CLOPPENBURG Unter dem Straßenschildes am Pater-Bley-Weg neben der Soestebrücke zückt Rosemarie Kneilmann ihre grüne Kladde. Fein säuberlich hat sie auf kleinen Karteikarten die wichtigsten Eckdaten zu den Persönlichkeiten notiert. „Mit Zahlen habe ich es nicht so“, entschuldigt sich die pensionierte Lehrerin.

„Auf den Spuren Cloppenburger Persönlichkeiten“ – so heißt eine der Führungen, die die Gästeführerin des Vereins Erholungsgebiet Thülsfelder Talsperre regelmäßig anbietet – führt Rosemarie Kneilmann an so manches Straßenschild, denn auf so manchem ist der Name eines verdienten Cloppenburger Bürgers verewigt. Der Pater-Bley-Weg führt da gleich in die „erste Liga“: „England hat Churchill, Deutschland Konrad Adenauer und die Jesuiten haben Bernhard Bley“, gibt die 73-Jährige Kneilmann, die etwa seit 1990 Gäste durch die Stadt führt, ein Zitat über den „sehr bewährten und hoch angesehenen Mann“ wieder. Etwa an der Stelle, an der heute die Gedenktafel angebracht ist, hatte der Provinzial, Spiritual, Päpstlicher Visitator und Delegat des Jesuitenordens in Nordwesteuropa eine Frau aus der Soeste gerettet, die Mutter von Otto Kerkhoff, der diese Tafel stiftete. An gleicher Stelle war Jahrzehnte frühe der Vater von Kerkhoff ertrunken.

Kneilmann berichtet auch über Ignatz Feigel, der eigentlich Theologe werden wollte, die Cloppenburger machten ihn aber zum Bürgermeister. Eindrucksvoll die Biografie von Heinrich Fortmann, der mit 17 Jahren schon Lehrer in Cloppenburg wurde – „ein ganz rühriger Mann“ (Kneilmann). Auch an ihn erinnert eine Straße. Er sorgte dafür, dass die Pennäler trockenen Fußes in die Schule kommen konnten, indem er mit seinen Schülern zusammen Katzenköpfe suchte, um die Lange Straße zu pflastern. Er gründete auch die „Kuhkasse“, aus der Bauern Geld bekamen, wenn eine Kuh krepierte.

Geschichte lebendig machen – das ist der Anspruch, den die Gästeführerin umsetzen möchte. So hat sie neben ihrer grünen Kladde auch immer Bilder der Persönlichkeiten im Gepäck. Oder wollene Socken, die auch bei den Japanern, die sie vor einiger Zeit durch Cloppenburg führte, für Faszination sorgten. Genauso wie die Halbedelsteine, die sie in der St.-Josefs-Kirche herumreichte. Achat, Bergkristall, Amethyst oder Turmalin-Nadeln – allesamt sind auch in der Kirche verarbeitet. „Ich versuche, die Führungen immer möglichst anschaulich zu machen.“ Dazu zeigt sie auch mal alte Postkarten von Cloppenburg. Und diese faszinieren auch die Senioren der St.-Andreas-Gemeinde, die die Mutter dreier erwachsener Kinder ehrenamtlich betreut.

„Wir haben hier keine Highlights, sondern stille Sehenswürdigkeiten“, urteilt Kneilmann. Etwa die Molberger Dose, in der sie Poetische Abendwanderungen anbietet. Die „unwirtliche Landschaft“ bewirke eine „ganz eigenartige Stimmung“ unter den Gästen. Dann zitiert sie Tacitus, Annette von Droste-Hülshoff, Hermann Löns oder Franz Morthorst.

„Die Gästeführung“, sagt Rosemarie Kneilmann, „hat mein Leben unheimlich bereichert.“

Reiner Kramer stv. Redaktionsleitung Cloppenburg/Friesoythe / Redaktion Münsterland
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