Sedelsberg /Harkebrügge An seine erste Erfahrung, die er mit progressivem Rock gemacht hat, kann sich Uwe Müller noch gut erinnern. Verbunden damit war vor allem eine Person: Wolfgang Schönenberg. „Er war Lehrer am Schulzentrum damals und auch zwei Jahre lang mein Klassenlehrer in Ramsloh. Er hatte dort als Junglehrer angefangen und war ein wenig alternativ. Es gab wohl keine Lehrer hier zu der Zeit, der wie er lange Haare hatte“, sagt der Ramsloher.

Als die damaligen Schüler von Schönenberg dann mitbekam, dass er die progressive Disco „Scala“ in Lastrup hatte, stand für sie fest, dass sie dort einmal hinmüssen. „Zu seinem Entsetzen standen wir Schüler dann vor seiner Disco“, sagt Müller und lacht. Irgendwann wurde dann die „Scala“ geschlossen. 1975 hatte Müller dann damit begonnen, in der kleinen Progressiv-Disco „Company“ in Scharrel aufzulegen. Dann eröffnet Wolfgang Schönenberg 1977, der zu der Zeit schon kein Lehrer mehr war, das „Charts“ in Harkebrügge. „Das war das Todesurteil der ,Company’“, sagt Müller.

Ein Auf und Ab

Das „Charts“ sei bis zu seiner endgültigen Schließung in den 90er Jahren durch verschiedene musikalische Etappen gegangen, angefangen mit Progressiv-Rock. „Wolfgang war aber immer offen für Neues“, sagt Müller, der Ende der 1980er Jahren im „Charts“ als DJ auflegte und dann noch einmal zum Ende hin. Dazwischen war er als DJ in Diskothek „Neue Heimat“ Thülsfelde.

In den Jahren bis zur Schließung der Disco in Harkebrügge war es ein Auf und Ab. Mals lief sie, mal nicht, mal gab es einen Pächter, mal führte Wolfgang Schönenberg sie wieder bis 1997 (siehe Infobox). Schließlich wurde sie von Axel S. übernommen und 1999 in ein Geschäftshaus umgewandelt.

Seitdem hat es bereits viele „Charts“-Revival-Partys gegeben. Eine davon 2003. Diese hatte Wolfgang Schönenberg noch zusammen mit Mitarbeitern geplant. Er verstarb jedoch eine Woche vor der Party nach schwerer Krankheit. „Ich habe dann zusammen mit Andre Müller aufgelegt. Die Party war ziemlich überlaufen“, erinnert sich Uwe Müller. Andre Müller war seinerzeit einige Jahre Stamm-DJ im „Charts“.

„Remember“-party

Das „Charts“ und auch Wolfgang Müller sind bis heute unvergessen. Ihm und seiner Disco zu Ehren veranstaltet Uwe Müller zusammen mit Gerd Deddens vom Butzhus sowie Sergei Graz und Kimberly Menken von „Showtime Events“ am Samstag, 14. September, eine „Charts“-Remember-Party“ in und beim Butzhus in Sedelsberg. Wenn das Wetter mitspielt, soll schwerpunktmäßig Open Air gefeiert werden. Ansonsten findet die Party drinnen statt. Der Aufbau soll dem des „Charts“ aus der Anfangszeit nachempfunden werden. Dabei darf natürlich auch die Teestube nicht fehlen.

Musikalisch sollen alle „Charts“-Jahre angesprochen werden. So wird DJ Uwe Müller zu Beginn ab 20 Uhr Musik aus der Anfangszeit gespielt. Danach zieht sich der rote Faden durch die Musikgeschichte der ehemaligen Disco. Für die Verpflegung an dem Abend ist gesorgt. Karten gibt es außer dienstags und mittwochs immer ab 19 Uhr im Butzhus, Neuscharreler Straße 2. Karten kosten im Vorverkauf fünf Euro, an der Abendkasse sieben Euro.

An zwei Donnerstagen, am 5. und am 12. September, soll es zudem jeweils ab 19 Uhr ein Warm-Up mit Musik, Ticketverkauf und gemütlichem Beisammensein im Butzhus geben. Und vielleicht, so hoffen die Veranstalter, werden ehemalige Stammgäste dabei sein, die noch Impulse geben, die in die Party mit einfließen können.

Lesen Sie auch: http://nwzonline.pageflow.io/disko-charts#136899

Die Geschichte des „Charts“

Am 16. März 1978 eröffnete Wolfgang Schönenberg inoffiziell das „Charts“ in Harkebrügge, am 22. März 1978 offiziell.

Zum „Charts“ gehörten neben der eigentlichen Diskothek ein Kaminraum, eine große Bühne, eine Kneipe und eine Teestube. Es gab TV-Monitore für Musikvideos und Lichtprojektoren. Unter anderem wurden auch Plattencover projiziert.

Von 1978 bis 1982 gab es im „Charts“ über 50 und von 1989 bis 1995 über 30 Konzerte mit oftmals renommierten internationalen Bands. Unter den Bands befanden sich Hälderlin, City oder die Jukka-Tolonen-Band.

Ab Mitte 1982 zog das Schallplatten- und Musik-Programm allerdings nicht mehr. Grund dafür waren die zunehmende Konkurrenz und systematische Alterskontrollen.

Ab 1. Juni 1983 brachte der neue Pächter Rolf Joschko neuen Schwung ins „Charts“ und baute die Disco um. Dieser hielt allerdings nur für fünf Jahre. Auch hier war die zunehmende Konkurrenz Schuld.

Am 23. September 1988 übernahm dann wieder Wolfgang Schönenberg das Zepter. Richtig gut lief es dann von Beginn der 90er bis 1994. Danach wieder das gleiche Spiel: die Besucherzahlen gingen erneut zurück. Der vorerst letzte „Charts“-Abend unter Schönenberg fand am 22. Juni 1996 statt.

Am 30. November 1996 wurde die Disco unter neuem Namen „Sounds“ und neuem Pächter neu eröffnet. Am 30. Juni 1997 war aber schon wieder Schluss. Bis zum 19. September 1997 führte dann Schönenberg das „Charts“ erneut. Danach übernahm Axel S. die Disco.

Im Frühjahr 1999 baute er sie zum Geschäftshaus um, dessen Obergeschoss im März 2007 komplett ausbrannte.

Wolfgang Schönenberg hat bis kurz vor seinem Tod an dem Buch „Alles, nur nicht bürgerlich“ geschrieben. Seine Mutter Hildegard veröffentlichte dieses 2004.


 Die Ausführungen sind angelehnt an das Begleitbuch zur Discothekenaustellung „Break On Trough to The Other Side“ aus dem Schlossmuseum Jever.

Tanja Mikulski Friesoythe / Redaktion Münsterland
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.