Scharrel Böllervereine gibt es fünf Stück im Saterland. Doch nur einen Baier- und Böllerverein – und der findet sich in Scharrel. Vielleicht sei es sogar deutschlandweit der einzige, der die beiden Traditionen vereine, vermuten die Mitglieder Antonius Kanne (1. Vorsitzender), Heinz-Gerd Klären (2. Vorsitzender) und Thomas Büter im Gespräch mit unserer Zeitung.

Der Verein war im Jahr 1992 von mehreren Kolpingbrüdern gegründet worden mit dem Ziel, die beiden Traditionen wieder aufleben zu lassen. Denn bereits nach Ende des zweiten Weltkriegs habe es in Scharrel wohl noch keine Vereine, aber zwei Clubs gegeben – die einen hätten geböllert und die anderen gebaiert, erzählen die Mitglieder: „Im Laufe der Jahrzehnte sind die Traditionen jedoch zum Erliegen gekommen.“ Doch seit mehr als 25 Jahren wird in Scharrel nun wieder regelmäßig zu den Hochfesten geböllert und gebaiert. Doch was bedeutet baiern und böllern?

Serie Böllervereine

Im Saterland gibt es mehrere Böllervereine. Was es mit dem Böllern auf sich hat und was diese Vereine ausmacht, stellt die NWZ im Rahmen einer kleinen Serie vor. Dieses Mal geht es um den Baier- und Böllerverein Scharrel.

Beim Baiern wird die Kirchenglocke mit der Hand geläutet. Statt eines Motors schlagen die Vereinsmitglieder den Klöppel und versuchen, dass es wie ein Geläut klingt. „Das braucht ein bisschen Taktgefühl“, sagt Büter und ergänzt: „Man hört direkt, wer es öfter macht und wer nicht.“ Üben können die Vereinsmitglieder nicht. Denn es wird nur gebaiert, wenn auch ein Fest in der Kirche stattfindet.

Auch das Böllern ist – wie es der Name schon vermuten lässt – kein leises Unterfangen. Mit einer Kanone werden ein oder mehrere Salutschüsse abgefeuert. In Scharrel sind es in der Regel drei Salutschüsse – aus jeder der drei vereinseigenen Kanonen einen. Traditionell geschieht dies zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten. Mittlerweile böllern die Scharreler aber auch beim Dorf- sowie Schützenfest, beim Königsschießen, bei Hochzeiten und anderen privaten Feiern. Das sind bis zu 15 Veranstaltungen im Jahr. Doch regelmäßige Treffen wie bei anderen Vereinen gibt es nicht.

Wurden die Kanonen bis vor wenigen Jahren noch traditionell mit Papierstopfen und Schwarzpulver gefüllt und mit der Zigarre entzündet, hat sich dies teilweise geändert. Die Scharreler haben Erfahrungen gesammelt. Denn nicht nur zu ihrem 25-jährigen Jubiläum waren vor zwei Jahren mehrere Böllervereine nach Scharrel gekommen, die Saterländer sind auch deutschlandweit auf Treffen unterwegs. So waren sie schon in Hamburg und Bernau bei Berlin. Bei den Treffen tauschen sich die Scharreler mit den Teilnehmern aus ganz Deutschland aus und nehmen den einen oder anderen Tipp mit, zum Beispiel wie Kanonen besser gestopft werden können. So verwenden die Scharreler nun eher Korken und Sand zum Stopfen – das sorge in Verbindung mit dem Schwarzpulver für einen lauteren Knall. Doch das Zünden der Kanonen mit einer Zigarre bleibe Tradition.

„Man muss Spaß daran haben, dass es knallt. Es ist ein Hobby, das nicht jeder hat“, sagen die drei Scharreler. Dennoch sei auch der Respekt vor den Kanonen wichtig und einiges zu beachten. Vier Mitglieder haben einen Böllerschein gemacht, der Voraussetzung ist.

Damit die Tradition erhalten bleibt, haben die zwölf Vereinsmitglieder mittlerweile ihre Kinder mit ins Boot geholt. Sie sollen nun Stück für Stück in die Abläufe integriert werden, damit auch weiter in Scharrel geböllert und gebaiert wird.

Renke Hemken-Wulf Friesoythe / Redaktion Münsterland
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