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Ramsloh Bei diesen zwölf Männern dreht sich alles um Caspar, Melchior und Balthasar. Das sind drei Böllerkanonen, die im Mittelpunkt des Ramsloher Böllercomités stehen.

Seit 131 Jahren gibt es diese Interessensgemeinschaft bereits. Als Verein ließen sie sich nie offiziell eintragen. Auch bei der Vergabe der Zuständigkeiten fällt ein Unterschied zu anderen Vereinigungen auf: „Wir haben schon eine Art Vorsitzenden, nur heißt der bei uns ,Boas’. Das ist das Wort auf Saterfriesisch“, sagt Rolf Tebben, er ist der 2. Boas.

Bei ihnen müssen es immer genau zwölf Mitglieder sein. Anders als bei einigen Vereinen, ist es hier deshalb nicht so einfach, Mitglied zu werden. Denn wenn es einen Neuen in der Runde gibt, heißt das, dass jemand gestorben ist. „Nur wenn ein Mitglied stirbt, wird ein Platz frei“, erklärt Johann Kramer, 1. Boas. Das jüngste Mitglied ist momentan 50, das älteste 85. Mit der Mitgliederzahl zwölf orientiert sich das Komitee an den zwölf Aposteln in der Katholischen Kirche. „Die Vereinigung ist 1888 zu Ehren des Papstes entstanden. Das Böllern kommt als Brauchtum aus der Schweiz. Unsere Gründer ließen sich davon inspirieren und brachten diese Tradition nach Ramsloh“, sagt Kramer. In Magdeburg ließen die Gründer dann in einer Gießerei für rund 75 Reichsmark drei Kanonen anfertigen. Diese benannten sie nach den Heiligen Drei Königen.

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Die drei Kanonen, die sie jetzt besitzen, sind nicht mehr die Originalen. „Während des Zweiten Weltkrieges versteckten die Mitglieder die Kanonen. Es herrschte Rohstoffmangel und sie hätten sonst eingeschmolzen werden müssen, befürchtete man“, erläutert Kramer. Nach dem Krieg habe man die Kanonen zwar wiedergefunden, jedoch war fragwürdig, wie intakt sie noch waren. Sie benutzen? Ein zu hohes Risiko, fanden sie. „Wir wussten nicht, wie die sich verhalten, weil sie so lange stilllagen“, sagt Kramer. Eine Prüfung des Materials und des Schwarzpulvers hätte weit höheren Druck erzeugt als die Nutzung. „Da hatten wir dann Angst, dass sie kaputtgehen“, sagt Kramer. Deshalb war es erst einmal das Ende der ersten Kanonen. Doch ihr Regelwerk schrieb vor, dass niemals eine Kanone verkauft werden darf. Seit 2003 ziehen die Originale von Caspar, Melchior und Balthasar deshalb das Foyer im Ramsloher Rathaus. Die knapp 20 Kilo wiegenden Nachfolger bekamen dann die gleichen Namen.

Auf dem Patronatsfest des heiligen St. Jakobus, auf Goldenen Hochzeiten, Schützenfesten und einigen anderen Veranstaltungen zünden sie. In diesem Handwerk steckt Traditionelles: „Wir zünden nach altem Brauchtum mit Zigarre an“, sagt der 1. Boas. Die dampfende Zigarre wird an einem langen Stock befestigt, damit entzündet der Schießmeister das Schwarzpulver. Um das machen zu dürfen, hat der Schießmeister, von dem es nur einen gibt, einen sogenannten Pulverschein, die Lizenz zum Kanonenzünden. Sie kommen übrigens nicht zu jedem Event hinzu: Für Kramer und auch für die übrigen Mitglieder ist von Relevanz, dass ihr Auftritt etwas Besonderes bleibt. Sie achten daher sehr genau darauf, welche Veranstaltung sie begleiten und welche nicht.

Frauen sind in der Interessensgemeinschaft nicht als Mitglieder vorgesehen. „Bewerber sollten der saterfriesischen Sprache mächtig, männlich und ortsansässig sein.“ So heißt es in einer Ausgabe der Satzung. Dass sie nur ein kleiner fester Kreis sind, habe vor allem eine Konsequenz, sagt Kramer: „Bei einem Verein mit 500 Leuten kann man sich leicht aus dem Weg gehen, bei zwölf Menschen wird das schon schwieriger. Das muss schon passen.“ So wählen sie die Mitglieder mit größter Sorgfalt aus, damit die Gemeinschaft weiterhin funktioniert. Die Wartung und Nutzung der Kanonen sowie die Uniformen der Männer finanzieren sie durch Mitgliedsbeiträge.

Vier feste Veranstaltungen haben die Zwölf im Jahr: Die wichtigste ist die Generalversammlung. Die ist immer, passend zum Namen der Kanonen am 6. Januar. Dann gibt es noch ein sommerliches, gemeinsames Grillen und zwei Dämmerschoppen im Jahr. Die funktionieren wie Frühschoppen, nur dass sie abends stattfinden und dann auch geböllert wird. Großartig hoch hinaus wollen die Mitglieder mit dem Komitee nicht. „Wir sind ganz einfach gestrickt“, sagt Tebben. Hauptbestreben sei laut Kramer immer, „dass wir unfallfrei sind“. Und das wollen sie auch bleiben.

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Freya Adameck Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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