gleich verliebt, oder ein grünes Seepferdchen, der absolute Favorit von Anuschka – lautet das Motto auf dem Alt-Ammerländer-Pferdekarussell, das für Gruppen auch kleine Wagen bereithält. Seit den 1980er Jahren ist das Alt-Ammerländer-Pferdekarussell im Besitz des Museumsdorfes, gebaut wurde es gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Liebevoll und in Handarbeit verziert kommt es daher und besticht durch sein einzigartiges Flair.

„Mehrere Mann brauchten wir, um das Karussell aufzubauen“, weiß Karin Dieckmann zu berichten, die nun schon zum sechsten Mal in Folge als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museumsdorfs mit der Organisation der Dorfkirmes betraut ist. Überhaupt haben die Mitarbeiter viel zu tun, schließlich muss auch bei den alten Fahrgeschäften jede Schraube sitzen, damit sie TÜV-geprüft an den Start gehen können. „Das Team ist toll“, sagt sie. Alle eine die Begeisterung für die alten Karussells, alle packten mit an.

Kirmes-Team

Doch nicht nur das Kirmes-Team ist von den Fahrgeschäften begeistert. Karin Dieckmann verrät auch, dass sich viele der Mitarbeiter des Museumsdorfs nach Feierabend auf der Kirmes tummeln, um eine Runde auf dem Pferdekarussell oder der Raupenbahn zu drehen – ein entspannter Ausklang eines ereignisreichen Arbeitstages, wie auch die zwei NWZ -Mitarbeiterinnen finden.

Die Russische Luftschaukel aus dem Jahr 1902 ist an diesem Mittwoch leider noch nicht fahrbereit. Die Arbeiter sind damit beschäftigt, große Metallstreben miteinander zu verankern, damit die Besucher später auf eine Höhe von elf Metern in die Luft geschaukelt werden können.

Anders sieht es mit der Kinderschiffschaukel von 1947 aus, die steht bereits fix und fertig für die Kirmesbesucher bereit. „Wir haben an den Kirmeswochenenden auch wieder Stelzenläufer und Zauberer hier“, berichtet Karin Dieckmann, während wir zur Schaukel schlendern. Am 16. und 17. Juli komme sogar der stärkste Mann der Welt, um vor den Augen des staunenden Publikums Telefonbücher und ähnliches zu zerreißen. Der stärkste Mann der Welt – den könnte man bei der Kinderschiffschaukel auch gut zum Anschubsen gebrauchen, wie wir alle drei lachend feststellen. Denn so einfach, wie es ausschaut, ist das Schwungholen gar nicht. „Ich schaukel irgendwie nur im Kreis“, amüsiert sich Karin Dieckmann, doch dann hat sie den Dreh raus, und auch Anuschka und Mareike kommen in Schwung. Wie war das noch mal mit dem Wind in den Haaren und dem gefühlten Alter?


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Mareike Wübben Cloppenburg / Redaktion Münsterland
Anuschka Kramer Redakteurin / Redaktion Westerstede
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