Ramsloh Ein Zeichen gegen das Vergessen haben Schülerinnen und Schüler der Haupt- und Realschule (HRS) Ramsloh gesetzt. In Zusammenarbeit mit dem Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge haben sie eine Geschichts- und Erinnerungstafel erarbeitet, die das Schicksal der während des Zweiten Weltkriegs in Kriegsgefangenenschaft gestorbenen russischen Soldaten in Ramsloh aufzeigt. Am Freitag wurde die Gedenktafel enthüllt und feierlich eingeweiht.

Insgesamt acht russische Kriegsgefangene – unter ihnen auch ein kleines Mädchen, das wohl in der Gefangenschaft geboren wurde – sind auf dem Friedhof beerdigt worden. Ihre Namen sowie Geburts- und Todestage finden sich auf der Gedenktafel. Die Gefangenen hatten auf dem damaligen Moorgut Ramsloh, einer Außenstelle des Konzentrationslagers Esterwegen arbeiten müssen und waren an Krankheit, Erschöpfung oder durch Erschießung gestorben, wie auf der Tafel zu lesen ist. Auch der Name Heinz Ross findet sich in der Liste. Er war kein Kriegsgefangener, sondern ein deutscher Soldat, der im April 1945 in den Kämpfen um Ramsloh gestorben war. Auch er ist auf dem Friedhof beigesetzt. Schüler der 9b lasen die Namen der Verstorbenen bei Einweihungsfeier vor.

Das Projekt sei ein Beitrag zur Friedensarbeit und solle auch als Mahnung an die Nachgeborenen dienen, die Zukunft friedlich zu gestalten, sagte Astrid Fedorowicz, Schulleiterin der HRS, während der Einweihungsfeier. Auch Saterlands Bürgermeister Thomas Otto zeigte sich von der Gedenktafel beeindruckt. Diese sei eigentlich längst überfällig gewesen, sei aber in dieser Zeit umso wichtiger. Denn man vergesse meist zu schnell und brauche ab und zu einen Denkzettel – nicht nur in der Schule. Die dunkle Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs sei mittlerweile fast 80 Jahre her. Dennoch würden aktuell wieder die Schatten dieser Zeit die Gesellschaft einholen – in Deutschland und auch in ganz Europa.

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Erinnerung an Kriegsgefangene

Die Gedenktafel auf dem Friedhof in Ramsloh befindet sich direkt neben den Gräbern der verstorbenen Kriegsgefangenen. Der Text ist auf Deutsch und Russisch abgedruckt.

Auf der Tafel ist neben allgemeinen Informationen auch das Schicksal von Efim Ostaschev dargestellt. Er starb als Kriegsgefangener 1941 an Erschöpfung. Zu seinen Angehörigen konnte man während des Projektes Kontakt aufnehmen. Die Schüler hatten vorher nichts über das Schicksal von Ostaschev gewusst.

„Sie schreiben damit ein Stück Lokalgeschichte und werden sensibilisiert vor rechtsradikalen Strömungen“, sagte auch der stellvertretende Landrat Hermann Schröer an die Schüler gewandt. Auf der Tafel würden sich Biografien verbergen, die durch Gewalt beendet wurden.

Wie ein Puzzle hätten die Schüler ihre Ergebnisse Stück für Stück zusammengetragen, berichtete Stefan Kühling, der als Geschichtslehrer an der HRS das Projekt gemeinsam mit Marco Wingert vom Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge angestoßen hatte. Dank Gräberlisten, historischer Dokumente, bereitgestellt durch das Arolsen-Archiv, und einigen russischen Internet-Daten sei man an Informationen gekommen. Die Zeitzeugin Gretchen Grosser habe zudem auf die Gräber, die am Rande des Friedhofs neben der Hecke waren, aufmerksam gemacht, berichtete Kühling.

Er dankte auch Gunnar Koch, Eigentümer der Firma „Moorkultur Ramsloh“. Die Familie Koch hatte nach dem Krieg das Moorgut Ramsloh übernommen. „Obwohl man sich keiner geschichtlichen Verantwortung stellen musste, hat Gunnar Koch sich von Beginn des Projektes an hinter die Sache gestellt und die HRS und deren Schüler unterstützt. Die Kosten des Projektes sind von ihm übernommen worden“, berichtete Kühling. Eine zweite Gedenktafel soll auf dem Firmengelände aufgestellt werden.

Die Schüler der HRS werden sich weiterhin um die Erinnerungsstätte kümmern und die Gräber pflegen – damit das Schicksal der Verstorbenen nicht in Vergessenheit gerät.

Renke Hemken-Wulf Friesoythe / Redaktion Münsterland
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