BARßEL Die Schüler der Klasse 7b der Realschule Barßel haben sich zusammen mit ihrem Klassenlehrer Rainer Pagel daran gemacht, das Leben von Alexander Hess so gut wie möglich zu rekonstruieren und zu dokumentieren. Alexander Hess lebte als Jude in Barßel, bis er nach Berlin verschleppt, im August 1942 nach Riga deportiert und dort am 18. August des gleichen Jahres von den Nazis ermordet wurde.

Bei ihrer Recherche sind den „Spurensuchern“ interessante Dokumente und Gegenstände in die Hände gefallen, die das Schicksal dieses Barßeler Bürgers wieder lebendig werden lassen. So gelang Tobias Coners der Seemannskoffer von Alexander Hess in die Hände. Hess war Schiffsheizer, bevor er an Tuberkulose erkrankte und seinen Lebensabend in Barßel verbringen wollte. Der Seemannskoffer hat natürlich in den zurückliegenden 66 Jahren stark gelitten, er wurde jedoch von der Zeitzeugin Grete Nehus eindeutig als der Koffer identifiziert, der früher Alexander Hess gehörte.

Besonders stolz sind die Spurensucher auf zwei Original-Briefe, die Hess geschrieben hat. Diese wurden von Karin Domke aus Heiligenrode bei Bremen zur Verfügung gestellt. Sie selbst hat sie aus dem Nachlass ihres Vaters Heinrich Meinerling aufbewahrt, der im Jahre 2004 in Barßel verstarb. In einem Brief schreibt Alexander Hess, dass seine Schwägerin aus Hamburg Selbstmord begangen habe, um so der Deportation nach Polen zu entgehen. Sie wollte ihr Leben in Hamburg beenden und so bei ihrem Mann ruhen.

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Auch Alexander Hess wusste um das Schicksal der abtransportierten Glaubensbrüder, wie Zeilen in seinem Brief beweisen. „Wo sie die Juden hinschicken, sterben doch die meisten binnen kurzer Zeit" schrieb er. Aus einem Brief vom 24. Mai 1940, den er in Barßel verfasste, geht hervor, welchem Druck die Juden zur Zeit des Nationalsozialismus ausgesetzt waren. Darin schildert er wie ihn die Polizei bei Besuchen in Recklinghausen auffordert, die Stadt „auf den schnellsten Wege wieder zu verlassen.“ Gerade in Barßel angekommen, macht er sich schon wieder auf nach Berlin, um irgendwo einen Ort zu finden, der etwas sicherer sein könnte.

An anderer Stelle schreibt Hess „Wir dürfen keine Wirtschaft, kein Theater und Kino besuchen, das ist ein trauriges Dasein." Seine Verzweiflung wird durch folgenden Satz deutlich:" (...) Leben macht keinen Spaß mehr."

Viele Informationen erhielten die Spurensucher von Grete Nehus, die im Haus von Alexander Hess aufwuchs. Nachdem die Ehefrau von Alexander Hess 1928 starb, nahm er deren Nichte Katharina Meinerling und später deren Mann Bernhard Pekeler und deren Kinder bei sich zu Hause auf.

Die Zeitzeugin Grete Nehus, geborene Pekeler, war das erste von sieben Kindern, die alle im Haus von Alexander Hess in der Hafenstraße aufwuchsen. Sie beschreibt Hess als „ruhigen und sehr lieben Menschen“. Lisa Thelken, die in direkter Nachbarschaft von Hess lebte, kann das gezeichnete Bild ebenfalls bestätigen.

Damit die Spurensucher ihre Arbeit fortsetzen können, benötigen sie vor allem Briefe, die entweder von Alexander Hess selbst verfasst wurden, oder solche, in denen über ihn geschrieben wird. Wer hier helfen möchte, kann sich an die Klassensprecherin der 7b, Ramona Marks ( 04499/2638), oder an den Klassenlehrer Rainer Pagel ( 04499/1459) wenden. Die Schülerinnen und Schüler bedanken sich schon jetzt für die vielen Hinweise.

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