Friesoythe Thea Bley lebt im Paradies. Genau: In „Paradiso“, Ortsteil des pittoresken Häfenstädtchens Lygia auf der ionischen Insel Lefkas. „Manchmal komme ich mir auch wie im Paradies vor“, sagt die 63-jährige Auswanderin beim Plausch im Felsen-Garten ihres Hauses. Die gebürtige Friesoytherin und spätere Studentin in Oldenburg hätte sich in der Jugend nicht träumen lassen, hier in Griechenland zu landen. In ihrer „Villa del Arte“, nach eigenen Plänen erbaut. Zugleich Kunst- und Gemäldesammlung in einem – an den Wänden dominieren abstrakte Bilder mit sonnig-optimistischen Farben. Thea Bley hat sie alle gemalt.

Mächtige Bougainvillea dominieren draußen. Exotische Blüten setzen Farbtupfer zwischen den Steinen. Büsche, Zypressen und Olivenbäume komponieren den typischen Mittelmeer-Duft, Zikaden liefern die Musik. Drei Katzen bewachen das 4000-Quadratmeter-Anwesen hoch am Berg mit spektakulären Blick über die Ionische See.

Ein atemberaubendes Panorama: Ganz hinten Ithaka, Insel des Odysseus; links die frühere Privat-Insel Skorpios des reichen Reeders Onassis und seiner späteren Frau Jackie Kennedy – heute gehört das Eiland einem russischen Oligarchen. Er hat es seiner Tochter geschenkt. Man hat’s ja. Vorne lockt das wunderschöne Meganissi. Eine Zeitschrift hat Porto Katsiki auf Lefkas zur schönsten Bucht der Welt gekürt – weit vor der Karibik.

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Auf dem Wasser ziehen Luxus-Yachten, Fähren und Segelschiffe vorbei. Nachts markieren weiße Lichter die kleinen Boote der Fischer. Ein hartes Leben. Ein Tintenfisch bedeutet schon Glück und bringt Geld. Das Meer ist ziemlich leer. Auf der Hafenmole klopfen Fischer die Tintenfische weich.

Wer zu Thea Bley will, wird zum Himmelsstürmer. Steil geht’s einen schmalen Weg hoch, die letzten Häuser schon vorbei. Immer weiter. Das Auto schuftet im ersten Gang – unter Vollgas, trotz enger Kurven. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie es die Baufahrzeuge geschafft haben. „Griechen sind erfinderisch, Bauarbeiter erst recht“, schmunzelt die Auswanderin. Viel schwerer war der Weg zum Weg. „Wir mussten 14 Nachbarn überzeugen, uns einen Teil ihrer Grundstücke für die Straße zu überlassen“, erzählt die ehemalige Friesoytherin. Hätte einer Nein gesagt – aus wäre es mit dem Paradies gewesen.

Bleys Mann, ein griechischer Universitäts-Professor, hat mitgebaut an dem Traumhaus. Doch darüber ist die Ehe zerbrochen. Dabei war es eine Liebesheirat. Wegen ihm gab Thea Bley ihre Arbeit in Deutschland auf, um in die Heimat ihres Mannes zu ziehen. Ein bewegtes Leben. Schule in Friesoythe, Ausbildung zur Bürokauffrau bei Nähmaschinen Singer in Oldenburg, Angestellte im Amtsgericht Friesoythe und Oldenburg und dann die Wende in eine ganz andere Richtung. Bley studiert über den Sonderbegabtenweg Kunst und Englisch in Oldenburg, unterrichtet in Ahrensburg – um sich dann ab 1984 von Hellas verführen zu lassen: Athen, München und seit 2001 Lefkas lauten die Stationen. Zwei Brüder bleiben in Deutschland zurück, einer lebt auf Mallorca. Eine weit verzweigte Familie.

Wie überlebt sie in einem krisengeschüttelten Griechenland? Thea Bley vermietet Appartements in ihrem Haus – mit dem fantastischen Insel-Blick inklusive. Dazu Sprach- und Kunst-Unterricht. Doch griechische Schüler werden immer weniger. Kein Geld. „Gerade für junge Menschen ist es eine verzweifelte Lage“, sagt Thea Bley: „Sie sind gut ausgebildet – aber bekommen keine Arbeit.“ Manchmal fällt ein Kellner-Job für ausgebildete Lehrer ab. Lohn: keine fünf Euro die Stunde.

Rund 200 deutschsprachigen Aussiedler leben auf Lefkas. „Meistens Rentner und Pensionäre“, erzählt Bley. Mit hohem Künstleranteil. Manche Künstlerin auf Lefkas hat schon in Oldenburg ausgestellt. Die Runde trifft sich in urigen Dorftavernen, plauscht, geht zu Kulturveranstaltungen. Eine deutsche Aussiedlerin bietet Kräuterwanderungen an. Dieser Kontakt tut gut. Man erzählt sich von der Heimat. Selbst im „Paradies“.

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