Stapelfeld Schon ein gutes halbes Jahr nach dem Mauerfall organisierte die Heimvolkshochschule Stapelfeld (HVHS) ein Seminar für „Menschen aus dem Widerstand“. Die zur DDR-Zeiten im Untergrund arbeitende Organisation „Aktion katholischer Christen“ kam mit 29 Teilnehmenden zu einem einwöchigen Seminar zusammen. Daran erinnert sich der zu dieser Zeit in der HVHS tätige Pädagoge Werner Nilles in diesen Tagen. Wie ist es zu diesem schnellen Kontakt gekommen?

Nilles war vom 9. auf den 10. November 1989 Teilnehmer einer Arbeitsgruppe des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZDK) „Soziale Herausforderungen in der Welt von heute.“ Leiter dieser Arbeitsgruppe war der damalige Bischof von Aachen, Klaus Hemmerle.

Während einer Arbeitspause berichtete Bischof Hemmerle, dass sich eine Gruppe katholischer und evangelischer Bischöfe und weitere Vertreter der beiden Kirchen aus der Bundesrepublik und der damaligen DDR mit der Situation zunehmender Menschenrechtsverletzungen beschäftige, erzählt Nilles. „Wir waren nichts mehr wert“, fasste es eine damalige Zeitzeugin zusammen. Genau über diese Situation berichtete Bischof Hemmerle tief betroffen an diesem Abend.

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Dabei erläuterte er, dass sich die Vertreter der beiden Kirchen damals intensiv mit der Frage beschäftigt hätten, auf dieses Menschen verachtende Verhalten öffentlichkeitswirksam zu reagieren. Aus Furcht vor dem Repressionsapparat der DDR, eine solche Aktion könne dazu führen, die Unterdrückungsmaßnahmen noch zu verstärken, habe man schweren Herzens von einer solchen Maßnahme abgesehen.

„Unsere Zimmer waren nicht mit Radio oder Fernsehen ausgestattet, so dass wir erst am anderen Morgen von dem befreienden Ereignis erfahren haben“, erinnert sich Nilles. Schnell wurde überlegt, was nun zu tun sei. Dr. Wilfried Hagemann, ehemaliger geistlicher Rektor der HVHS und auch Bischof Hemmerle hatten die Kenntnis vom im Untergrund aktiven Christen in der DDR. So entstand die Idee, ein Seminar für diese mutigen Christen anzubieten.

Auf dem Programm standen Themen wie christliches Menschenbild, Menschenwürde und Gerechtigkeit, Grundgesetz, Markt und Umwelt, Demokratie. Neben diesen Schwerpunkten standen Besuche, Austausch und Begegnungen in Betrieben verschiedener Art an, aber auch in sozialen Einrichtungen: Kindergärten, Alteneinrichtungen, Krankenhaus.

Die Teilnehmenden fassten damals zusammen: In der Woche sei ihnen die Angst genommen worden, dass sie einen gesellschaftlichen Neuaufbau in ihrer Heimat nicht schaffen könnten. Das Umdenken sei sehr schwierig und könne von heute auf morgen nicht gelingen, denn „40 Jahre lang ist uns Negatives eingeimpft worden, und das steckt sehr tief, uns fehlen 45 Jahre in einem Rechtsstaat“, gaben sie unumwunden zu. Das Seminar und die Begegnungen in diesen Tagen hätten bei allen Teilnehmenden Hoffnung geweckt, dass „wir tatsächlich zusammenwachsen können“.

Vielleicht auch nach 30 Jahren Mauerfall und Wiedervereinigung ein Impuls, daran weiterzuarbeiten, wünscht und resümiert Nilles.

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